Infokasten: Hamas, Fatah, PLO und andere

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Jerusalem, 3. August 2008 – Die PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) wird international anerkannt als offizielle Repräsentantin des palästinensischen Volkes. Alle Verträge mit Israel, etwa die Osloer Verträge, aus denen die Autonomiebehörde hervorging, wurden mit der PLO abgeschlossen. Der Präsident der Autonomiebehörde, früher Jassir Arafat und heute Mahmoud Abbas, ist gleichzeitig Vorsitzender der PLO.
Die PLO ist eine Dachorganisation für fast alle palästinensischen Parteien. Die radikalislamische Hamas ist nicht Mitglied in der PLO und bekämpft aus ideologischen Gründen jegliche Abkommen mit Israel, so auch die von Israel gewährte palästinensische Selbstverwaltung.
Während die Hamas sich 1996 noch weigerte, an den Parlamentswahlen teilzunehmen, weil das eine Anerkennung der Verträge mit Israel bedeutet hätte, entfiel dieses Argument bei den Wahlen im Januar 2006, als sie prompt die Mehrheit der Sitze im Parlament gewann. Die Fatah, wegen Korruption abgewählt, wollte das Ergebnis nicht akzeptieren.
Die internationale Gemeinschaft und Israel boykottierten die neue Hamas-Regierung und später eine von den Saudis erzwungene „Einheitsregierung“, solange die Hamas nicht Israel und bestehende Verträge anerkannte und dem Terror abschwor. Die Spannungen wuchsen, bis die Hamas mit einem blutigen Coup die Fatah-Gruppierungen in dem von Israel zuvor geräumten Gazastreifen besiegte und vertrieb.
Während Israel weiter mit dem geschwächten PLO-Chef Abbas über ein Friedensabkommen verhandelt, führte es infolge der Entführung eines Soldaten und wegen ständigem Raketenbeschuss gegen die machthabende Hamas einen scharfen Krieg mit gezielten Angriffen. Ägypten verhandelt ständig zwischen Fatah, Hamas und Israel, mit begrenztem Erfolg. Ägypten befürchtet eine „Explosion“ des Gazastreifens, wie das die Grenzdurchbrüche auf Weisung der Hamas zeigten, als  hunderttausende Palästinenser unkontrolliert in den Sinai strömten. Zugleich gefährdet der Waffenschmuggel vom Sinai unter der Grenze hinweg in den Gazastreifen den Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten. Israel verhängte eine Wirtschaftsblockade gegen Gaza und sperrte seine Grenzen. Bis zur Verkündung eines von Ägypten vermittelten Waffenstillstandes vor einem Monaten gelangten nur Weizen und humanitäre Güter zu den 1,5 Millionen Bewohnern des Küstenstreifens.
Jenseits der kämpferischen politischen Parteien mitsamt ihren Milizen,  bestimmen auch die Machtansprüche schwerbewaffneter Familienclans und kleinere extremistische Gruppen wie der islamische Dschihad das Kampfgeschehen im Gazastreifen.
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