ULRICH W. SAHM – Dramatische Ereignisse in Nahost

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Sahm11Jerusalem, 9. Juli 2014  – Luftschutzsirene in Jerusalem. Wenige Minuten später wird ein Konzert im Sultansteich zu Füßen der Altstadt Jerusalems gestoppt. Die 6.000 Zuschauer werden gebeten, nach Hause zu fahren. Die Stadtverwaltung verkündet, alle öffentlichen Schutzräume und Bunker geöffnet zu haben. Alle Ferienlager für Kinder in Jerusalem sind für den Mittwoch abgesagt worden, als Vorsichtsmaßnahme. Ein Besucher aus Deutschland erzählt, dass er in seinem Hotel im Westen Jerusalems, nahe dem Busbahnhof, mit allen anderen Gästen in die Luftschutzkeller gejagt worden sei. „Das ist ein eigentümliches Gefühl, aber Angst habe ich keine“, sagte er. Es dauert ein Weilchen, bis Fernsehen und Radio einen Treffer in Ramat Rasiel, westlich von Jerusalem, melden. „Die Rakete ist im Friedhof niedergegangen. Es gab ein Buschfeuer. Niemand wurde verletzt“, erzählte ein Bewohner der Ortschaft.

In Sderot und Aschdod ist die Lage akuter. Hochzeiten wurden in „sichere Gegenden“ nahe Tel Aviv verlegt. „Und jetzt hatten wir auch hier in Tel Aviv Raketenalarm. Die Hamas scheint uns zu verfolgen. Aber wir sind stark und werden die Hochzeit trotz Allem durchstehen“, sagt die Braut im weißen Kleid. Bei einer anderen Hochzeit gab es Alarm, als über dem Festareal die Raketen hinwegflogen. In Panik begaben sich die Hochzeitsgäste in Sicherheit und ließen die Halben Hünchen auf den Tellern erkalten. Inzwischen wurde der Hafen von Aschdod geschlossen. Dort waren ein paar Metallsplitter auf das Deck des Kreuzfahrtschiffs AidaDiva mit 2700 deutschen Passagieren an Bord „gekracht“. Die Darstellung bei der Bild-Zeitung könnte als Vorlage für einen Hollywood-Film dienen: „Die meisten Passagiere sitzen beim Abendessen. Raketen peitschen im Nachthimmel Sie werden von Abfanggeschossen neutralisiert. Ein Reporter der ARD-Tagesthemen berichtet unter Berufung auf eine Reisende: „Sechs Raketen wurden aus Gaza in Richtung des Schiffes abgefeuert– direkt auf das Schiff zu.“Einige Reisende sollen Trümmerteile als Souvenir eingesteckt haben. Augenzeugen berichteten den „Tagesthemen“, sie seien relativ groß gewesen. „AIDA“-Sprecher Hansjörg Kunze sagte: „Die Teile waren meist kaum größer als Centstücke und passten zusammengefegt auf eine Müllschippe.” Das Schiff sei nicht Ziel eines Angriffs gewesen, und niemand an Bord sei verletzt worden.”

Während anderswo in der Welt die WM jeglichen Krieg in der Welt überschattet, wird im israelischen Fernsehen mit roten Schriftbalken gemeldet, wo es gerade Raketenalarm gibt: Tel Aviv, Rischon Lezion, Aschdod und sogar in Benjamina. In Herzliya, Raanana, Kfar Saba und Gedera waren Explosionen zu hören. In Hadera, eine Autostunde nördlich von Tel Aviv, gab es einen Raketentreffer auf einem Feld. Angeblich setzen die Hamas oder andere Organisationen im Gazastreifen „M-75“ Raketen ein. Die Zahl steht für die Reichweite in Kilometern. Experten sagen, dass die Raketen im Gazastreifen konstruiert worden seien mit Technologie von Libanons Hisbollah-Miliz oder des Iran.

Zwischendurch zeigt das Fernsehen einen verhinderten „strategischen Terroranschlag“ der Hamas. Eine Soldatin an einem elektronischen Beobachtungsposten hat mit Hilfe von Drohnen gefilmt, wie schwarz gekleidete Männer mit Waffen aus dem Wasser stiegen und vom Mittelmeerstrand in Richtung Dünen laufen. Die Soldatin behält sie im Blick und filmt, wie die Männer bei Kibbuz Zikim von Hubschraubern, mit Panzern und von Soldaten beschossen und getötet werden. Die Eindringlinge wollten offenbar das Militärlager Zikim nahe dem Gazastreifen angreifen.

http://www.videoidf.co.il/I_2001_4-3_He.mp4

Derweil wird von Militärsprechern bestätigt, was bisher unter strikter Zensur stand. Bei Kerem Schalom, dem Dreiländereck Israel-Gaza-Ägypten, hatte die israelische Luftwaffe einen Tunnel bombardiert, der explodierte und acht Hamaskämpfer unter sich begrub. Mit drei Tagen Verspätung stellt sich heraus, dass es kein Schmugglertunnel in Richtung Ägypten war, sondern ein Terrortunnel in Richtung Israel. Die Explosion löste Sprengstoff aus, den die Hamas-Kämpfer offensichtlich nach Israel bringen wollten, für einen Anschlag. Peinlich an den Enthüllungen ist, dass die acht namentlich genannten toten Hamas-Kämpfer als „Märtyrer“ gefeiert wurden. Zu dem Zeitpunkt behauptete die Hamas-Organisation noch, nicht an Angriffen auf Israel beteiligt zu sein. Laut Hamas-Sprechern seien „unkontrollierbare radikale Gruppen“, wie der Islamische Dschihad, für die Attacken auf Israel verantwortlich. Diese Schutzbehauptungen, um von israelischen Angriffen ausgespart zu werden, glaubt niemand mehr.

Inzwischen sind die Hamas-Sprecher und Politiker verstummt. Sie erhielten die Anweisung, ihre Handys wegzuwerfen, weil Israel sie damit orten könne. Genau das scheint dem Kommandeur der „Hamas-Marine-Einheiten“ widerfahren zu sein. Den haben die Israelis zusammen mit drei anderen Männern in seinem Auto „gezielt getötet“.

In einem anderen Fall gab es sieben Tote, als die Israelis das Haus eines Hamas-Aktivisten der Kawara-Familie bombardierten. Erst haben sie kleine Warnschüsse auf das Haus abgegeben und sogar die Frau des Hausbesitzes per Handy angerufen und vorgewarnt. Um das Bombardement zu verhindern, hätten sich Palästinenser als „menschliche Schutzschilde“ auf dem Dach und vor dem Haus versammelt. Doch dann haben die Israelis das Haus trotzdem bombardiert. Deshalb gab es Tote. In Kriegsgebieten wohl unüblich sind andere Warnungen der Israelis an die Palästinenser, als Flugblätter abgeworfen, per automatischen Telefongesprächen verbreitet oder in den palästinensischen Medien im Gazastreifen verkündet, indem sich die Israelis in die Sendefrequenzen „einschalten“. So wurden gemäß palästinensischen Quellen Bewohner im Gazastreifen gewarnt, ihre Häuser zu verlassen, falls unter ihren Häusern oder nahe ihnen Tunnel gebaut würden. Insgesamt habe es im Gazastreifen allein am Dienstag 16 Tote gegeben. In Israel wurden nur einige Verletzte gemeldet, Menschen die einen Schock erlitten oder sich leicht verletzt haben, als sie in Sicherheitsräume rannten.

 

 

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