Vorgeschichte des modernen Israel – Serie: Israel 60 Jahre

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Jerusalem, 10. März 2008 – Wie ein roter Faden ziehen sich durch Diskussionsforen im Internet gehässige Attacken auf Israel. Immer wieder wird gefragt, ob Israel überhaupt ein Existenzrecht habe, ob der jüdische Staat wegen seiner „Verbrechen“ nicht umgehend abgeschafft werden sollte und ob Israel nicht ohnehin ein „künstlicher Staat“ sei, dessen Untergang vorhersehbar sei. Der Zionismus wird dabei als verbrecherische Ideologie dargestellt, die den rassistischen Vorstellungen der Nazis in nichts nachstehe.
Dabei ist der Zionismus ist nichts Anderes als die weltliche Nationalbewegung der Juden. Er entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf Pogrome in Russland und Juden-Verfolgungen in Westeuropa. Während die Juden bis zur Aufklärung im christlichen Europa als religiöse Minderheit gesehen wurden, verwandelte der moderne Antisemitismus sie in eine „Rasse“. Die Zionisten definierten fortan die Juden als Volk und Nation, mit Anspruch auf einen eigenen Staat. Diskutiert wurden Uganda, Argentinien und Madagaskar als mögliche Heimstätten für die Juden. Doch am Ende überwogen jüdisches Geschichtsbewusstsein, in der alten biblischen Heimat den Staat anzustreben. Mit geschickter Lobbyarbeit gelang es Chaim Weizman, die Briten 1917 zur „Balfour Deklaration“ zu überreden. Die Briten versprachen den Juden eine „nationale Heimstätte“ in Palästina, noch ehe sie dieses Gebiet von den seit 400 Jahren dort herrschenden türkischen Osmanen erobert hatten.
Die Araber im britischen Mandatsgebiet Palästina versuchten unter der Führung des Mufti von Jerusalem, Hadsch Amin el Husseini, die Juden mit blutigen Pogromen in Jerusalem und in Hebron zu vertreiben. In Hebron,  der Stadt der Erzväter, und im Silwan-Viertel in Jerusalem, ist es ihnen gelungen. Später, sogar in Kooperation mit Hitler, versuchten sie, Einwanderungswellen der aus Europa und Russland fliehenden Juden zu bremsen. Während dessen errichteten die Juden, teilweise heimlich, alle notwendigen Institutionen für einen funktionierenden Staat. 1947 waren die Feindseligkeiten zwischen Juden und Arabern so unerträglich geworden, dass die UNO auf Empfehlung der Briten mit einem Mehrheitsbeschluss die Errichtung eines jüdischen Staates neben einem arabischen in Palästina beschloss. Diese Resolution 181 war die völkerrechtliche Legitimation für die Juden, am Freitag, 14. Mai 1948, noch vor Beginn des Sabbat in Tel Aviv ihren Staat auszurufen, nachdem Mittags die Briten Haifa verlassen hatten, ohne die „Schlüssel“ zu übergeben. Kein arabischer Staat, entlassene Kolonien mit künstlichen, von den Briten entworfenen Linealgrenzen, hat vor seiner Gründung so viel internationale Legitimation erhalten wie ausgerechnet Israel.
Die UNO mag unter dem Eindruck des Holocaust mehrheitlich für die Errichtung eines jüdischen Staates gestimmt haben. Aber ohne die Vorgeschichte und ohne die Vorbereitungen der jüdischen Gemeinschaft in Palästina unter britischem Mandat wäre dieser Staat nicht zustande gekommen. Die Araber, die sich erst ab 1964 im Rahmen ihrer Nationalbewegung als „Palästinenser“ definierten, waren gegen diesen jüdischen Staat, weil sie keinen „Fremdkörper“ im Territorium der islamischen „Umma“, dem islamischen Herrschaftsgebiet, dulden konnten. Die arabischen Staaten verfolgten 1948 und während des Sechs-Tage-Krieges von 1967 das Ziel, den jüdischen Staat zu zerstören und „die Juden ins Meer“ zu werfen. Weil sie Israel ablehnten, konnten die Araber der Errichtung eines „palästinensischen“ Staates in dem bis 1967 von Jordanien besetzten Westjordanland und dem von Ägypten verwalteten Gazastreifen nicht zustimmen.
Ein Wandel in der arabischen Einstellung entwickelte sich erst ab 1977, als Ägyptens Präsident Anwar el Sadat Israel als „Faktum“ akzeptierte und Friedensverhandlungen  einfädelte. PLO-Chef Jassir Arafat verkündete 1988 in Genf, sich mit dem Westjordanland und dem Gazastreifen zu begnügen und nicht mehr die Zerstörung Israels anzustreben. Diese Ankündigung brachte der PLO die lange angestrebte Anerkennung durch die USA ein und war die Voraussetzung für die Osloer Geheimgespräche zwischen Israel und der PLO.
Wer also heute noch die Existenzberechtigung Israels und die Legitimität des jüdischen Staates anzweifelt, ignoriert sogar Entwicklungen bei der PLO  und arabischer Staaten wie Ägypten und Jordanien, die mit Israel einen völkerrechtlich anerkannten Friedensvertrag unterzeichnet haben.
Der Zionismus hat mit der Errichtung des Staates Israel seine Erfüllung gefunden und ausgedient. Was heute als „zionistisch“ kritisiert wird, ist in Wirklichkeit Regierungspolitik oder israelischer Nationalismus in allen seinen Erscheinungsformen. Mit dem ursprünglichen Ziel der jüdischen Nationalbewegung, einen Staat anzustreben, hat das nichts mehr zu tun.
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