Was jüdische Organisationen in Bezug auf den Iran tun müssen

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Was jüdische Organisationen in Bezug auf den Iran tun müssen

 

 

Von Shlomo Avineri
The
Jerusalem Post (jpost.com)
[1]
27. Januar 2007

 

 

Es ist zweifelhaft, ob die internationalen Bemühungen, nun auch durch UN-Resolutionen unterstützt, den Iran von seinen nuklearen Ambitionen abhalten werden. Verständlicherweise frustriert haben sich einige jüdische Führungspersönlichkeiten dazu entschieden, zu den stärksten Befürwortern einer militärischen Aktion gegen den Iran zu gehören.

 

Dies ist ein falscher und gefährlicher Weg. Falsch, da, wenn eine militärische Option sich als letzter Ausweg herausstellt, dies nicht aufgrund der Einmischung von jüdischen Vorsitzenden oder Organisationen geschieht, sondern wegen strategischer Erwägungen, die die USA und vielleicht auch andere Staaten zu dieser Schlussfolgerung bringen. Und gefährlich, weil es den Anschein erwecken könnte – boshaft, aber nichtsdestoweniger nachvollziehbar für jene, die Israel oder Juden allgemein nicht freundlich gesonnen sind -, dass „die jüdische Lobby“ die amerikanische Politik bestimme.

 

Aber die Juden in der Diaspora können helfen, auch wenn sie bisher erfolglos waren.

 

Seit der Wahl des Präsidenten Mahmoud Ahmadinedschad ist das iranische Atomprogramm eng mit seinen wiederholten Äußerungen zur Holocaust-Leugnung und seinem Ruf nach der Zerstörung Israels verbunden. Darauf hat die jüdische Weltgemeinschaft nicht deutlich genug geantwortet wie sie es hätte tun können, und hätten tun sollen.

 

In den 1970ern und 1980ern sind die Juden weltweit entscheidende Akteure gewesen, als es um den Einsatz für die Juden in der Sowjetunion ging: jahrelang haben Demonstrationen, Proteste, Sit-ins und andere friedliche Aktionen das Leben der sowjetischen Diplomaten im gesamten Westen in einen täglichen Albtraum verwandelt und dieses Thema an der Spitze der internationalen politischen Agenda gehalten. Wann immer ein sowjetischer Führer den Westen besuchte oder ein sowjetischer Botschafter im Fernsehen oder bei einer Pressekonferenz auftauchte, wurden sie von der ständigen Frage verfolgt: „Warum lassen Sie die sowjetischen Juden nicht frei emigrieren?“

 

Als die Sowjetunion ihre Emigrationspolitik unter Michail Gorbatschow änderte, geschah dies nicht ausschließlich wegen diesem so erzeugten, ständigen, öffentlichen Druck, doch führte dieser Druck zu einer der Hauptüberlegungen, die Moskau zum Meinungswechsel brachte.

Dies – und nicht die verbale Aggression gegen Irans Atompolitik – ist, was jüdische Organisationen in jedem Land nun tun müssten. Die Holocaust-Leugnung ist ein moralisches, kein politisches Thema und viele nicht-jüdische Menschen und Organisationen würden sich dem anschließen.

 

Was sollte getan werden?

 

        In jeder Hauptstadt Mahnwachen und regelmäßige Demonstrationen vor iranischen Botschaften würden die Aufmerksamkeit auf die inakzeptable Holocaust-Leugnung ziehen.

        Bei jedem Erscheinen eines iranischen Offiziellen oder Diplomaten, unabhängig vom Inhalt, sollten Demonstrationen stattfinden, die Ahmadinedschads Holocaust-Leugnung verurteilen. Fragen sollten vorbereitet werden, die dieses Thema bei jeder folgenden Pressekonferenz aufbringen.

        Alle iranischen kulturellen Tätigkeitsfelder sollten bestreikt werden.

        Jüdische Organisationen sollten sich bei ihren entsprechenden Regierungen dafür einsetzen, das Thema der Holocaust-Leugnung bei jedem Kontakt mit iranischen Behörden aufzubringen.

        Universitäten sollten angesprochen werden, Symposien über die Holocaust-Leugnung zu initiieren.

 

All das könnte – und sollte – friedlich geschehen, im Rahmen des Rechtlichen. Iranische Offizielle sollten in keiner Weise beschimpft oder eingeschüchtert werden, aber es sollte klar gemacht werden, was Sache ist.

 

So wie im Fall der sowjetischen Juden weckt jede Demonstration sofort die Aufmerksamkeit der Medien. Wenn, wieder und wieder, Fernsehsender die belagerten iranischen Botschaften zeigen, werden die Stimmen im Iran, die bereits jetzt Ahmadinedschads Politik hinterfragen, ermutigt, da sie realisieren, dass die skandalösen Worte ihres Präsidenten ihrem Land und ihrer internationalen Reputation schaden.

 

Bis jetzt sind die Holocaust-Aussagen von Ahmadinedschad von den meisten westlichen Regierungen verurteilt worden – und dann geschah nichts. Es liegt in den Händen der weltweiten Jüdischen Gemeinden, diese zu einem ständigen Thema auf der internationalen Agenda zu machen.

 

Der fromme Wunsch „Nie wieder“ und „Die Lehren des Holocaust“ klingen hohl, wenn sie nicht von einer Reihe von Maßnahmen begleitet werden, die verdeutlichen, dass nach diesen Äußerungen Ahmadinedschads nicht zum „business as usual“ zurückgekehrt werden kann.

 

Jede jüdische Organisation, die eine solche Kampagne anführt, wird auch an Sichtbarkeit innerhalb der Menge der jüdischen Spaßgesellschaft gewinnen.

 

Dies ist eine friedliche und kraftvolle Strategie. Sie hat im sowjetischen Fall funktioniert, hat tausende von Juden überall in der Welt mobilisiert und bewiesen, dass es eine jüdische Kraft in der Welt gibt. Ihr Name ist Solidarität.

 

 

 

Der Autor ist Professor für Politikwissenschaften an der Hebräischen Universität und früherer Generaldirektor des Außenministeriums.

 

 

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