Israel verweigert Visa für afrikanische Pilger

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Jerusalem, 9. August 2009 – Israel Tausenden christlichen Pilgern der Elfenbeinküste das Einreisevisum verweigert. Die Behörden befürchten, dass die Pilger in Wirklichkeit nach Israel kommen wollten, um Arbeit zu suchen und nicht nur zu beten. Sun d´Or, eine Tochtergesellschaft der Fluggesellschaft El Al, plane nach Angaben der Zeitung Haaretz vier wöchentliche Flüge zwischen Israel und der Elfenbeinküste. Auf Anfrage habe das Innenministerium jedoch nur eingestanden, dass die Visumsanträge noch „geprüft“ würden.
Im Süden von Tel Aviv leben etwa 500 Flüchtlinge aus der Elfenbeinküste. Sie führen dort mit eigener Kirche ein reges Gemeindeleben. Während des 2002 ausgebrochenen Bürgerkriegs in der Elfenbeinküste wurden sie vom Flüchtlingskommissar der UNO unter besonderen Schutz gestellt. Ende 2008 endete deren von Israel respektierten Flüchtlingsstatus Ihnen droht jetzt die Deportation.
Christlicher Pilgertourismus aus Schwarzafrika ist zu einem wichtigen Wirtschaftszweig Israels geworden, seitdem die nigerianische Regierung gezwungen worden war, Pilgerreisen von Christen nach Israel ebenso zu subventionieren wie die jährliche Hadsch (Pilgerfahrt) der Moslems nach Mekka. Nigerias Bevölkerung besteht jeweils zur Hälfte aus Moslems und Christen.
Im Frühjahr hatte die israelische Fluggesellschaft Israir eine „Luftbrücke“ für christliche Pilger aus Nigeria eingerichtet. Innerhalb von zwei Monaten seien 15.000 Christen mit 60 Flügen von Nigeria nach Israel gebracht worden. Für Israir bedeutete das einen Umsatz von 20 Millionen Dollar.
Auf dem Höhepunkt der Intifada ab 2001 stellten Pilger aus Nigeria eines der größten Touristenkontingente in Israel. Israelische Fluggesellschaften transportierten die Pilger unter höchster Geheimhaltung ins Heilige Land. Zur Tarnung flogen sie mit Flugnummern nicht-israelischer Fluggesellschaften. Amerikaner übernahmen die Sicherheitskontrollen.
Die Furcht der israelischen Behörden, dass die vermeintlichen Pilger aus der Elfenbeinküste in Israel hängen bleiben könnten, ist nicht ganz unbegründet. Die Zahl der „illegalen Gastarbeiter“ in Israel wird inzwischen auf über 120.000 geschätzt. Viele davon sind Schwarzafrikaner. Sie lassen sich unter Lebensgefahr von Erithrea, Darfur oder Äthiopien durch Ägypten über die Grenze vom Sinai in die israelische Negewwüste schleusen. Andere kommen als „Pilger“ und reisen nicht mehr aus. Die israelische Polizei hat vor Kurzen eine Sondereinheit namens „Oz“ eingerichtet, die gezielt nach Ausländern ohne Aufenthaltsgenehmigung sucht, um sie in ihre Heimatländer abzuschieben.
Am vergangenen Donnerstag forderte die äthiopische Kirche in Jerusalem diese „Ausländerpolizei“ auf, eine in Ungnade gefallene Nonne abzuholen und abzuschieben. Die Polizisten entdeckten die Frau in einem Schuppen, wo sie sich nur von Kichererbsen ernährte und nur mit einer Flasche Wasser waschen konnte. Die Frau erzählte, dass ihre Kirche sie verstoßen habe, weil sie einem der führenden Priester den Geschlechtsverkehr verweigert habe. Die Polizei stellte fest, dass die Nonne 14 Jahren ganz legal mit einem Visum für Geistliche in Israel gelebt habe. Anstatt sie festzunehmen und nach Äthiopien zu deportieren, beschloss der Befehlshaber der Oz-Einheit, den Fall gerichtlich klären zu lassen.
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