„Der militärische Charakter und Fortschritt des iranischen Nuklearprogramms“

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Antworten von Peter Zimmerman bei der Podiumsdiskussion des Israel Project (TIP):
„Ein genauerer Blick auf die Außen- und Innenpolitik des Iran und sein Atomprogramm“,
am 18. September 2008 in New York





Peter D. Zimmerman, Ph.D.
Professor Emeritus für Naturwissenschaften und Sicherheit King’s College, London

„Der militärische Charakter und Fortschritt des iranischen Nuklearprogramms“


Der Iran behauptet, sein Anreicherungsprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken. Es ist kaum möglich, diese Behauptung unkritisch zu übernehmen. Es ist richtig, dass der Iran bis heute anscheinend noch keinen Versuch unternommen hat, Uran bis zu einem Grad von Uran-235 um mehr als 5 % anzureichern. Dies ist die eforderliche Rate für Kraftstoff, wie er für den Betrieb eines leichten Wasserreaktors eingesetzt wird, z.B. für jenen Reaktor, der zur Zeit in Bushehr fertig gestellt wird. Es ist auch richtig, dass der Iran in der Lage wäre, das Leitungssystem in seiner Aufbereitungsanlage solcherart neu anzuordnen, dass diese Leitungen der Anlage am Boden schwach angereichertes Uran (low enriched uranium – LEU) zuführen und „waffenfähiges“ Material am Gipfel der Kaskade abschöpfen können.
Der Begriff „waffenfähig“ lässt sich nicht leicht eingrenzen, da es möglich ist, schwach angereichertes Uran für eine Atomwaffe zu nutzen. Allerdings lässt sich eine wirksamere und viel stärkere Waffe herstellen, wenn die Anreicherung von U-235 einen Grad von 90% erreicht. Wenn der Iran gegenüber der IAEA (Internationale Atomenergie-Behörde) seine Absicht erklären würde, unter Einsatz von Sicherheitsmaßnahmen hoch angereichertes Uran (highly enriched uranium – HEU) produzieren zu wollen, so wäre dies im Prinzip unter den Bedingungen des NPT (Non-Proliferation Treaty – Abkommen der Nichtverbreitung) genau so statthaft wie die Produktion von schwach angereichertem Uran (LEU). Hoch angereichertes Uran wird in der Tat in einer Anzahl von Forschungsreaktoren eingesetzt. In der Praxis würde ich hoffen, dass die IAEA dies als eindeutigen Schritt für die Herstellung einer Waffe ansehen würde.

Warum fällt es so schwer zu glauben, dass das nukleare Programm des Iran friedlichen Zwecken dient?

• Zunächst einmal ergibt es keinen wirtschaftlichen Sinn. Die gegenwärtig in Natanz und in dem Versuchsreaktor zur Anreicherung von Kraftstoff betriebenen Zentrifugen sind ganz einfach zu klein, um jedes Jahr so viel Uran zu produzieren, wie in Bushehr gebraucht werden wird. Die Russen, die den Reaktor in Bushehr gebaut haben, stehen unter Vertrag, den gesamten Kraftstoff für das Werk zu liefern.

• Der Iran ist gegenwärtig nicht in der Lage, selbstständig ein Kernkraftwerk zu entwerfen und zu errichten. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ein Land, das unter Vertrag steht, weitere Reaktoren im Iran zu bauen, die Verantwortung für die Lieferung von Brennstoff für diese Kraftwerke nicht übernehmen wird.

• Selbst wenn der Iran eine Anreicherungsanlage bauen würde, die groß genug wäre, um ein oder mehrere Kraftwerke zu beschicken, würden die Kosten für den Bau und Betrieb dieser Zentrifugen den wirtschaftlichen Ertrag bei Weitem übersteigen. Das heißt, es ist ungleich billiger, Kraftstoff von einem der großen kommerziellen Lieferanten zu kaufen, als diesen im Iran selbst anzureichern.

• Schätzungen weisen darauf hin, dass, wenn eine der gegenwärtigen oder zukünftigen im Iran eingesetzten Zentrifugen eine Laufzeit von 10 Jahren besitzt, die Kosten für ihre Installierung weniger als $ 2.700 betragen müssen – dies ungeachtet der Instandhaltung, der Stromkosten und der Kosten für Uran-Hexafluoridgas – um vom Preis her mit dem von der Fa. URENCO angebotenen angereicherten Uran wettbewerbsfähig sein zu können. Es ist nicht glaubhaft, dass die Iraner dazu fähig sind, eine Zentrifuge für weniger als ein Vielfaches von $ 2.700 zu bauen.

• Der Iran hat bereits damit begonnen, Experimente für die schwierigsten Teile eines Projektes durchzuführen, das HEU in Waffen verwandeln soll.

• Das Land hat mit Tests für ein Implosionssystem begonnen, das sich für eine Atombombe eignet, ein System, das auf keinen Fall irgendeinem friedlichen Zweck dienen kann.

• Der Iran baut zudem die Kammer für die Sprengladung seiner ballistischen Langstreckenrakete um, so dass diese eine Ladung in den Ausmaßen aufnehmen kann, die dem gegenwärtig getesteten Implosionssystem entspricht.

Wie schnell genau schreitet das Atomprogramm des Iran voran?

Iranische Beamte machen zum Teil widersprüchliche Angaben sowohl über die Anzahl der Zentrifugen, die im Iran in Betrieb sind, als auch über deren Kapazität. Der neue Bericht der IAEA sagt aus, dass die Iraner auch weiterhin die ursprünglichen rund 3.000 Zentrifugen des frühen Typs IR-1 betreiben, und dass weitere 5 Kaskaden mit jeweils 164 Maschinen derzeit mit UF6 für insgesamt fast 4.000 aktive Zentrifugen beschickt werden. Eine zusätzliche Kaskade mit 164 Maschinen befindet sich im Vakuum, so berichtet die Behörde, für eine Gesamtzahl von etwa 4.150 Maschinen, die in Betrieb sind, oder so etwa. Darüber hinaus beherbergt das Versuchskraftwerk zur Anreicherung (Pilot Fuel Enrichment Plant – PFEP) 13 in Betrieb befindliche Zentrifugen, die zum größten Teil vom Typ IR-2 sind.
Wenn die Iraner eine angemessene Menge von auf 4.5% angereichertem LEU bereits vorrätig hätten und dann ihre Kaskaden umlegen würden, könnte das Werk in Natanz zum gegenwärtigen Stand der Entwicklung sehr wohl alle 5 oder 6 Monate genug Uran für eine Atombombe produzieren. Bei der gegenwärtigen Produktionsgeschwindigkeit könnte der Iran möglicherweise innerhalb von wenigen Monaten genügend LEU ansammeln. Demnach scheint es, dass der Iran irgendwann gegen Ende 2009 eine mögliche Atombombe haben könnte. Dies jedoch zieht nicht die Wahrscheinlichkeit in Betracht, dass der Iran auch weiterhin damit fortfahren wird, Zentrifugen mit einer Geschwindigkeit von mehreren Hundert bis hin zu Tausend pro Monat zu installieren. Dies könnte eine mögliche iranische Atombombe zeitlich näher rücken.
Beachten Sie, dass diese Zeitachse nur bis an den Punkt reicht, an dem der Iran genügend Material für eine Atomwaffe haben könnte. Mit einem Werk mit 4.000 bis 6.000 Zentrifugen in Natanz könnte der Iran nur jeweils etwa eine Bombe pro Jahr produzieren, gleich, welche Strategie das Land verfolgt.
Sobald der Iran eine Kapazität von 6.000 bis 10.000 Maschinen erreicht, kann er die Hälfte von ihnen zur Herstellung von LEU betreiben und die andere Hälfte zur Umwandlung von LEU in HEU einsetzen, order er könnte direkt zu einem waffenfähigen Produkt vorstoßen, wenn er beschließen würde, den Vorwand der Kraftstoffproduktion für Leichtwasserreaktoren fallen zu lassen. Wiederum, unter der Voraussetzung, dass dies gegenüber der IAEA erklärt wird, und dass die Endprodukte unter Aufsicht stehen, könnte der Iran auch weiterhin darauf bestehen, dass seine Vorgehensweise nach Artikel IV des NPT (Abkommen zur Nichtverbreitung) legal sei. Andere Nationen jedoch könnten da anderer Ansicht sein.

 

 

 

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