Die Cyber-Hisbollah

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Im September 2011 fand in Teheran die zweite Konferenz der Cyber-Hisbollah statt. Dort trafen sich islamistische Hacker und Cyber-Jihadisten und beschlossen Europa und die USA zu bekämpfen. Auch der politische Stratege der iranischen Revolutionsgardisten H
assan Abbasi war anwesend und hielt flammende Reden.

Die Teilnehmer der Konferenz der Cyber-Hisbollah setzten sich aus sogenannten „Cyber-Jihad-Aktivisten“, Aktivisten des „Cyber-Widerstandes“ und „Interessenten des sanften Krieges“ zusammen. Direkt telefonisch verbunden mit der Konferenz war Hojat Vahidi, Leiter des neuen „Komitees der Strategie der heiligen Verteidigung in Europa“. Er ist ein Koordinator der Propagandaaktivitäten des Iran für Europa und die USA. Der Kriegsveteran Vahidi lebt in einem unbekannten Ort in Europa und leitet obendrein eine Organisation, die sich die „europäische Vereinigung der Muslime“ nennt. Im Interview sagte er seinen Zuhörern in der Teheraner Cyber-Hisbollah, dass er in den letzten Jahren gemeinsam mit seinen Kollegen viele Veranstaltungen und Ausstellungen in Europa und in den USA organisiert habe und fügte hinzu: „Wir haben bei unseren Aktivitäten im Komitee der Strategie der heiligen Verteidigung in Europa viele beidseitige Kontakte mit europäischen Studenten hergestellt. Die Erfahrungen der Studenten der islamischen Revolution des Iran konnten der europäischen Jugend zur Verfügung gestellt werden. Dies hat dazu geführt, dass islamische Zellen in Europa und in Amerika gegründet werden konnten.“ Was diese „islamische Zellen“ in Europa und in den USA vorhaben, wurde nicht bekannt gegeben.

Das Ziel dieser Gruppen sei die „Verbreitung des reinen Islam“, um dem „amerikanischen Islam, der von den Feinden verbreitet“ werde, entgegenzuwirken.
Die Organisatoren der Cyber-Hisbollah-Veranstaltung haben eine Erklärung herausgegeben. Darin beschwören die Cyber-Jihadisten, dass sie nicht nur im wirklichen Leben, sondern auch im  Hyperspace die „falsch Handelnden, die falsch Verstehenden und die Schwarzmaler erhellen wollen.“ Diese stünden unter dem Einfluss der „Fremden“, denen die Cyber-Jihadisten „teuflische“ Züge zusprechen. Dagegen werden die islamistischen Blogger und die „Basen des Jihads und des Märtyrertums“ gelobt.

Der berühmt berüchtigte iranische Antisemit, Israelhasser und Antiamerikaner Hassan Abassi war ein Stargast der Teheraner Konferenz der iranischen Cyber-Hisbollah. Hassan Abbasi leitet das in Teheran ansässige „Doctrinal Analysis Center“. Wie Farsnews am 23.September berichtete, warnte Abbasi davor, dass die US-amerikanische Behörde der National Security Agency (NSA) in der Lage sei alle Internetaktivitäten im Iran zu kontrollieren. Aber nicht nur die NSA auch die iranischen „Sicherheitsorganisationen“ seien heute in der Lage die Internetkontakte der Iraner zu kontrollieren.

Hassan Abassi hob hervor, dass einige der verhafteten „Aufständischen“, gemeint sind die Aktivisten der Demokratiebewegung des Iran, zugegeben haben sollen, dass sie „viele Informationen den westlichen Spionageorganisationen zur Verfügung gestellt haben.“  Abassi warnte vor der NSA und sagte: „Wir müssen daran denken, dass wir kontrolliert werden. Und wir müssen die Perspektive des Feindes genau analysieren. Der Feind hat sich gegen unsere muslimische Gesellschaft positioniert. Sie sind im Krieg gegen unsere Religion. Sie sind Feinde des Islam.“

Ähnlich wie andere Ideologen der totalitären islamistischen Diktatur bezeichnet Abassi die Millionen muslimischen Iraner, die für einen Wandel des herrschenden Regimes im Juni 2009 auf die Straßen gingen bloß als die „Aufständischen“. Tatsächlich geht die herrschende Meinung im Iran davon aus, dass jeder, der den Revolutionsführer Ali Khamenei kritisiert oder von der Reformierung der Verfassung redet, ein vom feindlichen Westen gesteuerter „Aufständischer“ sei.

Abassi geht in die Offensive und fordert daher, dass die iranischen Internet-Jihadisten im „Gebiet des Feindes“ agieren sollen und schreibt: „Der erste Staat, der die Strategie des asymmetrischen Krieges sich aneignete, war die Islamische Republik Iran.“ Der asymmetrische Krieg gehöre zu der Militärdoktrin des Iran, so Hassan Abassi.

Abassi spricht hier nicht den längst bekannten asymmetrischen Krieg der Unterstützung von Terrororganisationen an, den Iran offen zugibt. Hier plädiert Abbasi für subversive und destruktive Internetaktionen und überträgt den Begriff des asymmetrischen Krieges auf den Cyber-Krieg und sagt: „Die Freunde der Cyber-Hisbollah müssen ihre Maßnahmen im Internet asymmetrisch planen, d.h. sie müssen ihre Informationen im Internet fälschen, ihre ID-Nummer unkenntlich machen, denn im Hyperspace kann man die Gesetze, die die Sicherheitsapparate des Feindes geschaffen haben, zerstören und ihre Strategien angreifen.“

Abbasi warnte die USA: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben im letzten Jahr beschlossen und haben öffentlich erklärt, dass sie kein Land atomar angreifen werden, mit Ausnahme von zwei Staaten, Iran und Nordkorea.“ Die USA habe in dem vom Kongress verabschiedeten Gesetz festgeschrieben, dass wenn die USA von  einem Cyber-Angriff bedroht werde, die US-Regierung legal und ohne die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates einen Atomkrieg führen dürfe.

Zwar hat die US-Regierung ein solches Gesetz nie erlassen, viel wichtiger ist aber, dass der iranische Chefideologe und Militärstratege offenbar lügen muss, um seine Zuhörer von seinen subversiven Aktionen zu überzeugen.

Abbasi fuhr fort: „Die USA werde dieses Mal auch im Hyperspace einen Anschlag gegen sich ausführen, nach dem Vorbild des 11. September.“ Die US-Regierung sei entschlossen nun einen Cyber-Krieg zu führen und brauche daher Argumente, so Hassan Abbasi. Damit kehrt er die Tatsachen um und verteidigt sein Konzept einer „asymmetrischen“ Internetsubversion.

Abbasi meint, dass der Westen immer einen Vorwand suche, um Kriege zu führen. Daher werde eine Cyber-Hisbollah benötigt, die die „Verschwörung der Feinde neutralisiert.“ Die Cyber-Hisbollah müsse die „Kultur des Märtyrertums am Leben halten.“ Die USA sei wirtschaftlich am Ende. Daher misst Abassi der Cyber-Hisbollah große Bedeutung zu.

Interessant ist, dass der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad während seines Aufenthaltes in New York im September 2011 ebenfalls von einem Erfolg der Aktivitäten der Muslime im „Westen“ berichten konnte. Er hob hervor, dass die „Wellen des Erwachens, die in der Welt entstanden seien, auch bald die USA und Europa erreichen werden.“

Tatsächlich wurde auch in der Konferenz der islamistischen Hacker bekannt gegeben, dass vierzehn Arbeitsgruppen gegenwärtig unter dem Motto der „heiligen Verteidigung“ in Europa und in den USA aktiv seien. Sie würden dort die Werte der islamischen Revolution propagieren. Die Kriegspropagandisten im achtjährigen Krieg  gegen den Irak (22.9.1980-20.8.1988) nannten die iranische Militärstrategie ebenfalls die „heilige Verteidigung“.

Wahied Wahdat-Hagh is Senior Fellow at the European Foundation for Democracy in Brussels.

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