Was Netanyahu tun muss

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Was Netanyahu tun muss

 

Kommentar von Ari Shavit, Ha’aretz, 27.09.2013

 

Englische Version: http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.549131#

Hebräische Version: http://www.haaretz.co.il/opinions/.premium-1.2126977

 

Hier ist etwas, das Sie normalerweise nicht zu hören bekommen: Israel hat Recht!

Israel hat Recht, weil die Diplomatie des letzten Jahrzehnts und die Sanktionen des letzten Jahres gescheitert  sind und weil der Iran sehr nah an seinem Ziel ist. Israel hat Recht, weil es sich herausgestellt hat, dass die feierlichen Versprechen, die es vor den letzten Präsidentschaftswahlen von den USA erhalten hat, leere Versprechen waren.

 

Israel hat Recht, weil es klar ist, dass die Bestimmtheit des Westens gegenüber Teheran nur in der Vorstellung existierte. Israel hat Recht, weil der Iran jede rote Linie, die die Welt ihm seit 2010 gezogen hat, überschritten hat – und die Welt ist gelähmt. Der iranische atomare Dämon ist ein realer Dämon, der bald freigesetzt werden und alles verändern kann.

 

Doch weil Israel Recht hat, ist es isoliert. Die internationale Gemeinschaft des Jahres 2013 ist posttraumatisch. Dies kommt von der Wirtschaftskrise, Irak, Afghanistan, dem Tahrir-Platz und Syrien. Die Staatsmänner, die sich diese Woche im UNO-Hauptquartier in New York treffen, vertreten eine schwache Politik der Schönfärberei und des Selbstbetrugs. Der Welt fehlt es an einem geeigneten Management oder an Rückgrat. Ihr fehlt die Vision, sich gegen das iranische Atomprogramm zu behaupten. Deshalb ignoriert die Welt die Tatsache, dass Israel Recht hat und treibt Israel in eine Ecke.

 

Die Person, die Israels Richtigkeit mehr als alle anderen vertritt, ist Benjamin Netanyahu. Dieses Mal wird Israels Premierminister in New York vermutlich Applaus erhalten. Er war der einzige Staatsmann, der den Iran ins Zentrum der internationalen Agenda gerückt hat, und er hatte Recht. Er war der einzige Staatsmann, der Krach schlug bei seinen Bemühungen, das iranische Atomprogramm zu stoppen, und er hatte Recht. Er war der Staatsmann, der sogar schon vor den Ereignissen in Syrien argumentierte, dass im Umgang mit einem radikalen Staat, der Massenvernichtungswaffen besitzt, nur eine militärische Bedrohung kombiniert mit einer strategischen diplomatischen Initiative von Nutzen ist.

 

Doch obwohl wir den ideologischen Streit um den Iran gewannen, will niemand Netanyahus trostlose Wahrheit hören. Niemand wird es Netanyahu erlauben, die große Selbsttäuschungsparty zu ruinieren. Die Nationen sind vereint in ihrem Wunsch, nicht zuzulassen, dass Jerusalems Unheilsprophet den Frieden für unsere Zeit, den der angesagte Illusionsverkäufer aus Teheran vermarktet,  torpediert.

 

Vor zwölf Jahren hielt Ariel Sharon seine Tschechoslowakei-Rede. Nächste Woche hat Netanyahu allen Grund, vor den Vereinten Nationen seine eigene Tschechoslowakei-Rede zu halten. Der Münchner Geist liegt in der Luft. Es gibt beunruhigende Ähnlichkeiten zwischen dem Geist, der 1938 in London und Paris herrschte, und dem Geist, der 2013 in London und New York herrscht. Die Versuchung, churchillianisch zu reden, ist groß, doch Netanyahu darf sich nicht in Versuchung führen lassen. Er muss der Welt die Wahrheit sagen, die sie sich weigert zu hören. Doch er muss auch einen praktischen, kreativen Vorschlag auf den Tisch legen.

 

Der Vorschlag ist einfach: Einfrieren. So wie US-Präsident Barack Obama verlangte, dass die israelisch-palästinensischen Gespräche an das Einfrieren des Siedlungsbaus gebunden sind, so muss Netanyahu verlangen, dass die amerikanisch-iranischen Gespräche daran gebunden sind, den Fortschritt der iranischen atomaren Möglichkeiten einzufrieren.

 

Die Argumentation lautet, dass Präsident Hassan Rohani anders ist. Die Argumentation lautet, dass Rohani bereit ist, das Atomprogramm für wirtschaftlichen Wohlstand aufzugeben. Gut. Wenn dem so ist, sollte Rohani keine Probleme haben zuzustimmen, dass die Urananreicherung und der Zentrifugenbau komplett eingefroren werden, während er und die Supermächte Gespräche führen. Kein einziges Kilogramm angereichertes Uran mehr. Keine einzige Zentrifuge mehr.

 

Die Initiative des Einfrierens ist unverzichtbar. Nur sie kann die Iraner und die internationale Gemeinschaft auf den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen prüfen. Wenn diese Initiative zurückgewiesen wird, wird es jedem klar sein, wem und was wir gegenüberstehen. Wenn sie akzeptiert wird, wird der atomare Zeitdruck verringert. Es wird keinen Grund geben, unüberlegte Entscheidungen zu treffen. Nur der Vorschlag, das iranische Atomprogramm sofort einzufrieren, wird Israel aus der richtigen, jedoch isolierten Ecke, in der es sich befindet, herausholen können.

 

 

 

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