Kommentar: Jammertal Palästina

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Jerusalem, 8. August 2009 – Der erste Parteitag der Fatah-Partei nach 20 Jahren präsentierte der Welt einen jämmerlichen Zustand der palästinensischen Innenpolitik. Die Palästinenser sind nicht nur in Hamas und Fatah, also Gaza und Westjordanland, gespalten. Die PLO, offizielle Vertreterin „aller“ Palästinenser, Ansprechpartner der Welt und Israels für Friedensgespräche und Verträge, erweist sich als chaotischer, korrupter, zerstrittener Haufen, zumal die Fatah als größter Block innerhalb der Dachorganisation das richtungsweisende Rückrat stellt.
Lächerlich war der „einstimmige Beschluss“ der 2000 Delegierten, Israel des Mordes am verstorbenen Präsidenten Jassir Arafat zu bezichtigen. Es wurden 14 Vorbedingungen für eine Fortsetzung der Friedensgespräche mit Israel formuliert. Bitteschön. Sollte Israel nicht spuren, verzichtet Fatah dann auf Staat, ein Ende der Siedlungspolitik und der Besatzung? Ohne Verhandlungen dürften sie kaum ans Ziel gelangen. Auch die militanten Parolen, bewaffneten Widerstand „gemäß dem Völkerrecht“ zu leisten, klingen nicht friedvoll. Nachdem sich die Palästinenser zweimal mit einer Intifada ins Verderb gestürzt haben, glauben die Fatahkämpfer ernsthaft, bei einem dritten Anlauf Israel bezwingen zu können? Die Bestätigung des schwachen Mahmoud Abbas im Amt war mangels Gegenkandidat kein demokratischer Sieg. Zudem will die Fatah nicht nur Ost-Jerusalem, sondern plötzlich Ganz-Jerusalem mit Märtyrern „befreien“, also auch den jüdischen Westen. 
Nicht nur der tote Friedensprozess zwischen Israel und den zersplitterten Palästinensern steht auf der Kippe. Es geht auch um die Kontrolle des Westjordanlandes. Sollte die Fatah unfähig sein, Korruption und Vetternwirtschaft auszuschalten, würde neben Gaza auch das Westjordanland wie ein reifer Apfel an die islamistische Hamas fallen.

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