Soldaten identifiziert

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Jerusalem, 16. Juli 2008 – Nachdem sich die „einwandfreie Identifizierung“ der beiden von der Hisbollah an Israel in schwarzen Särgen übergebenen Soldaten wegen ihres „schlechten Zustands“ um Stunden verzögert hatte, konnte am späteren Nachmittag die zweite Phase des Gefangenenaustausches eingeleitet werden. Schon in den Mittagsstunden fuhren extra aus Jordanien nach Israel gebrachte Lastwagen des Roten Kreuzes 199 Holzsärge mit Leichen von Hisbollahkämpfern und Palästinensern nach Ras el Nakura, dem libanesischen Grenzort. Die Toten hatten auf einem umzäunten „Terroristenfriedhof“ nahe dem See Genezareth gelegen und waren vor einigen Tagen ausgegraben worden. Unter den palästinensischen Toten, die nach Libanon gebracht wurden, befanden sich auch die sterblichen Überreste einer weiteren Symbolfigur des palästinensischen Terrors: Dalal Mughrabi.
Am 11. März 1978 landete sie mit 11 weiteren Kämpfern aus Libanon mit Schlauchboten am Strand nördlich von Tel Aviv. Am Strand erschossen sie die bekannte amerikanische Photographin Gail Rubin und kaperten dann zwei Busse auf der Autobahn zwischen Haifa und Tel Aviv. Beim nachfolgenden Feuerwechsel mit Soldaten, die versuchten, die Geiseln in den Bussen zu befreien, starben 35 Israelis und die Terroristen. Mughrabi war die Befehlshaberin des Kommandos. Israel hatte sich bisher geweigert, ihre sterblichen Überreste herauszurücken und verweigerte auch wiederholte Bitten Jassir Arafats, diese „Volksheldin“ in Ramallah begraben zu lassen. In den Palästinensergebieten wurden Schulen nach dieser „Märtyrerin“ benannt.
Während sich in Israel die DNA-Prüfungen verzögerten, gingen an drei Orten im Libanon die Vorbereitungen für die angesagten „Siegesfeiern“ auf Hochtouren weiter. In Nakura, unmittelbar hinter der Grenze, versammelten sich schon in den Morgenstunden Honoratioren auf einer Tribüne und mussten sich in der prallen Sonne gedulden. Uniformierte Kämpfer der Hisbollah übten eine Parade und Flaggenschwenken. Sie standen Spalier entlang dem roten Teppich für Samir Kuntar und vier Hisbollahkämpfer, die im Juli 2006 in israelische Gefangenschaft geraten waren. Immer wieder salutierten sie mit erhobenem Arm, in bester Tradition des „Hitlergrußes“. Von Nakura aus sollten die freigelassenen Gefangenen zum Flughafen von Beirut geflogen werden. Am Morgen hieß es, dass der libanesische Präsident Michel Süleiman seinen Hubschrauber geschickt habe, um Kuntar die Ehre zu erweisen. Am Nachmittag hieß es, dass Hubschrauber der UNO Friedenstruppe UNIFIL und des Roten Kreuzes die Männer nach Beirut bringen würden. Am Flughafen, so die Berichte aus Libanon, würden neben dem Präsidenten auch Regierungschef Fuad Siniora und sogar der Intimfeind Nasrallahs, Saad Hariri, der Sohn des mit einer Autobombe ermordeten Rafik Hariri, zur Siegesfeier erwartet. Von dort werde Kuntar im offenen Wagen durch Beirut in die schiitischen Viertel südlich von Beirut  gefahren werden. Jene Viertel wurden von Israel während des zweiten Libanonkrieges 2006 völlig zerbombt. Auf einem der leeren Plätze in dem Viertel wurde ein Meer von roten Plastikstühlen aufgestellt. Am Abend sollte sich dort Hisbollahchef Nasrallah an die versammelten Massen wenden, wie üblich aber nicht direkt und persönlich, sondern per Videoübertragung von seinem Versteck aus. Nasrallah fürchtet, von den Israelis umgebracht zu werden. Die Hisbollah verkündete, dass bei der Gelegenheit auch ein Film gezeigt werden solle. Die Attacke auf das Patrouillenfahrzeug und die Entführung der beiden Soldaten sei gefilmt worden.
Im Gazastreifen wurden mal wieder Bonbons auf den Straßen ausgeteilt, als bekannt wurde, dass die entführten Soldaten tot seien. Ein Sprecher der Hamas, Abu Soheiri, bezeichnete den Gefangenenaustausch als einen „Sieg für die Hisbollah“ und fügte hinzu: „Jetzt haben wir verstanden, dass die Entführung zionistischer Soldaten das effektivste Mittel ist, unsere Gefangene aus israelischen Gefängnissen zu befreien, darunter auch jene mit Blut an den Händen, wie die Israelis das nennen.“
Am Abend sollte in einem Armeelager nahe der libanesischen Grenze mit den Angehörigen der beiden Soldaten eine Gedenkfeier stattfinden. Auch Ministerpräsident Ehud Olmert wollte daran teilnehmen. Termine für die Begräbnisse seien noch nicht festgelegt, sagte ein Militärsprecher. Aber immerhin wurden die beiden toten Soldaten posthum befördert und erhielten einen höheren Rang.

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