Kommentar: Der große Sieg der Hamas

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Jerusalem, 23. Januar 2008 – Die Palästinenser im Gazastreifen schwelgen nicht im Überfluss. Kein Zweifel. 79 Prozent Arbeitslosigkeit, abgeriegelte Grenzen und Mangel an Zigaretten machen das Leben schwer und unerträglich. Die „humanitäre Krise“ wird bisher nur angedroht, also als politisches Brecheisen in einem globalen Chor von arabischen Politikern, UNO-Funktionären und friedliebenden Menschenrechtsorganisationen verwendet. Für die Nöte der Israelis in Reichweite der Hamas-Raketen ließen sie noch keine Tränen des Mitgefühls fließen.
Was sich auf dem Rücken der Menschen beiderseits der Grenze zum Gazastreifen abspielt, ist hohe Politik. Die islamistische Hamas-Organisation hat Israel, der Welt und der Autonomiebehörde in Ramallah bewiesen, dass sie die Politik mit Geschick und Gewalt bestimmen kann. Mit ihren Raketen auf Israel kann sie jegliche Friedenshoffnungen zerstören. Mit ihrer inszenierten Kampagne einer Instant-Krise, noch ehe Israels angekündigte Blockade überhaupt greifen konnte, machte sie Israels Politik lächerlich, weil ohne Biss. Das von der Hamas grandios dirigierte weltweite Trommelfeuer der Kritik an Israel dürfte Jerusalem mehr schmerzen als die Raketen auf Sderot. Und jetzt hat sich die Hamas mit Erfolg auch noch über alle Abmachungen und Verträge zwischen Israel und Ägypten vor dem einseitigen israelischen Rückzug aus Gaza im Sommer 2005 hinweggesetzt. Die Grenze zwischen Gaza und Sinai wurde kamerawirksam gesprengt und dann mit Bulldozern beiseite geräumt. Hiermit wischte Hamas die Osloer Verträge beiseite, die Grundlage der palästinensischen Selbstverwaltung, die Existenzberechtigung der Autonomie-Regierung in Ramallah und die vertragliche Abmachung, wonach Israel alle Außengrenzen kontrolliere. Zugleich rächte sich Hamas an der Weigerung von Anwar el Sadat, im Rahmen des Friedensvertrags mit Israel den Gazastreifen wieder von Ägypten verwalten zu lassen. Fortan muss Ägypten zwangsweise schauen, wie es seine „grenzenlosen“ Beziehungen mit den Brüdern der ägyptischen Moslembrüder in dem von Hamas beherrschten Gazastreifen gestaltet. Gleichzeitig wird sich die israelische Regierung fragen müssen, wie dumm sie nur sein konnte, eine Blockadepolitik zu beschließen, die erfahrungsgemäß zu einem Schuss ins eigene Knie werden musste.
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