Rolle der Firma Steiner teilweise Nebensache

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„Keine Geschäfte mit den Mullahs”: Rund 150 Teilnehmer reisten aus ganz Deutschland an

Rolle der Firma Steiner teilweise Nebensache

Siegen, 31.08.2008, Eric SCHUMACHER

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Siegen. „Keine Geschäfte mit den Mullahs” forderten zionistische und andere Gruppierungen am Samstag auf der Siegplatte. Der Anlass für die Kundgebung, zu der Deutschland-weit aufgerufen wurde: Ein millionenschwerer Handel einer Siegener Firma mit dem Iran.

Drei Anlagen zur Verflüssigung von Gas wird die Firma „Steiner Prematechnik-Gastec” an den Iran liefern. Der Handel ist juristisch zwar nicht anstreitbar. Dennoch, so argumentierten viele Redner bei der Kundgebung, sei ein solches Geschäft moralisch nicht zu verantworten.  Den Auftakt zu der Kundgebung bildete das Grußwort von Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats der Juden. Im Iran, sagte er, würden seit der Gründung des Regimes die Menschenrechte brutal unterdrückt. Es handle sich weltweit um das einzige Land, in dem 2008 noch minderjährige Straftäter hingerichtet würden. Wer im Hinblick auf das Nuklearprogramm des Iran glaube, das Bedrohungspotenzial richte sich nur auf den Nahen und Mittleren Osten, „der irre sich gewaltig”.  Das sah Sacha Stawski, Chefredakteur des Internetportals „Honestly Concerned” (ernsthaft beunruhigt) genau so: Er habe „Angst vor dem, was uns in Deutschland passieren wird, wenn das iranische Regime in seinem Streben nach Atomwaffen weiter voran kommt”. Das letzte, was er sich wünschen könne, wäre eine militärische Intervention. Gerade deshalb sei es so wichtig, dass sich die Wirtschaft nicht auf wortgetreue Auslegung der Sanktionen berufe, sondern „inhaltlich und ethisch” entscheide. Das Handeln der Firma Steiner sei zu verurteilen, sagte Stawski. Andere Redner forderten eine Einstellung des Geschäfts. Hartmut Schauerte (CDU), Staatssekretär für Wirtschaft und Technologie, spiele im Bezug auf die Firma Steiner eine unterstützende Rolle, hieß es in diesem Zusammenhang. Bei einigen Rednern wurden Rücktrittsforderungen laut. Einige Vorträge gingen jedoch hauptsächlich auf die Problematik der nuklearen Aufrüstung des Iran ein. Die Rolle der Siegener Firma schien dabei bisweilen eher nebensächlich. Dr. Kazem Moussavi, Vertreter der „Green Party of Iran” (Grüne Partei des Irans), fand sehr deutliche Worte für seine Einschätzung der Lage des Staats unter Mahmud Ahmadinedschad: Das „totalitär klerikal-faschistische Regime” sei zu sanktionieren. An eine Reformierbarkeit des Regimes zu glauben, bezeichnete er als „fatal”. Eine Annäherungspolitik würde sich tatsächlich als „Stütze des Regimes” auswirken. Trotz des brisanten Themas: Ausgesprochen viele Zuhörer fand die Kundgebung nicht. Rund 150 Interessierte standen im Halbrund vor der Bühne an der Bahnhofstraße. Die Einschätzung eines Besuchers könnte auch den Grund dafür wiedergeben: „Das ist mir zu folkloristisch.” Tatsächlich schienen die israelischen Flaggen, mit denen die Siegplatte geschmückt war, eher auf ein pro-Israelisches Volksfest hinzuweisen.


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