Der Präsidentenberater…

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Der Präsidentenberater

 

 

Die reformislamistische Zeitung Sharq berichtet über ein Gespräch mit Herrn Ramin, dem Berater des Präsidenten Ahmadinejad. Dieser behauptet, den iranischen Präsidenten niemals beraten zu haben. In seiner Rolle als Vorsitzender der „Holocaust-Wahrheitskommission“ will er „unabhängig“ sein.

 

 

„Ein Gespräch mit Mohammad Ali Ramin ist nicht einfach. Wenn du denkst, dass du einen Politiker triffst, täuschst du dich. Er spricht eher wie ein Koranschüler. Er verwendet kaum politische Begriffe, wenn er spricht. In den ersten Minuten erscheint er ein wenig merkwürdig, aber dann wirkt er ganz normal. Er ist sehr liebevoll und freundlich. Er spricht gewählt und wenn er eine Frage nicht beantworten will, fängt er an, verschlüsselt zu sprechen. Man muss ihn dann nur daran erinnern, dass er eine Frage nicht beantwortet hat. In einem Gespräch hat er den Holocaust weder bestätigt noch geleugnet.“

 

Er könne die „Heuchelei“, von der er spricht nicht näher erklären oder einen Beweis liefern, warum die hiesigen Personen  „Heuchler und wankelmütig“ sind. Wenn man ihn über seine  politischen Aktivitäten befrage, würde er von seinen Moscheebesuchen sprechen und nicht davon, dass er den Präsidenten berate. Er bestätigte, dass Kritik ein gewichtiges Gebot sei.

 

Es heißt weiter:

„Glücklicherweise war er in dem Interview einfach Mohammad Ali Ramin. Er ist 54 Jahre alt. Aber die politische Bühne des Iran erinnert sich kaum an ihn. Er gehört zu denjenigen, die neu aufgetaucht sind, und wenn sie auch schon früher existiert haben, hat sie kaum jemand wahrgenommen.

 

Während der Revolution war er 25 Jahre alt. Als er von der Islamischen Republik hörte, übersetzte er die Republik mit Volk. Er reiste nach Deutschland und studierte dort Ingenieurswissenschaften. Er war 10 Jahre lang Freitagsimam, obwohl er nie an einer religiösen Schule gelernt hat. Am Ende der Regierungszeit des Präsidenten Rafsanjani kehrte er in den Iran zurück und bis heute ist er eine fragwürdige Gestalt geblieben.

 

Er sieht nicht asiatisch aus, so dass sogar die Deutschen oft gedacht haben, er sei ein Deutscher. Er ist in Desful geboren.

 

Er dementiert, jemals Berater der staatlichen Medienanstalt unter Herrn Larijani und Berater von Ahmadinejad gewesen zu sein. Er sagt, dass dies ein Bild sei, das lediglich in den Phantasiegeschichten der Medien verbreitet worden sei. Er meint die Medien, die über die feurigen Sätze von Ahmadinejad in Hinblick auf die Holocaustleugnung berichtet haben, als der Präsident den Holocaust als ein Märchen bezeichnete. Er meint die Medien, die fragten, wer denn hinter dem Präsidenten stehe und schließlich auf Herrn Ramin stießen.

 

Aber er bestätigt weder den Holocaust noch leugnet er ihn. Seit neuestem teilt er die politischen Parteien des Iran in vier Gruppen ein: Mojaheds[1] und Fromme, Heuchler und Wankelmütige. Wir haben uns vergeblich bemüht herauszufinden, was er denn unter diesen Begriffen versteht, aber wir stießen gegen eine dicke Wand. Er wollte auch nicht bestätigen, dass er Präsidentenberater ist. Ramin übt grundsätzliche  Kritik an allen Regierungen, die vor Ahmadinejad an der Macht waren.

 

Für ihn sind Reformen Verschwörungen. Aber er liebt Khatami. Er kritisiert die Reformen, wegen der politischen Banden, in deren Falle die Reformer und Khatami geraten seien. Nach seiner Aussage weiß er ganz genau, welche Personen alle neun Tage einmal eine Krise hervorgerufen haben, damit sie Khatami als einen Taugenichts vorführen können. Es seien die wirtschaftlichen Wucherer, die nach dem Tode von Imam Khomeini ihren Schatten auf die Wirtschaft werfen würden. Personen, die 8 Jahre lang gekämpft haben, um die Ineffektivität von Khatami zu beweisen. Es seien Personen, die sich nicht gezeigt haben, damit sie schließlich sagen können, dass in der Zeit nichts erreicht worden sei.

 

Für Ramin ist der Bedeutungswandel  der Begriffe Imamat[2] in Führung und Ummat [3]  in Bürger die größte intellektuelle Verschwörung. Diese habe dazu geführt, dass die religiösen Brüder und Schwestern sich verantwortungslos begegnen und sich in Bürger verwandelt haben, die sich gleichgültig begegnen. Ramin spricht über Personen, die die Mostasafin [4] benachteiligte Schichten nennen, damit sich niemand für ihre Rechte einsetze, Leute die die Arroganten als Weltmächte bezeichnen, mit denen man einen Dialog führen müsse und für Vertrauen sorgen müsse.

 

Für ihn ist es kein Maßstab, ob jemand revolutionär war oder nicht, sondern es sei wichtig, wie sie sich positionieren und was sie tun. Daher beklagt er auch stark, wie einige Zeitungen schreiben. Für Ramin sind politische Aktivitäten eine  Aufgabe für jeden Muslim. Aber seine eigenen politischen Aktivitäten fasst er mit seinen Moscheebesuchen und Besuchen der Freitagspredigten zusammen. Er hält zwar seine politischen Aktivitäten bedeckt und empfängt uns in der Universität der ‚Botschaft des Lichtes‘, wo er Ingenieurswissenschaften lehrt, aber es ist sehr offenkundig, dass Ramin ein wichtiger Mensch ist.

 

Bei den Wahlen des siebten Majless[5] haben seine Freunde ihn alleine gelassen. Aber er hat sich als Unabhängiger bei den Wahlen aufgestellt. Er landete auf  Platz 52 in Teheran. Ramin geht davon aus, dass die Kritiken, die die Harmonie der islamischen Gesellschaft stören, nur den Zionisten dienen. Aber wenn wir danach fragen, was er denn unter Disharmonie versteht, lächelt er nur, so dass wir mitnichten davon überzeugt werden.

 

Unter allen Männern der Geschichte nennt er nur fünf bedeutende Personen. Der erste sei der große Xerxes[6] und der letzte Mahmoud Ahmadinejad. Er ist der Vorsitzende der Holocaust-Wahrheitskommission. Diese Position setze voraus, dass er gegenüber den Ereignissen der Geschichte unabhängig sei. Aber als wir ihn fragten, warum denn keiner zu der Holocaust Konferenz eingeladen wurde, der die Existenz des Holocaust verteidigte, schiebt er die Verantwortung auf die Veranstalter des Seminars.“ [7]

 

Samina Rastegari, die Autorin des Artikels weist darauf hin, dass das Interview mit Ramin bald erscheinen werde.

 

Aber seit einigen Tagen erscheint Sharq zumindest nicht mehr im Internet.

 

 

SIEHE DAZU AUCH:

 

·        HC: 7.1.2007: Ein Dokument des islamistischen Antisemitismus:

http://honestlyconcerned.info/bin/articles.cgi?ID=IR5307&Category=ir&Subcategory=19

 

·        Memri, Antisemitic Cartoons in the Arab and Iranian Press 6.7.2007, http://memri.org/bin/latestnews.cgi?ID=IA36807

 

 

 



[1] Glaubenskämpfer

[2] Im schiitischen Islam wird unter Imamat das Prinzip der 12 Imame verstanden

[3] Die islamische Gemeinschaft oder auch islamisches Volk als religiöse Gemeinschaft

[4] Khomeinis Begriff für die Unterdrückten

[5] Islamisches Parlament

[6] Iranischer König

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