Der iranische Cyberkrieg hat begonnen

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Der iranische Cyberkrieg hat begonnen

Wahied Wahdat-Hagh,

Welt-Online, 19-Mar-2010

 

Eine Sondereinheit der iranischen Revolutionsgardisten hat sich auf den Cyberkrieg spezialisiert und ist aktiv geworden. Nach eigenen Angaben zerstörten sie 29 exiliranische Websites. Auch die Ausstrahlung der Deutschen Welle in den Iran wird von Staats wegen gestört.

Angegriffen wurden die Websites der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Activists“. Der Sprecher dieser Menschenrechtsorganisation ist Ahmad Batebi, dessen Photo 1999 auf dem Titelblatt der Zeitschrift „The Economist“ erschien und weltbekannt wurde. Damals hielt Batebi auf einer Studentendemonstration in Teheran entrüstet ein mit Blut beschmiertes Hemd eines Komillitonen hoch. Zu den Mitbegründern der „Human Rights Activists“ gehören auch Shirin Ebadi. Ihr wirft die iranische Regierung vor mit der Baha’i-Religionsgemeinschaft zusammenzuarbeiten.

 

Heute lebt Batebi in den USA, aber seine Freunde, die im Iran lebenden Menschenrechtsaktivisten, sind nach wie vor der Gewalt der totalitären Diktatur ausgesetzt. Denn die Revolutionsgardisten griffen nicht nur die Websites der „Human Rights Activists“ an, sondern verhafteten gleich mehr als dreißig iranische Menschenrechtsaktivisten, die unter Folter und Druck den Revolutionsgardisten einige Daten zu den Websites gaben. Kurz danach erschien auf der Website der Menschenrechtsorganisation das Zeichen der sich explizit „Cyberarmee des Iran“ nennenden Organisation mit dem Logo der Website der Revolutionsgardisten „Gerdab“.

 

Menschenrechtsaufklärung als „sanfter Krieg der Feinde des Islam“

 

Die Revolutionsgardisten werfen Menschenrechts- und Frauenorganisationen sowie der Baha’i-Gemeinschaft Spionage-Tätigkeiten vor, und zwar für die CIA. Das ist so absurd wie viele der islamistischen Verschwörungstheorien, die lediglich der Legitimation zur Ausübung der islamistischen Aggression und Gewalt dienen.

 

Die khomeinistischen Revolutionsgardisten halten nichts von Menschenrechten und von der Demokratie. Genauso wenig wie Khomeini und alle Machthaber der „Islamischen Republik Iran“ in den letzten 30 Jahren etwas von den Universellen Menschenrechten hielten. Sie glauben an die Herrschaft der Scharia und ihnen erscheint daher jede Menschenrechtsaktivität, die dem kulturellen Fortschritt des Landes dienen könnte, als der „sanfte Krieg der Feinde des Islam.“

 

Menschenrechtsorganisationen sind gefährlicher als Oppositionsparteien

 

Ahmad Batebi sagt in einem Interview mit Roozonline am 17.3.2010, dass seine Menschenrechtsorganisation keine Finanzierung aus den USA erhalten hat.

 

Die Organisation der „Human Rights Activists“ sei überparteiisch und rein menschenrechtlich orientiert. Trotzdem seien die im Iran lebenden Aktivisten stark bedroht. Sie werden permanent erkennungsdienstlich erfasst und verhaftet.

 

In Wirklichkeit sei auch die Website nicht im eigentlichen Sinne „gehackt“ worden. Batebi vergleicht die Zerstörung der Website seiner Organisation seitens der iranischen Revolutionsgardisten mit folgendem Beispiel: Man stelle sich vor, er habe gemeinsam mit seiner Frau ein Auto und sie haben jeweils einen Autoschlüssel. Wenn nun jemand seine Frau entführt, sie foltert und zwingt den Schlüssel herauszugeben, und dann das Auto zerstört, sei dies kein technischer Sieg, der einen Verbrecher auszeichnet. Das iranische Regime versuche jedoch das Hacken der Websites als eine technische Meisterleistung zu verkaufen.

 

Batebi führt überzeugend aus, dass die Revolutionsgardisten offenbar viel mehr Angst vor Menschenrechtsorganisationen als vor politischen Parteien haben. Deswegen verhaften sie Menschenrechtsaktivisten im Iran und zerstören seit neuestem ihre Websites, die vom Ausland betrieben werden.

 

In der Tat wissen die iranischen Machthaber, dass die aufgeklärten Iraner im postideologischen Zeitalter in Freiheit leben wollen und auf die Umsetzung der Menschenrechte in ihrer Gesellschaft hoffen, auch wenn das khomeinistische Regime und dessen Verfassung die größte Barriere für die Erreichung demokratischer Ziele sind, wie die Frauen- und Menschenrechtlerinnen Shirin Ebadi und Mehrangiz Kar stets betonen.

 

Auch die Deutsche Welle wird angegriffen

 

Für die iranischen Machthaber gehören zudem nicht nur Voice of America (voa) oder BBC zu diesen „gegen den Islam Krieg“ führenden Aufklärungsmedien, sondern auch die persischsprachige Sendung der Deutschen Welle (DW). Deswegen haben auch der Direktor des BBC World Service, Peter Horrocks, und DW-Intendant Erik Bettermann die anhaltenden Störungen der Satellitenübertragung durch den Iran wiederholt verurteilt.

 

Inzwischen hat sich auch das deutsche Außenministerium eingeschaltet. Nach einem deutsch-französisch-britischen Vorstoß soll beim Treffen der EU-Außenminister am kommenden Montag in Brüssel eine Erklärung dazu verabschiedet werden.

 

 

 


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