Bitte nicht stören

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Jerusalem, 31. Januar 2010  – An den Türgriff zu seinem Zimmer im Al Bustan Rotana Hotel in Dubai hatten die Mörder des Mahmoud al-Mabhouh, 50, das Schild „Bitte nicht stören“ gehängt. Deshalb wurde die Leiche des mutmaßlich schon am 19. Januar ermordeten prominenten Waffenschmugglers der radikalislamischen Hamas Organisation erst gegen Mittag am Tag danach vom Zimmermädchen entdeckt.
Es dauerte über eine Woche, bis klar geworden war, dass der Tote tatsächlich Mabhouh war. Denn der reiste unter falschem Namen. Wie in der israelischen Presse nachzulesen ist, sei er von Damaskus aus nach Dubai geflogen. Seine mutmaßlichen Mörder mit europäischen Pässen hätten sich schon in Damaskus auf seine Fersen gesetzt. Mabhouh wusste, dass er sich in ständiger Lebensgefahr befand. Deshalb habe er normalerweise die Türen zu seinen Hotelzimmern mit schweren Sesseln verbarrikadiert. Doch mitten in der Nacht des 19. Januar habe ihm auch das nichts geholfen. Die Mörder scheinen ihn mit Stromkabeln erwürgt oder vielleicht auch mit Stromstößen ins Jenseits befördert zu haben. Eine britische Zeitung behauptet, das Mabhouh ein Gift gespritzt worden sei, das augenblicklich einen Herzinfarkt auslöste.
Nachdem seine Identität festgestellt worden war, wurde Mabhouhs Leichnam nach Damaskus geflogen und am Samstag unter Beteiligung von 2000 Palästinensern, darunter den Hamas-Führern Chaled Maschal und Abu Marzuk, in einem Flüchtlingslager feierlich begraben.
Für die Hamas steht fest, dass der Mossad hinter diesem Mord auf eine der führenden Figuren der Kämpferorganisation stecke. Es wurde sogar behauptet, dass die Agenten als Teil der Delegation des Energieministers Uzi Landau nach Dubai gereist waren und das Land verlassen hatten, noch ehe die Leiche von Mabhouh entdeckt worden war.
Wie üblich gibt es kein offizielles israelisches Eingeständnis, für diese „gezielte Liquidierung“ verantwortlich zu sein. Doch in den Zeitungen wird dieser mysteriöse Tod mit weiteren ähnlichen Geschichten in Verbindung gebracht, bei denen eine israelische Täterschaft entweder ein offenes Geheimnis oder eine Mutmaßung ist, wie die Ermordung des PFLP-Chefs Fatchi Schkaki 1995 auf Malta, das von Ministerpräsident Netanjahu 1997 angeordnete, aber in peinlicher Weise gescheiterte Attentat auf Chaled Maschal in der jordanischen Hauptstadt Amman und vielleicht auch die mysteriöse Ermordung des neben Osama bin Laden weltweit meistgesuchten Erzterroristen Imad Mughnijeh der Hisbollah. Der fiel 2008 in Damaskus einem bis heute nicht aufgeklärten Bombenanschlag zum Opfer.
Viel spricht dafür, dass Israel mit Mabhouh eine alte Rechnung zu begleichen hatte. Der Mann wollte vor 23 Jahren, also 1989, im Namen der Hamas zwei israelische Soldaten, Ilan Saadon und Avi Sasportas, entführen. Mabhouh und Mahmoud Nassar hatten sich als ultraorthodoxe Juden verkleidet und die trampenden Soldaten in ihrem weißen Subaru mitgenommen. Als Saadon verstand, dass er entführt werde, kam es im Auto zu einem Kampf. Saadon wurde mit einem Kopfschuss getötet und bei Palmachim verscharrt. Erst 1996 gelangte nach Israel ein handschriftlicher Lageplan, in dem eingezeichnet war, wo Saadon verscharrt worden war. Mabhouh hatte ihn gezeichnet und vom Ausland an Verwandte im Gazastreifen geschickt. Saadons Leiche wurde genau dort gefunden, wo er nach Angaben von Mabhouh verscharrt worden war. Vier Tage nach dem Verschwinden von Saadon wurde die Leiche Avi Sasportas an der Givati-Kreuzung entdeckt. Der war drei Monate zuvor von Mabhouh entführt und ermordet worden.
Doch nicht nur dieser ungesühnte Mord könnte für Israel der Grund gewesen sein, Mabhouh zu verfolgen. Der Mann stand ganz oben auf der Liste gesuchter Hamas-Aktivisten. Er habe Spenden in großem Umfang für die Hamas gesammelt. Vor Allem aber soll er den Waffenschmuggel von Iran, über Sudan und andere Länder in den Gazastreifen organisiert haben.
Ob israelische Agenten ihn umgebracht haben, ist nicht nachgewiesen, zumal Mabhouh eine ganze Reihe potentieller anderer Feinde haben könnte. Niemand weiß, ob er sich intern mit anderen Hamas-Führern oder mit Iran überworfen hat. Die Ägypter veröffentlichten am Sonntag, eine größere Gruppe bewaffneter Hamas-Kämpfer verhaftet zu haben, die in Kairo das Grab eines jüdischen Heiligen sprengen und bei der Gelegenheit auch Juden töten wollten. Der Sprengsatz für den vereitelten Anschlag sei in Gaza hergestellt worden und entspräche Sprengsätzen, wie sie bei Kassamraketen verwendet würden. Für Ägypten stellt die Hamas eine akute Gefahr für die Stabilität des Landes dar, weshalb die Ägypter mit einem unterirdischen Metall-Wall versuchen, den Waffenschmuggel von und nach Gaza zu unterbinden.
Ein israelischer Geheimdienstmann kommentierte gegenüber der Zeitung Jedijot Achronot den von Hamas und Dubai hervorgebrachten Verdacht, wonach der Mossad hinter dem Mord stecke, mit den Worten: „Es passt nicht zu Israelis, eine Liquidierung mit Erwürgen durchzuführen…“
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