Flugblatt einer islamischen Studentenorganisation zu den Verhaftungen von Oppositionellen

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Flugblatt einer islamischen Studentenorganisation zu den Verhaftungen von Oppositionellen

Im Zusammenhang mit den Studentenprotesten der letzten Wochen im Iran veröffentlichte eine islamische Organisation iranischer Studenten eine Erklärung, in der die Verhaftungen und Repressionen gegenüber Oppositionellen kritisiert werden. Die Erklärung bezieht sich dabei ausdrücklich positiv auf die Islamische Revolution und den verstorbenen Ayatollah Khomeini und kritisiert den amtierten religiösen Führer Khameini für seine vermeintliche Abkehr vom Weg der Revolution.

Die Erklärung, die am 25. Januar 2003 veröffentlicht wurde, wurde u.a. über die von Iraner betriebenen Internet-Seite www.iran-emrooz.de verbreitet. (1)

„Protesterklärung des islamischen Vereins der Technischen Universität Amir Kabir im Zusammenhang mit den Machenschaften der Justiz

Gestern führten sie unsere Intellektuellen zum Schlachthof, heute bringen sie die Anwälte der Opfer des religiösen Faschismus ins Gefängnis, anstatt sich um die Akten der Familien der Opfer zu kümmern.

Samstag, 5 Bahman 1382/25. Januar 2003

‚Bei der Morgendämmerung, bei zehn Nächten . Hast du nicht gesehen, wie dein Herr mit den ‚Ad verfahren ist, mit Iram, der Stadt mit der Säule, und mit dem Pharao, mit denen, die im Land aufsässig waren‘ (Sure 89, Die Morgendämmerung)

Es scheint, als ob die Gewalttäter – berauscht von der Macht ihren Kopf in den Himmel streckend und im Aberglauben des Gefühls, gottgleich zu sein -versäumen, die zitternden Beine ihrer Stühle wahrzunehmen, während sie den Frühling der Bevölkerung in einen Herbst und ihre Häuser in Gefängnisse verwandelten, während sie vom Islam reden, den Muslim zum Tode verurteilen, Gewalt säen, lügen und verleumden, Menschen ins Gefängnis bringen und sie foltern. Sie überfallen das Volk im Namen des Imam [Ayatollah Khomeini] und zerstören die Existenz des Volkes. Sie schwören auf die Legitimität der Shia und stellen den großen Vertreter der Shia unter Hausarrest [Montazeri, Konkurrent des religiösen Führers]. Sie sprechen von der Gerechtigkeit Alis und zerbrechen auf ihrem Thron die Waage der Gerechtigkeit. Sie verurteilen den Ankläger und verwandeln das Recht in Unrecht. Das Heil des Volkes wird zum Vorteil der nationalen Sicherheit aufgegeben und Studenten, Kritiker und der Intellektuelle werden verhaftet. Sie foltern, erstellen Interviews [Videoaufnahmen von Geständnissen in den Gefängnissen, die anschließend im Fernsehen ausgestrahlt werden] und ein wenig später verhaften sie sogar die Anwälte der Verhafteten unter dem Vorwurf, die Wahrheit gesagt zu haben, und werfen diese ins Gefängnis.

Gestern führten sie unsere Intellektuellen zum Schlachthof, heute bringen sie die Anwälte der Opfer des religiösen Faschismus ins Gefängnis, anstatt sich um die Akten der Familien der Opfer zu kümmern. Sie verhaften gar ihre Anwälte, um zu demonstrieren, dass die Verantwortlichen für die Kettenmorde [Morde an Intellektuellen und Politikern in den Jahren 1989/99] immer noch im System wirken. Gestern steckten sie den Akademiker Afshari wegen Freiheitsforderungen und einer Verteidigung der Rechte der Studenten ins Gefängnis und verlängern permanent seine Gefängnisstrafe. Heute werfen sie gar seinen Anwalt mit dem Argument, ihn und seine Gedanken zu verteidigen, ins Gefängnis. Wir bedauern die zerbrochene Waage der Gerechtigkeit und bedauern das Schwert, das in das Herz der Gerechtigkeit gestoßen wurde. Es schaudert uns, wenn wir an das Schicksal der Volksrevolution denken, wenn wir die Verurteilung der Mitglieder der „Freiheitsbewegung“ [Nehsate Asadi, Basargan regierte zu Beginn der islamischen Revolution gemeinsam mit Khomeini] und der Nationalreligiösen, die massiven Urteile gegen sie, die Verhaftung ihres Anwaltes unter dem Vorwurf der Erklärung der Wahrheit betrachten, wenn wir sehen, wie die Judikative der Islamischen Republik Iran mit Bezugnahme auf die Gesetze, die 1960 unter dem Pahlavi-Regime gültig waren, heute die kritischen Medien verbietet. Was sollen wir sagen und wo sollen wir Schutz suchen, wenn wir daran denken, dass die Gerichte der Islamischen Republik, die die Früchte der Ablehnung des Pahlavi-Regimes waren, heute unter ausgedachten Vorwürfen die Studenten, die Kritiker und die Reformer zu Gefängnisstrafen verurteilen? Wir bedauern umso mehr, dass sie sich als Muslime bezeichnen und mit ihren Taten die gnädige Religion des Propheten verletzen und den Islam in der Welt so präsentieren, als ob der Islam eine unmenschliche Religion wäre!

Wir würden es begrüßen, wenn der eiserne Nagel nicht in den Stein gehauen würde. Wir verurteilen die Machenschaften der Judikative bei der Verhaftung der Anwälte Sarafshan, Dadkhah und Soltani und protestieren gegen das kürzliche Verbot der Zeitungen Hayate No, Bahar, Nowruz und Hamshahri. Wir warnen die Verantwortlichen und hoffen, dass sie aufwachen, dass wenn sie heute Hayate No [eine Zeitung des Bruders von Khameinis], Bahar, Nowruz in die Dunkelheit des Verbots verbannen und den neuen Tag der Bevölkerung in einen Herbst verwandeln, ihre Häuser verwüsten und unsere Streiter für die Freiheit in den Käfig stecken – dass die Bevölkerung morgen jedoch den Tag erleben wird, der das neue Jahr des Iran sein wird. Die Bevölkerung wird ein neues Leben bekommen, ihr Frühling wird kommen, dann wird die Bevölkerung ihren Herbst mit Tänzen zerbersten.

Der islamische Verein der Technischen Universität Amir Kabir, Polytechnik Teheran“

(1) http://www.iran-emrooz.de/khabar/amirkab811105.html  

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