Kommentar: Westerwelle ohne Mitgefühl

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Jerusalem, 1. September 2010 – Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat pflichtgemäß den ersten tödlichen Terroranschlag auf Israelis seit fast zwei Jahren verurteilt: „Ich verurteile den gestrigen Anschlag im Westjordanland auf das Schärfste. Einziges Ziel dieses Anschlags ist es, den geplanten Beginn direkter Verhandlungen zu blockieren. Ich hoffe, dass alle Seiten die Kraft zu einer besonnenen Reaktion finden und sich nicht vom Weg der Verhandlungen und des Friedens abbringen lassen.“ Zu den diplomatischen Gepflogenheiten gehört eigentlich, den Angehörigen der unschuldigen, zivilen Opfer eines Anschlags Beileid auszusprechen, auch wenn das nur wie eine hohle Floskel klingt. Doch selbst eine hochschwangere Frau unter den vier Toten und sieben Waisenkinder sind Westerwelle offenbar kein Mitgefühl wert. Man kann nur spekulieren, weshalb Westerwelle nicht einmal die Identität der Opfer des Anschlags erwähnt. Vielleicht weil es Juden, Israelis, oder gar „jüdische Siedler“ waren?
Nicht die Toten haben Westerwelle zu der „Verurteilung auf Schärfste“ veranlasst, sondern das vermeintliche Ziel der namentlich nicht genannten Täter. Weder wird die islamistische Hamas-Organisation erwähnt, obgleich sie sich zu dem „Anschlag“ bekannt hat, noch kommt das Tabu-Wort „Terror“ vor. Westerwelle dürfte die Formulierungen seiner Verurteilung genau abgewogen haben.
Obgleich der „Anschlag“ laut Westerwelle das Ziel hatte, „den geplanten Beginn direkter Verhandlungen zu blockieren“, machen ihm im Voraus unterstellte Reaktionen „aller Seiten“ offenbar größere Sorgen, als die willkürliche Ermordung von vier israelischen Zivilisten. „Ich hoffe, dass alle Seiten die Kraft zu einer besonnenen Reaktion finden.“ Wen meint Westerwelle mit „allen Seiten“. Etwa die Hamas, die ganz besonnen den Anschlag geplant und ausgeführt hat und sich danach ihrer erfolgreichen „Operation Hebron“ rühmte? Oder meint er Israel, dessen Politiker unmittelbar nach dem Anschlag ganz unbesonnen weder Vergeltung noch Rache geschworen haben, sondern lediglich das gefordert haben, was in jedem Rechtsstaat wie Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein sollte: ohne Rücksichten die Täter dingfest machen und bestrafen.
Westerwelle muss sich etwas gedacht haben, wenn er derart deutlich die namentlich nicht genannten Parteien auffordert „besonnen“ zu reagieren. Offenbar unterstellt er der einen oder anderen Partei, normalerweise nach „Anschlägen“ nicht besonnen zu reagieren. Gemäß dem üblichen Schema der Berichterstattung, wonach die Israelis doch immer „Vergeltung“ üben, kann Westerwelle eigentlich nur Israel gemeint haben, zumal die palästinensische Autonomiebehörde an dem Anschlag nicht beteiligt war und die Hamas ihn gefeiert hat.
Zudem lässt er offen, was er unter „besonnen“ versteht. Will er die Hamas verschonen, oder stellt sich Westerwelle vor die Täter?
Abschließend sei Westerwelle daran erinnert, dass es sich in Washington nicht um einen „Beginn“ direkter Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern handelt, sondern lediglich um eine Wiederaufnahme und Fortsetzung von Verhandlungen, die vor fast zwei Jahren abgebrochen worden sind.

  • AUSWÄRTIGES AMT 01.09.2010 – Bundesminister Westerwelle verurteilt Anschlag im Westjordanland

    Zu dem gestrigen tödlichen Anschlag auf vier Israelis bei Hebron im Westjordanland erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle heute (01.09.) in Berlin:
    „Ich verurteile den gestrigen Anschlag im Westjordanland auf das Schärfste. Einziges Ziel dieses Anschlags ist es, den geplanten Beginn direkter Verhandlungen zu blockieren.
    Ich hoffe, dass alle Seiten die Kraft zu einer besonnenen Reaktion finden und sich nicht vom Weg der Verhandlungen und des Friedens abbringen lassen.“

Ergänzung zu meinem Kommentar
Nachfolgend eine Ergänzung zu meinem Kommentar bezüglich der bemängelten Formulierungen von Bundesaußenminister Westerwelle.
Um zu prüfen, ob Westerwelle tatsächlich ein Mensch ohne Mitgefühl mit Opfern von Terroranschlägen und anderen schlimmen Ereignissen ist, habe ich das schnell mal per Google geprüft und gelangte zu erstaunlichen Ergebnissen. Ich komme zum Schluss, dass Westerwelle offenbar genau wusste, was in seiner Verurteilung des Terroranschlags gegen Israelis drinstand und was er offenbar ganz bewusst ausgelassen hat.
Wo Westerwelle durchaus „Mitgefühl“ hatte und sogar abscheuliche oder grausame Terroranschläge durchaus beim Namen nennen konnte:

  • Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach den Opfern des schwersten jemals gemessenen Erdbebens in Chile sein Mitgefühl aus.
  • Haiti nach dem Erdbeben: „Ich möchte Ihnen, Ihrer Regierung und der haitianischen Bevölkerung mein aufrichtiges Beileid aussprechen.“ Und: Das Mitgefühl gelte der Familie des Opfers, sagte Westerwelle weiter. „Wir trauern um unseren deutschen Staatsangehörigen.“
  • Anlässlich des heutigen Amoklaufs in einer Schule in Ansbach erklärte der FDP-Partei- und -Fraktionsvorsitzende DR. GUIDO WESTERWELLE wörtlich: „Wir fühlen mit den Verletzten des Amoklaufs von Ansbach und ihren Angehörigen und sagen den Polizisten Dank, die Schlimmeres verhindert …
  • Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Anschläge an zwei Moskauer U-Bahn-Stationen am heutigen Montag scharf verurteilt. Das Auswärtige Amt nannte die Attentate „verabscheuungswürdig“. Westerwelle sprach im Namen der deutschen Bevölkerung den Angehörigen seine Trauer und sein Mitgefühl aus.
  • Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich tief betroffen über den Tod des polnischen Präsidenten: „Wir sind schockiert und voller Trauer“, sagte Westerwelle. „Das ganze deutsche Volk trauert mit den polnischen Nachbarn. Wir wollen dem polnischen Volk vermitteln, dass wir an seiner Seite stehen“, sagte Westerwelle.
  • Zum Untergang der südkoreanischen Korvette „Cheonan“ am 26. März 2010. Danach steht fest, dass das Schiff von einem nordkoreanischen Torpedo versenkt wurde. Beim Untergang kamen 46 südkoreanische Seeleute ums Leben.
    Dazu erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle heute (20.05.) in Berlin:„Die Bundesregierung verurteilt die von der Untersuchungskommission festgestellte Versenkung des Schiffes „Cheonan“ durch Nordkorea auf das Schärfste. Diese Handlung stellt einen schwerwiegenden Bruch geltenden internationalen Rechts dar. Die Bundesregierung versichert in dieser schwierigen Lage der Bevölkerung der Republik Korea und ihrer Regierung ihre volle Unterstützung und ihr Mitgefühl.“
  • Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den Opfern des schweren Erdbebens im Osten der Türkei sein Mitgefühl ausgesprochen. „Wir fühlen mit allen, die Angehörige und Freund…
  • Nach dem schweren Erdbeben in Chile hat Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sein Mitgefühl mit den Opfern der Katastrophe geäußert.„Mit großer Betroffenheit und Sorge haben wir die Nachricht von dem schweren Erdbeben vor der chilenischen Küste erhalten“, erklärte Westerwelle nach Angaben des Auswärtigen Amtes. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzten.“
  • Nach den Waldbränden in Russland: Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) drückte den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus.
  • Pakistan, Flutkatastrophe: Angesichts der humanitären Katastrophe drückte Westerwelle dem pakistanischen Volk sein tiefes Mitgefühl aus und sicherte deutsche Hilfe und Unterstützung zu.
  • Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die grausamen Terroranschläge in der afghanischen Hauptstadt Kabul und im pakistanischen Peshawar auf das Schärfste verurteilt. „Unser Mitgefühl gilt den Opfern und Angehörigen. Wir wünschen insbesondere den Verletzten, dass sie rasch genesen“, so Westerwelle in Berlin.
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