Wird der Iran die Atombombe doch testen?

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Die iranischen Revolutionsgardisten warnen in einem Artikel, der am 24. April 2011 in Gerdab.ir erschienen ist, vor dem Tag, an dem der Iran die Atombombe testen wird. Offenbar wollen die Revolutionsgardisten die iranische Bevölkerung mit der Option eines Atombombentests vertraut machen. Bevor hier der Gerdab-Artikel dokumentiert wird, wird ein Blick auf die neuesten Ereignisse geworfen.

„Die Islamische Republik Iran” macht große technologische Fortschritte im Prozess des Baus einer Atombombe. Die Zahl der Zentrifugen, die in Betrieb sind, ist gestiegen. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) schließt eine militärische Nutzung des Atomprogramms nicht aus. Gegenwärtig sind rund 6.000 funktionsfähige Zentrifugen in 35 Kaskaden im Betrieb.

Am 12. Juni 2011 bestätigte der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi, dass die Urananreicherung auf 20 Prozent in Zukunft in einer Anlage in Fordo, in der Nähe von Teheran durchgeführt werden soll. In Natanz stellt der Iran schon seit Anfang 2010 auf 20 Prozent angereichertes Uran her. Der Iran hat angeblich schon 50 Kilogramm Uran auf 20 Prozent hergestellt. In der offiziellen diplomatischen Argumentation wird darauf hingewiesen, dass manche Unterzeichnerstaaten des NPT-Vertrages (Atomwaffensperrvertrag) selbst Atommächte seien. Der iranische Außenminister fordert die atomare Abrüstung aller NPT-Staaten und stellt fest, dass sich die USA als Atommacht zwar gegen die Verbreitung von Atombomben wenden, aber selbst nicht auf die Atombombe verzichten wollen.

Als eine Kehrseite der Argumentation des iranischen Außenministers und damit als die Kehrseite einer Münze sprechen die Revolutionsgardisten eindeutig den Atombombentest an. Gerdab redet  seinen Lesern ein, sie sollen sich keine Sorgen machen, wenn der Iran doch eines Tages die Atombombe testet:

„Der Morgen nach dem Atombombentest, ein normaler Tag.

Ein Tag nach dem ersten Atombombentest des Iran, wird für uns Iraner ein ganz normaler Tag sein. Aber die Augen mancher Menschen werden auf eine neue Art und Weise strahlen.

Es ist ein schöner Tag. Es ist sieben Uhr früh. Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen. Im nördlichen Teil der Erde fangen die Menschen in manchen Ländern mit der Arbeit an. Heute ist die erste Morgendämmerung nach dem Atombombentest des Iran. Es ist ein ganz normaler Tag.

Am vorigen Tag, wahrscheinlich in den zentral gelegenen Wüsten des Iran, dort, wo zu einem früheren Zeitpunkt die Amerikaner und manche westliche Staaten ihren Atommüll lagern wollten, hat sich ein unterirdischer Atomtest ereignet. Die Wucht dieses Atombombentests war nicht so stark, dass der Region ein Schaden zugefügt worden wäre. Der Test war dennoch so erfolgreich, dass die iranischen Atomwissenschaftler keine Pannen bei ihren Untersuchungen feststellten.

Heute ist ein normaler Tag. Und wie gewöhnlich, wenn Nachrichten aus dem Iran kommen, so wie an 90 Prozent der Tage im Jahr, kommen auch an diesem Tag entsprechende Nachrichten in den ausländischen Medien:

Reuters: „Iran brachte seine Atombombe zur Explosion.”

CNN: „Irans Atombombe explodierte.”

Al Jaseera: „Die zweite islamische Atombombe wurde getestet.”

Al Arabia: „Die schiitische Atombombe explodierte.”

Yahoo News: „Atombombentest im Iran.”

Jerusalem Post: „Die Mullahs besitzen nun die Atombombe.”

Washington Post: „Atombombentest im Iran, Verwunderungen in Tel-Aviv.”

Die inländischen Medien haben in den Titeln der Beiträge dem verschwundenen Imam und dem Führer gratuliert:

Kayhan: „Die erste iranische Nuklearbombe wurde getestet.”

Jomhuriye Islami: „Iran hat erfolgreich eine Atombombe getestet.”

Iran (Regierungszeitung): „Auf Befehl des Präsidenten ist die iranische Bombe getestet worden, hundertprozentig.”

Etelaat: „Die iranische Atombombe, die wir seit Jahren haben wollten, wurde nun zur Explosion gebracht.”

Natürlich gibt es auch andere iranischen Zeitungen und Websites, deren Erscheinen aber nicht in alle Ewigkeit gewährleistet ist. Ein Nachrichtenskandal führt aber nicht dazu, dass das normale Leben im Iran sich nicht fortsetzen kann. Die Arbeiter und Angestellten werden weiterhin pünktlich oder manchmal mit ein wenig Verspätung ihre Karte abstempeln. Die Bäcker werden auch Brote ohne Subventionen backen. Die Nutzung von schnellen Internetverbindungen wird ein wenig billiger werden. Auch die öffentlichen Medienanstalten werden ihre Sendungen verbessern.

Ein Tag nach dem ersten Atombombentest des Iran wird für uns Iraner ein ganz normaler Tag sein. Aber die Augen mancher Menschen werden auf eine neue Art und Weise strahlen. Ihre Augen werden aus Gründen des nationalen Stolzes und der nationalen Macht strahlen.”

Es ist nur eine Wahnvorstellung von totalitären Ideologen, wenn im Falle eines Atombombentests mit nationalem Stolz argumentiert wird, als ob die unterdrückten Iraner sich mit den Zielen ihrer totalitären Unterdrücker identifizieren würden.

Wahied Wahdat-Hagh ist Senior Fellow bei der European Foundation for Democracy in Brüssel


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