Michael Wolffsohn: Vorbild für Deutschland? – Wie Integration in Israel funktioniert | BILD

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  • Ruprecht Polenz
    Ruprecht Polenz

    „Siebzig Jahre nach seiner Gründung ist Israel militärisch stärker als je zuvor. Weder ein arabischer Staat noch Iran können es in seiner Existenz bedrohen. Daran ändert auch die gegenwärtige Aufregung nichts. Doch im Innern des Landes wächst eine Gefahr, die größer ist als die der iranischen Führung. Israel ist gesellschaftlich gespalten wie noch nie. Die einzelnen Bevölkerungsteile treiben in verschiedene Richtungen, und die Regierung tut wenig dagegen…

    Die Schattenseite des erfolgreichen israelischen Staatsaufbaus war die Vertreibung der Palästinenser. Zu dieser Schattenseite gehört jedoch auch, dass die jüdische Bevölkerung aus der außereuropäischen Welt systematisch schlechter behandelt worden ist…

    Die Ultraorthodoxie bestimmt nicht nur das religiöse Leben in Israel, sie wird politisch immer einflussreicher. Forderungen nehmen zu, am Schabbat auch in säkularen Gegenden das öffentliche Leben quasi einzustellen. Schon heute fahren am Schabbat und an religiösen Feiertagen landesweit weder Busse noch Bahnen. Wegen ihrer hohen Geburtenrate werden die Ultraorthodoxen bald ein Drittel der Israelis bilden – eine Schicht, die mehrheitlich in Armut lebt, nicht zur Armee geht und wenig zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt…

    Nicht nur die ultraorthodoxe, auch die arabisch-palästinensische Bevölkerung in Israel wächst schnell. Trotz früherer Integrationsbemühungen der Regierung sind (und haben sich) diese Israelis bis heute nicht vollständig integriert. Verschärft wird die Trennung auch durch eine zunehmend national-religiös motivierte Politik. Ein in diesem Jahr vom Likud und der Siedlerpartei getragener Gesetzentwurf sieht vor, „rein jüdische“ Gemeinden zu erlauben. Was früher radikale Außenseiterpositionen waren, bestimmt jetzt die Debatten in der Knesset…

    Die fehlende gemeinsame Identitätsrichtung nimmt den Raum für eine Lösung des Palästinakonflikts, der in Israel freilich wenige kümmert. Militärisch sind die Palästinenser unter Kontrolle. Aber das dauerhafte Besatzungsregime, dem die Palästinenser unterworfen sind, beschädigt nicht nur den demokratischen Charakter des Landes…

    Wenn Netanjahu früher oder später abtritt, dann hinterlässt er nicht nur ein militärisch vor Kraft strotzendes Land, sondern auch eine zerbrechliche innere Ordnung.“

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/70-jahre-israel-ein-gespaltenes-land-faz-kommentar-15587868.html

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