Jüdische Gemeinde zu Berlin bietet der Hip Hop- Gruppe „DAM“ ein Podium

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Jüdische Gemeinde zu Berlin bietet der Hip Hop- Gruppe „DAM“ ein Podium

 

Levi Salomon

 


Im Programmheft der vom 31. 08. bis zum 09. 09. stattgefundenen Jüdischen Kulturtage 2007 findet sich folgende Ankündigung: „Harte Beats in harten Zeiten. Erstmalig wird es innerhalb der Jüdischen Kulturtage eine Begegnung zwischen jüdischen und arabischen Künstlern geben; denn: Was wäre die zeitgenössische Musikszene Israels ohne die politische Situation des Landes?“. Ein derartiger Dialog ist dringend erforderlich und nur zu befürworten.

Des weiteren heißt es: „Als special guest tritt das derzeitig angesagteste Hip Hop – Trio Palästinas auf: DAM“. Abgesehen davon, dass man sich schon darüber wundern muss, welchen Staat die Organisatoren der Jüdischen Kulturtage in ihrer Ankündigung eigentlich genau mit „Palästina“ meinen, stellt sich die Frage, um was für eine Rap-Gruppe es sich hierbei handelt? Bei der Internetrecherche stößt man u.a. auf Texte der Band, in denen es heißt: „Du warst der Terrorist, als Du mein Land nahmst“ oder „Ich habe nichts gegen Frieden. Der Frieden ist gegen mich. Er wird mich zerstören.“ Es lassen sich auch Aussagen des Frontmanns der Gruppe Tamer Nafar finden, der nach einem schweren Terroranschlag auf einen Club in Tel Aviv 2001 Verständnis für den Attentäter äußerte. Über Juden ließ er zudem verlautbaren: „Jews are Nazis.“ („Juden sind Nazis.“). Trotzdem wurde „DAM“ zu den Jüdischen Kulturtagen 2007 als special guest eingeladen und konnte vor einem Berliner Publikum aufgetreten.

Waren diese Tatsachen den Organisatoren der Jüdischen Kulturtage nicht bekannt gewesen oder teilen sie womöglich die Meinung der Gruppe „DAM“? Wie verhielten sie sich, nachdem von mehreren Seiten auf diesen Skandal hingewiesen worden war?

Peter Sauerbaum, künstlerischer Leiter der Jüdischen Kulturtage, beantwortete eine entsprechende Mail von Peter Iranyi und Daniel Iranyi, die eine Rücktrittsforderung enthielt, wie folgt: „Sehr geehrter Herr Iranyi, anbei übersende ich Ihnen die Abschlusserklärung für die Jüdischen Kulturtage 2007. Ansonsten erwarten Sie doch selbst nicht, dass ich zu Ihren kunstfernen Erklärungen Stellung nehme.“

Was Sauerbaum entsprechend unter „Kunstnähe“ versteht, lässt sich nur erahnen. Das Mitglied der Gruppe „DAM“ Tamer Nafer wird in einem Interview in der „Jüdischen Zeitung“ (Oktober 2007) mit folgenden Worten zitiert: „Gleichheit, Zusammenleben. Es geht mir um die Flagge und die Hymne. Die müssen geändert werden. Ich will einen Staat für alle Bürger.“ In der Konsequenz bedeutet das, dass der jüdische Staat aufzulösen ist. Mit dem Auftritt von „DAM“ und dessen vehementer  Verteidigung ist die Frage durchaus berechtigt, ob die Verantwortlichen nicht Haltungen fördern, die mit denjenigen der Feinde Israels und des jüdischen Volkes übereinstimmen. Darüber hätte während bzw. nach den Jüdischen Kulturtagen zumindest nachgedacht werden sollen. 

Doch nicht einmal der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Dr. Gideon Joffe hat bis heute zu der Affäre Stellung bezogen. Im Gegenteil: er hat in der Wahlzeitung unter dem Punkt „Wofür habe ich mich in den letzten zwei Jahren als Vorstandsvorsitzender eingesetzt?“ stolz „Rekord-Besucherzahlen bei den Jüdischen Kulturtagen“ vermeldet.

Der durch den Skandalauftritt der Gruppe „DAM“ entstandene Schaden ist sowohl für die Jüdische Gemeinde als auch für die Situation von Juden in der Gesamtgesellschaft verheerend. Ausgerechnet die Jüdische Gemeinde hat dazu beigetragen, die Gruppe „DAM“, die Juden als Nazis beschimpfte, salonfähig zu machen. Wenn zuvor noch jemand Hemmungen gehabt haben sollte, eine solche Gruppe einzuladen, so sind ihm diese Hürde durch das Verhalten der Verantwortlichen in der Jüdischen Gemeinde mit Sicherheit genommen worden.

Die Gemeindeführung hat sich bis jetzt mit diesem Konflikt nicht hinreichend auseinandergesetzt. Nichts ist bisher unternommen worden, damit sich Vergleichbares nicht wiederholt. Herrn Sauerbaums Ausführungen ist jedenfalls zu entnehmen, dass die Organisatoren die Einladung der Hip- Hop- Gruppe keineswegs als Fehlentscheidung betrachten. Insofern ist kaum auszuschließen, dass sie in Zukunft anders handeln werden.

Eine offizielle Stellungnahme des Vorstandsvorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu diesen fatalen Ereignissen sollte eine Selbstverständlichkeit sein, zumal auch seine von ihm häufig betonten Anstrengungen bei der Bekämpfung von Antisemitismus vor dem Hintergrund dieser Affäre zur Makulatur zu werden drohen. Nur durch eine entsprechende Verurteilung und Distanzierung ließe sich der bereits entstandene Schaden noch mildern.

 

 

 

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