Kommentar: Der Streit Türkei-Israel

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Jerusalem, 4. September 2011 – Der Streit zwischen Israel und der Türkei kann gefährlich werden, nicht nur für die Stabilität im Nahen Osten. Von der Türkei am Wochenende angekündigte Maßnahmen könnten am Ende zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Nato-Partner Deutschland und dem jüdischen Staat führen.
Laut Palmer-Report hat Israel zurecht eine Blockade über den Gazastreifen verhängt, um Waffenschmuggel zu der als Terror Organisation definierten im Gazastreifen herrschenden Hamas zu unterbinden. Israel darf gemäß internationalem Recht sogar auf hoher See Schiffe abfangen. Die Türkei will diesen Standpunkt der UNO nicht akzeptieren. Israel hingegen pocht auf seinem Selbstverteidigungsrecht und will unter keinen Umständen unkontrollierten Zugang zum Gazastreifen zulassen. Wer den Palästinenser Hilfsgüter zukommen lassen will, obgleich es im Gazastreifen laut UNO „keine humanitäre Krise“ gibt, könne das in Absprache mit Israel und der palästinensischen Autonomiebehörde auf dem Landweg tun. Doch daran ist die Türkei nicht interessiert, zumal die Palmerkommission festgestellt hat, dass die Mavi Marmara und andere Schiffe der vermeintlichen „Hilfsflottille“ vom Mai 2010 „Medikamente für den Eigenverbrauch“ und „Kinderspielzeug im Handgepäck“ der rund 500 Teilnehmer der Flottille mitgeführt hatten. Die Absicht jener Flottille war es, mit Gewalt Israels legitime Blockade zu durchbrechen, also ein rein politisches Ziel.
Der türkische Außenminister hat nun „Sanktionen“ angekündigt und will zivilen Schiffen auf dem Weg nach Gaza mit türkischen Kriegsschiffen Geleitschutz gewähren.
Das ist ein Spiel mit dem Feuer, falls es Israelis und die Türken es damit ernst meinen. Die vom islamistischen Tayipp Erdogan regierte Türkei verfolgt ein „strategisches“ Interesse, führende Nation unter arabischen wie islamischen Ländern zu werden. Nachdem die EU sie in beleidigender Weise verschmäht hatte, wandte sich Ankara Ländern wie Iran und Syrien zu und verbündete sich mit radikalen Palästinensern der Hamas. Ihren neuen Kurs kann die Türkei am besten durch Feindseligkeit gegenüber seinem ehemaligen Verbündeten Israel demonstrieren. Umgekehrt verfolgt Israel ebenso ein strategisches Interesse mit seinem Bestreben, die Hamas zu schwächen, solange vom Gazastreifen aus Raketen abgeschossen und Anschläge verübt werden und die Hamas als ultimatives politisches Ziel die Zerstörung Israels will.
Sollte das Nato-Land Türkei zu einer kriegerischen Konfrontation mit Israel bereit sein, könnte der „Verteidigungsfall“ eintreten. Dann wäre auch die Bundesmarine verpflichtet, den von Israel „angegriffenen“ türkischen Kriegsschiffen zu Hilfe zu eilen und sich ein Gefecht mit der israelischen Marine zu liefern.
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