Hat Israel Mughniyeh umgebracht?

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Jerusalem, 13. Februar 2008 – Für Teheran und für die „zutiefst schockierte” Hisbollah-Miliz im Libanon stand vom ersten Augenblick fest, dass nur der „terroristische Zionistenstaat” hinter dem mysteriösen Anschlag auf ihr „militärisches Hirn”, Imad Mughniyeh, stecken könne.
Das offizielle Israel verbietet sich, „von Terrororganisation mit dem Anschlag in Damaskus in Verbindung gebracht zu werden”. Doch in den israelischen Medien spießen die Verschwörungstheorien. Es könne nur Israel gewesen sein. Ajalah Hason, politische Redakteurin des Fernsehens, hatte Ministerpräsident Ehud Olmert nach Berlin begleitet. Olmerts Flugzeug landete in Tel Aviv wenige Minuten nach 23 Uhr, also kurz nach der Explosion in Damaskus, die zu einem unbekannten Zeitpunkt am früheren Abend geschah. Mit dem Kommentar, „so was macht Olmert nie” erzählte sie, wie der Premier ungewöhnlich wohlgelaunt zum Bordmikrophon der Stewardessen griff, und die Mitreisenden zur glücklichen Landung im Heiligen Land gratulierte. Die Journalisten an Bord glaubten erst, dass Olmert wegen dem Verlauf seines Besuchs in Berlin überglücklich war. 15 Stunden später, als die Hisbollah plötzlich gestand, dass „der Heilige und aufrechte Kämpfer zum Märtyrer geworden und ins Paradies gefahren” sei, zogen die israelischen Reporter ganz andere Schlüsse aus Olmerts Fröhlichkeit. Hason schloss, dass „Israel nach dem Libanonkrieg seine Abschreckungskraft neu aufbaut und eine eindeutige Botschaft an die Führung der Hamas und Hisbollah in Gaza, Damaskus und Beirut geschickt habe.
Ähnliches erlebten israelischen Reporter in Ankara. Sie begleiteten Verteidigungsminister Ehud Barak. Gegen 23 Uhr, also kurz nach dem Anschlag, reichte ein Adjudant einen Zettel zu Barak rein, als der mit den Reportern beim „tiefen Hintergrundgespräch” zusammensaß. Ohne die Miene zu verziehen, las Barak den Zettel und gab ihn an den Adjudanten zurück. Als die Reporter später von dem Anschlag erfuhren, fragten sie den Gehilfen Baraks, was denn auf dem Zettel gestanden habe. Ohne die Miene zu verziehen, behauptete er: „Ich hatte Barak nur mitgeteilt, dass es spät sei und dass wir noch den nächsten Tag vorbereiten müssten.”
Am Mittwoch, nachdem die israelischen Reporter vom Tod des libanesischen Erzterroristen erfahren hatten, erlaubten die sich ein höchst „unhöfliches Benehmen”. Barak begrüßte gerade den türkischen Generalstabschef.  Nur Fotografen waren zugelassen.  Die Israelis unter ihnen forderten laut nach einer Reaktion Baraks. Der türkische General war verblüfft über die Chutzpe der Reporter und fragte Barak, was denn los sei. Barak erklärte ihm, dass der „Generalstabschef der Hisbollah” ums Leben gekommen sei. Der Türke nahm es zur Kenntnis und schwieg wie Barak.
Die üblichen Terrorexperten wurden befragt. Gad Schimron, ex-Geheimdienstmann und heute Journalist, sagte aus „eigener Erfahrung”, dass dem Tod Mughniyehs eine „ungewöhnlich sorgfältigte Vorbereitung” vorausgegangen sei. Mughniyeh habe sich seit jeher so bedeckt gehalten, dass es nur zwei Fotos von ihm gebe. Vor dem Anschlag habe Mughniyeh einen Empfang der iranischen Botschaft besucht, „wo die ganze Riege der Top-Terroristen” die iranische Revolution feierten. Mughniyeh sei dann in seinen Jeep gestiegen und zum Viertel Kafr Susa gefahren. Dort sei eine „winzige Bombe” unter seinem Sitz explodiert. „Wer das organisierte, wusste also nicht nur, wo Mughniyeh war, in welchem Fahrzeug er fuhr, sondern sogar, auf welchem Platz im Auto er sitzen würde. Es sollten offenbar keine Unschuldige zu Schaden kommen.” Obgleich das alles wie eine typisch israelische „Liquidierung” aussehe, tippt Schimron auf die Amerikaner als Urheber. „Die Amerikaner haben eine Botschaft in Damaskus, während es für uns (Israelis) sehr schwierig ist, nach Syrien hineinzugelangen und uns dort zu bewegen.” Der ehemalige Kommandeur im Südlibanon, Jossi Peled, fragt gar nicht erst nach den Tätern. „Falls die Hisbollah einen Nachfolger für Mughniyeh hat, der nur über halb so viele organisatorische und taktische Fähigkeiten verfügt, wird es eine sehr blutige Rache geben, nicht morgen oder übermorgen, sondern irgendwann, wenn niemand mehr darauf vorbereitet ist. Treffen könnte es Amerikaner oder Juden irgendwo in der Welt und Israelis.” Der Militärreporter fügt hinzu: „Kein zweiter nahöstlicher Terrorist hat so viele Tote auf dem Gewissen.” Mughniyehs Tod sei keine „Abrechnung mit der Vergangenheit gewesen.” Der nur 45 Jahre alte Mughniyeh war kein „Pensionär”, sondern eine „tickende Bombe” und bereitete weitere Anschläge vor. Peled fügte schmunzelnd hinzu: „Übrigens feierte Mughniyeh seinen Geburtstag am 12. Juli.” Jeder Israeli weiß, dass am 12. Juli 2006 bei einem bis ins letzte Detail geplanten und ausgeführtem Überfall auf eine israelische Militärpatrouille zwei Soldaten entführt und in den Libanon  verschleppt wurden. „Nur Mughniyeh war zu einer so exakten Planung fähig.” Das war der Auslöser für den Libanonkrieg.
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