Offizieller iranischer Studentenverband appelliert an UNO

  • 0

Offizieller iranischer Studentenverband appelliert an UNO

In einem offenen Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan wandte sich vorgestern der iranische Studentenverband „Büro zur Festigung der Einheit“ gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran. Drei Tage vor dem 9. Juli, dem vierten Jahrestag der bisher größten Studentendemonstrationen, überrascht die offene Kritik dieses offiziellen Verbandes, der weiterhin unter dem Emblem Khomeinis auftritt und vor allem die vom Regime geduldete islamische Opposition an den Universitäten vertritt: Die Organisation greift das Regime in einem Ton an, den sonst meist nur Exilgruppen verwenden. Das deutet darauf hin, wie weit der Abwendungsprozess vom Regime zumindest in der Studentenschaft fortgeschritten ist. Der Brief ist nicht namentlich, sondern im Namen des ´Büros zur Festigung der Einheit´ von 30 iranischen Universitäten unterzeichnet und unter www.akunews.org/News/print.asp?ID=2488 auf der Site der Amir Kabir Universität Teheran erschienen:

„Vollständige Abschrift eines Briefes des ´Büros zur Festigung der Einheit´ an den verehrten Vorsitzenden der Vereinten Nationen“

„Sehr geehrter Kofi Annan,

diese Tage, sind schwarze und verlorene Tage für diejenigen [selbstlosen] Menschen, die nach einem hellen Morgen suchen, ein Morgen, an dem sie ihr Schicksal und ihre Regierung selbst bestimmen.

Wir, die Studenten und Mitglieder des islamischen Studentenvereins, die gewählten Vertreter der Universitäten des Landes [vom ´Büro zur Festigung der Einheit´; d. Ü.] richten als einzige nicht verbotene derjenigen Organisationen, die in den vergangenen Jahren die Forderungen der Studenten vertraten und trotz des Druckes und der gegenwärtigen Auseinandersetzungen – aber […] in der Erkenntnis unserer Hoffnungslosigkeit bezüglich der Reformierbarkeit der existierenden Regierung -diesen Brief an Sie, damit sich angesichts des Berichts über die von der iranischen Regierung begangenen Menschenrechtsverletzungen, die Vereinten Nationen einschalten.

Wir richten unsere Beschwerde an Sie, weil die politische Apartheid dem iranischen Volk jegliche Sicherheit genommen hat, weil sie uns das Recht auf Selbstbestimmung genommen hat, weil sie unsere Existenz auf die Befriedigung elementarster Bedürfnisse reduziert hat und weil wir in diesem historischen Moment die Wiederholung der Erfahrungen unserer Nachbarn befürchten: Wir fürchten die Wiederholung solcher humanitärer Katastrophen, die die Selbstsüchtigen an den Tiefpunkten der Geschichte anrichten, um ihre Macht zu erhalten. Wir leben in einem Land, in dem jedes Individuum in seiner Privatsphäre wie im sozialen Leben in direkter und absoluter Verbindung mit dem riesigen Regierungsapparat steht. Bedauerlicherweise ist das Herrschaftssystem verhärtet und nicht in der Lage zu antworten, weil es seine Macht nur im Erhalt der gegenwärtigen Bedingungen sichern will. Daher führen weder faire und einfühlsame Kritiken zu einem Ergebnis, noch sind die Bemühungen der Bürger zur Verbesserung der gegenwärtigen Lage wirksam.

Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Versammlungsfreiheit für Vereine und Gewerkschaften, Religionsfreiheit […], Pressefreiheit, Frauenrechte, das Recht auf freie Kleidungswahl, der Schutz der Privatsphäre vor der Willkür des Staates, faire Gerichtsverfahren – all diese Rechte sind Bestandteil der Erklärung der Menschenrechte, die die iranische Regierung unterschrieben hat. Allerdings fühlt sie sich dieser Erklärung leider nicht nur nicht verpflichtet, sondern verletzt diese Rechte in einem Maß, als ob solche Verpflichtungen gar nicht bestünden.

Sehr geehrter Herr Kofi Annan,

[…] Mit diesem Schmerzensbrief stellen wir fest, dass fast alle Menschenrechte von den Herrschenden mit Füßen getreten werden. Eines der größten Opfer der Nichtbeachtung dieser Prinzipien ist Mohammad Jafar Puyande, dessen Name auf der Veröffentlichung der Menschenrechtserklärung als Übersetzer glänzt, der von den brutalen Regierungshenkern aber erbarmungslos ermordet wurde.

Seit Jahren trennt die aus einem falschen Verständnis von Religion erwachsende politische Apartheid die Khodis [die unsrigen] von den Nicht-Khodis [den ihrigen]. Sie trennt die Gleichgesinnten von den Andersdenkenden, Revolutionäre von Nicht-Revolutionären und schließlich Bürger erster Klasse von den Bürgern zweiter Klasse. All dies hat dazu geführt, dass Macht, Reichtum, Positionen und Informationen für den einzelnen nur in Abhängigkeit von der herrschenden Regierung zu erlangen sind. Dabei heißt es doch in Artikel 1 und 2 der Erklärung der Menschenrechte: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ Und weiter: „Jedermann hat Anspruch auf die in dieser Erklärung proklamierten Rechte und Freiheiten ohne irgendeine Unterscheidung, wie etwa nach Rasse, Farbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, nach Vermögen, Geburt oder sonstigem Status.“

Die iranischen Studenten wissen, dass der Weg zu Entwicklung, Wohlstand, Freiheit und Demokratie nur im Bestehen auf den Menschenrechten und einem friedlichen Kampf zu suchen ist. Daher fordern sie die Regierenden vornehm auf, gemäß der politischen Moral und im Respekt der Menschenrechte zu handeln. Und während die Drohungen der mächtigen Staaten, die zuletzt Empfindlichkeiten bezüglich des Iran geäußert haben, auf ihren eigenen Interessen basieren, erhoffen wir von der UNO, dass sie im Sinne der Menschen und der Verbesserung der Situation auf unser Land blickt. […]

Sehr geehrter Herr Kofi Annan,

I) In Artikel 3 der Menschenrechtserklärung heißt es: „Jedermann hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“

In unserem Land sind aber in den 80er und 90er Jahren viele Morde und Verbrechen geschehen, an denen die Herrschaft -zumindest aber Teile der Herrschaft – direkt beteiligt waren. Die Ermordung von unabhängigen Schriftstellern und Intellektuellen wie Dr. Sami, Dariush Foruhar, Parvane Eskandari, Majid Sharif, Jafar Muyande, Said Sirjani, Pirus Dawani und anderer berühmter und vieler unbekannter Personen in den 80er und 90er Jahren (insbesondere im Herbst 1999) durch Informations-und Sicherheitskräfte der Regierung zeugen ebenso von den Verletzungen der Menschenrechte, […] die der Staat eigentlich schützen soll, wie die Hinrichtung einer Vielzahl von Gegnern des iranischen Regimes ohne Gerichtsverfahren in den 80er Jahren (insbesondere im Jahr 1988). Die iranische Judikative hat das Recht, Menschen als Abtrünnige zu verurteilen und hinzurichten. Ihnen wird das Recht auf Leben genommen (und wir fürchten schon die Hinrichtungsurteile für einige der in den letzten Tagen Verhafteten).

Dies in einem Land, in dem nach einem (gescheiterten) Plan der Sicherheitskräfte 30 Schriftsteller und Intellektuelle in ein Tal geworfen werden sollten [bei einem inszenierten Busunfall; d.Ü.], in einem Land, in dem vor ungefähr vier Jahren die Studentenwohnheime von Polizisten und paramilitärischen Einheiten überfallen wurden, die von der von Regierung abhängig und ihr zugehörig sind […]. In den letzten Tagen beobachteten wir erneut, dass die Wohnheime der Universitäten von Teheran, Alame Tabatabai, Hamedan und Yasd mit Messern und Stöcken überfallen und die Studenten brutal verletzt wurden. Jetzt haben sie sogar jene Kritiker bedroht, die einen Brief an den Führer der Ordnung geschrieben haben. Selbst ein (Majless/Parlaments)-Vertreter, der den Brief unterschrieben hatte, wurde in einem fingierten Autounfall von der Straße abgebracht. Wie können sich Kritiker, protestierende Menschen und [Regierungs-]Gegner da sicher fühlen?

II) Im Artikel 5 der Erklärung heißt es: „Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“

Im Iran werden aber viele politische Aktivisten und aktive Studenten gefoltert, erhalten grausame Strafen und werden ungerecht und unmenschlich behandelt. Auch „einfache Menschen“ werden von solch erniedrigenden Behandlungsmethoden nicht verschont. Einige Beispiele: Unerträgliche Folter zur Erzwingung von Geständnissen, Erniedrigung, Beschimpfungen und Beleidigungen der Verhafteten, das Anbinden an den Betten, um die Menschen zu schlagen, erzwungene andauernde Schlaflosigkeit im Stehen, Scheinhinrichtungen am Galgen…. Das sind Beispiele für das Vorgehen von Untersuchungsbeamten und Folterern in den unbekannten unkontrollierten Gefängnissen. Die Briefe u.a. von Ali Afshari, Ahmad Batebi, Esatollah Sahabi, Mohamad Maleki, Amir Farshad Ebrahimi, Aliresa Jabari, Faraj Sarkuhi bezeugen das. Und das sind nur die Briefe derjenigen, die wegen ihrer  Bekanntheit ohne Angst vor den Folgen veröffentlicht werden konnten. Vielen unschuldigen Menschen bleibt angesichts ihrer nicht-existenten Rechte der Schrei im Halse stecken. Auch von den Mitgliedern des ´Büros zur Festigung der Einheit´ sind nur wenige nicht gefoltert worden. Wir weisen dazu auf den Film über die Untersuchungsmethoden im Zusammenhang mit den Serienmorden [eine Reihe von Morden an Politikern und Intellektuellen, d.Ü.] der Jahre 1998/99 hin. Er zeigt, dass Untersuchungsbeamte, um ihre Aussagen stützen zu lassen, sogar die eigenen Familienangehörigen unmenschlich behandelten.

III) In den Artikeln 6, 7 und 8 heißt es: „Jedermann hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.“ Und: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich und haben ohne Diskriminierung Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz. Alle haben Anspruch auf gleichen Schutz gegen jede Diskriminierung.“

Im Iran werden diese Artikel mehrfach verletzt: Viele politische und studentische Aktivisten sind seit längerer Zeit ohne Anwalt und wegen unbegründeten Vorwürfen in Haft, ohne dass sie in einem öffentlichen Gerichtsverfahren verurteilt worden wären. Als Beispiele können die Verhaftungen von Ali Afshari, Esatollah Sahabi, Akbar Ganji, Habibollah Peyman, Taqi Rahmani, Resa Alijani, Aliresa Rejai, Hoda Saber und Ahmad Seyabadi sowie alle Verhafteten der letzten Tage genannt werden. In all diesen Fällen hat das Gericht sich noch nicht einmal bemüht, überhaupt einen Prozess zu eröffnen. Die politischen Gefangenen werden für lange Dauer in Haft behalten und die Anwälte haben kein Recht ihre Klienten zu verteidigen. Stattdessen wurden die Anwälte im Zusammenhang mit den Serienmorden (Nasser Sarafshan) und die Anwälte der nationalreligiösen und politischen Aktivisten und der Studenten wegen der Verteidigung ihrer Klienten selbst gerichtlich verfolgt. Einige wurden verhaftet, andere haben Berufsverbot bekommen -wie etwa Nasser Sarafshan, Mohammad Ali Dadkhah, Abdolfatah Soltani, Rahami und Shirin Ebadi. Damit werden eindeutig die Artikel 6, 7 und 8 der Menschenrechtserklärung verletzt.

Im Iran überfallen […] die bewaffneten Terroristen [Bassijis; d.Ü.] die Studenten in ihren Wohnheimen. […] In aller Offenheit demonstrieren sie mit Unterstützung der Macht ihre Willkür. Auf der anderen Seite werden alle mutigen Anwälte in die Gefängnisse geworfen und geben ihr Klagerecht zurück. Im Iran ist die Verhaftung von Studenten und anderen Personen […] mit Schlägen, Narkosegasen, dem Einsatz von Waffen und Schockmitteln sowie mit Menschenraub verbunden. Über lange Zeit erfährt man nicht, wann und wo die Menschen verhaftet wurden.

IV) Artikel 9: „Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden.“

Es vergeht kaum ein Tag, an dem dieser Artikel nicht verletzt wird. Beweis ist die Verhaftung einer Vielzahl von befreundeten Studenten: a) Dazu zählen die einjährige Verhaftung von Ali Afshari, Sahabi, Habibollah Peyman, Hoda Saber, Resa Alijani, Taqi Rahmani, Aliresa Rajai, Mohammad Maleki, Mohammad Bastenegar, Ahmad Seydabadi, Mohammad Tawasoli oder Hashem Sabaqian im Jahr 2000 in Verbindung mit Einzelhaft, Folter und Psychofolter. Nun sind drei Jahre vergangen und immer noch haben viele von ihnen kein Gerichtsverfahren bekommen. Willkürlich waren auch die Festnahmen von Beschuldigten in der Sache Volksbefragung (Abas Abdi, Qasian und Geranpaye) [Diese hatten in einer Befragung eine proamerikanische Haltung in der Bevölkerung festgestellt; d.Ü.] sowie von Schriftstellern, Intellektuellen, Journalisten und Studenten, die auf offener Straße unter dem Vorwand staatlicher Sicherheitsinteressen festgenommen wurden. b) Auch die Verhaftungen von Studenten aus der Bewegung vom Juli 2002 fanden ohne Gerichtsurteile statt. […] Zu erwähnen sind die willkürlichen Verhaftungen von Abdollah Momeni, Said Rasawi Faqih, Akbar Atri und Mehdi Aminsadeh (Mitglieder des ´Zentralrates des Büros zur Festigung der Einheit´), sowie von Ali Farokhi, Farid Modaressi, Said Moradi, Mortesa Sawarsadeghan, Mitglieder des allgemeinen Rates des ´Büros zur Festigung der Einheit´ und die Verhaftung von 300 weiteren Studenten. c) Nach einem Eingeständnis von Herrn Namasi, Oberstaatsanwalt des Landes, führten die Übergriffe im Juli diesen Jahres zu 4000 Verhaftungen im gesamten Land. Darunter waren viele Zuschauer und Passanten. […] Die Verhaftung von Rusbe Shafii, Mohammad Farqdani, Abdollah Momeni, Mehdi Aminsadeh, Mojtaba Najafi, Baqer Oskui, Ruhollah Rohani, Mehdi Khosrawi, Mitglieder des islamischen Studentenvereins der Universität Teheran, sind Beispiele dieser unendlichen Reihe von Verhaftungen an unbekannten Orten und weit entfernt von Augen des Gesetzes und der Beobachter der internationalen Menschenrechte. Der Schatten von Menschenraub und willkürlichen Verhaftungen übt einen permanenten Druck auf uns aus. Alltäglich müssen wir in jedem Moment mit unserer Verhaftung oder der von Freunden rechnen.

V) In Artikel 10 der Menschenrechtserklärung heißt es: „Jedermann hat in voller Gleichberechtigung Anspruch darauf, dass über seine Ansprüche und Verpflichtungen und über jede gegen ihn erhobene strafrechtliche Anklage durch ein unabhängiges und unparteiisches Gericht in billiger Weise und öffentlich verhandelt wird.“ Und in Artikel 11: „Jeder wegen einer strafbaren Handlung Angeklagte hat Anspruch darauf, als unschuldig zu gelten, bis seine Schuld in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.“

[Immer wieder…. finden Verfahren statt], bei denen die Abwesenheit von Geschworenen und Urteile von Richtern bevor der Schuldbeweis erbracht ist, diese Artikel verletzt. […] Die Judikative hat immer und immer wieder den Artikel 11 der Menschenrechtserklärung verletzt und die Angeklagten gezwungen, falsche Aussagen für die Medien zu machen. […] Ali Afshari hat im Staatsfernsehen bereuen müssen, Siamak Pursand hat in verschiedenen Fernsehsendungen eine ähnliche Rolle gespielt. Esatollah Sahabi musste unter Zwang ein Selbstbezichtigungsschreiben aufsetzen, das in den Zeitungen abgedruckt wurde. Dies alles, ohne das ein Gericht sie verurteilt hatte. Auch die angeklagten Teilnehmer der Berliner Konferenz […] wurden in der Öffentlichkeit zunichte gemacht.

VI) In Artikel 12 heißt es: „Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder rechtswidrigen Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.“

Die Verhaftungen der letzten Jahre, gingen meist einher mit Haus -, Büro-, und Medienkontrollen. Firmen wie Jameje Rus und Zeitungen wie Jamee, Tus und Neshat wurden geschlossen, das Büro von Esatollah Sahabi wurde gänzlich durchsucht und das Büro der Zeitschrift Irane Farda geschlossen, die Häuser von Ebrahim Yasdi und Habibollah Peyman wurden durchsucht und die Büros der nationalreligiösen Nehsate Asadi geschlossen. Weiterhin wurden die Häuser von Resa Alikhani, Taqi Rahmani, Hoda Saber, Mehdi Aminsadeh durchsucht. Dabei wurden die Beschwerden der betroffenen Personen gerichtlich nicht beachtet.

VII) In Artikel 18 der Menschenrechtserklärung heißt es: „Jedermann hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Weltanschauung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, öffentlich oder privat durch Unterricht, Ausübung, Gottesdienst und Beachtung religiöser Bräuche zu bekunden.“

Mit dem Urteil über Abtrünnige ist dieses Recht gänzlich in Frage gestellt […]. Diesem Urteil zu Folge steht auf Religionswechsel die Todesstrafe.

VIII) In Artikel 19 der Menschenrechtserklärung heißt es: „Jedermann hat das Recht auf Freiheit der Meinung und der Meinungsäußerung; dieses Recht umfasst die unbehinderte Meinungsfreiheit und die Freiheit, ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen Informationen und Gedankengut durch Mittel jeder Art sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.“

Lehrverbot für viele Professoren, wie Dr. Sorush, und Ayatollah Montaseri, die Verhaftung von Dr.Kadiwar […], die Verkündung der Todesstrafe für Dr. Hashem Aqajeri, wegen eines Vortrages über islamischen Protestantismus, langjährige Haft für Akbar Ganji und Emadoldin Baqi wegen ihrer mutigen Kritiken, die Verhaftung von vielen Journalisten wie Masud Behnud und Ebrahim Nabawi, Mashallah Shamsolwaezin, Hamidresa Jalaipur oder Mohsen Sasegara, die Schließung von 14 Zeitungen in einer Nacht (April 2000) und seither das Verbot von über 100 Zeitungen und Zeitschriften wegen Meinungsäußerung […], die Schließung von Internet-Nachrichtensites, und die Installierung von Filtern in Internet- und der Bau von Parasitensystemen, die den Empfang von Satelliten und von Radios erschweren […] – all das sind Beispiele für die Verletzung des Artikels 19 der Menschenrechtserklärung. Im Iran hat jeder Angst, seine Meinung und Vorstellungen öffentlich zu erklären. Mit dem Verbot der freien Meinungs-und Gedankenäußerung wurde die Angst vor den Konsequenzen für die Bevölkerung natürlich. Die Zensur ist zu einem Teil unseres Wesens geworden.

IX) In Artikel 20 heißt es: „Jedermann hat das Recht auf Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit zu friedlichen Zwecken.“

Seit mehr als fünf Jahren hat die Islamische Studentenvereinigung im ganzen Land keine Erlaubnis erhalten, Veranstaltungen außerhalb der Universität abzuhalten. Seit Jahren können Parteien, Vereine oder Gewerkschaften ihre Mitglieder nicht auf Veranstaltungen versammeln. Auch Lehrer-und Arbeiterverbände dürfen sich nur im Rahmen staatlich angeordneter Pflichtveranstaltungen versammeln. […] Der Sitzstreik von 30 Personen vor dem Präsidentenbüro in Teheran, die Proteste der Nationalreligiösen vor dem UNO-Gebäude und viele andere Proteste mit dem Ziel, Rechte einzufordern, wurden mit harten Reaktionen der Sicherheitskräfte beantwortet. Die Nehsate Asadi des Iran, die Organisation der Bewegung der Nationalreligiösen des Iran, wurde aufgelöst. Ihre Mitglieder wurden unter dem Vorwurf der illegalen Mitgliedschaft in Gruppierungen zu Feinden des Islam (Mahareb) erklärt. Und der Schriftstellerverband darf sich nicht einmal zur Wahl seiner Gremien treffen. Seine Mitglieder leben ständig in einem von der Polizei erzeugten Klima aus Angst und Schrecken.

X) In Artikel 21 heißt es: „Jedermann hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter teilzunehmen.“ „Jedermann hat unter gleichen Bedingungen das Recht auf Zugang zu öffentlichen Ämtern in seinem Lande.“ Und: „Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; der Wille muss durch wiederkehrende, echte, allgemeine und gleiche Wahlen zum Ausdruck kommen, die mit geheimer Stimmabgabe oder mit einem gleichwertigen freien Wahlverfahren stattfinden“ Die Führung unseres Landes arbeitet gegenwärtig auf der Grundlage einer Wahl aus dem Jahr 1979.[…] Nur wer zuvor von der Herrschaft bestätigt und durch hunderte von offiziellen und inoffiziellen Filtern gegangen ist, erhält das Recht, als Vertreter des Volkes gewählt zu werden und die Menschen zu vertreten. Um seine Berechtigung und Kompetenz zu beweisen, muss im Iran jeder Kandidat zunächst nachweisen, dass er unschuldig und rein ist. […] Das Bestehen eines Parlamentes ist im Iran nur eine demokratische Schau. Schon die kleinste Entscheidung des Parlaments, welche die tyrannischen Gesetze und Herrschaftsmethoden infrage stellen könnte, wird durch Fatwas seitens der nicht gewählten Vertreter der absoluten Herrschaft begegnet, so dass alle Wege verschlossen bleiben. Welches Land der Welt (in dem eine wirklich parlamentarische Ordnung herrscht) ist Ihnen bekannt, wo die Parlamentsmitglieder zur Erfüllung der Rechte der Bevölkerung in Streik treten? Der Präsident des Iran, der in den letzten 6 Jahren zwei Mal von mehr als 20 Millionen Iranern gewählt worden ist, hat nach seinen eigenen Ausführungen bei der Ausführung der Verfassung und der Durchsetzung der Menschenrechte weniger Rechte als ein normaler Mensch. Die Position des Präsidenten ist also  de facto eine rein repräsentative. Er darf nur in den Fällen aktiv werden, in denen die absolute Herrschaft nicht in Frage gestellt wird. Was aber bleibt unter diesen Bedingungen übrig von der Selbstbestimmung des Volkes? […]

Sehr geehrter Herr Kofi Annan,

nun da wir unsere Beschwerde vorgetragen und die bitteren Erinnerungen der letzten Jahre erneut berichtet haben; nun da wir keine Möglichkeit unserer freien Entwicklung erkennen – ist es da nicht an der Zeit, nach unserer Pflicht und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu fragen und unsere Bürgerrechte neu zu definieren? Wir bedauern, dass die grundlegenden Rechte und Freiheiten, [Gerechtigkeit und Moral]  und der allgemeine Wohlstand der Gesellschaft mit Füßen getreten werden und die fairen Kritiken der Intellektuellen und der Reformer uns nicht weiter bringen.

Sehr geehrter Herr Kofi Annan,

diese Tage sind schwarze und verlorenen Tage für diejenigen [selbstlosen] Menschen, die nach einem hellen Morgen suchen, ein Morgen, an dem sie ihr Schicksal und ihre Regierung selbst bestimmen. Schenken Sie dieser Ungerechtigkeit Gerechtigkeit. Wir suchen heute demütig Schutz bei Ihnen und warten darauf, dass […]Tragödien und Katastrophen vorgebeugt werden kann und der Schatten verschwindet, der in diesem Land auf Frieden und Freiheit, Demokratie und Menschenrechten liegt.“

Mit Dank und Hochachtungsvoll

Die islamischen studentischen Vereinigungen:

TU Amir Kabir (Polytechnick Tehran), Pädagogikuniversität Sabsewar, Uni-Sistan und Baluchestan, Uni Sahand Tabris, Post-Universität, TU Scharif, Shahid Rejai Uni-Tehran, Fars-Bushehr Uni, TU-Isfahan, Medizinische Uni Hamedan, Pädagogik-Uni-Teheran, Uni-Scharekurd, Uni Sabol, Uni Lorestan, TU-Khaje nasir, Uni Sanjan, Uni Ahwas, Uni-Wasser und Elekrizität Abaspur, Alsahra-Uni-Tehran, Uni Payame Nur Somesahra, Wirtschaftsuni, Uni-Irak, Uni-Mashhad, Uni-Ardebil, Uni-Alame Tabatabai, Uni-Kerman, Medizinische-Uni-Iran, Medizinische-Uni-Isfahan, TU -Iran


Hinterlasse eine Antwort