ULRICH W. SAHM – Über Genozid und exzessive Gewalt

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P1010679Jerusalem, 14. Juli 2014 – Nachts in Gelsenkirchen, am Samstag, riefen Demonstranten „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“. Die Polizeibehörde erklärte: „Während des Marsches zündeten einige Teilnehmer Pyrotechnik, ohne dass jedoch jemand verletzt wurde. Die Veranstaltung verlief insgesamt friedlich.“ Pyrotechnik wäre eigentlich ein empfehlenswertes, neutrales neues Wort für die Raketen der Hamas.

In Frankfurt ist am Samstag auf der Zeil eine auf 2.000 Teilnehmer angeschwollene Demonstration von Linken und ihren Neo-Nazi Gesinnungsgenossen, sowie Palästinensern, außer Kontrolle geraten. Die Polizisten setzten einen Demonstranten in den Lautsprecherwagen der Polizei mit dem Nummernschild WI-HP 2091. Er sollte mit den Protestierenden „kommunizieren“, um sie zu „beruhigen“. So wurden aus polizeilichen Lautsprechern auf Arabisch die Sprechchöre mit „Allah ist der Größte“, „Israel Kindermörder“ und „Befreit Gaza“ angefeuert. Eine Polizeisprecherin aus Frankfurt bezeugte, ähnlich wie deutsche Politiker, wie man mit „Dialog“ Frieden schafft: Man habe nur versucht mit den Demonstranten zu kommunizieren. „Das ist unsere Linie“. Es bestehe kein Zweifel daran, dass die Frankfurter Polizei neutral sei.

P1010792Die Welt muss umlernen. Holocaust ist nicht etwa der Massenmord an 6 Millionen Juden in der Nazizeit gewesen. Ein Holocaust war vielmehr der Mord an Muhammad Abu Khadeir, verbrochen von drei „ultraorthodoxen Juden“ in Jerusalem. Der 16-Jährige sei „wie in Auschwitz“ umgekommen. Das erklärte im palästinensischen Fernsehen ein ausgewiesener „Holocaustexperte“, der in Moskau seine Doktorarbeit zu dem Thema verfasst hat: der „gemäßigte“ Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde. Im Gegensatz zu Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ist er stets glaubwürdig, wenn er das Wort „Frieden“ über die Lippen bringt. So muss Abbas wohl Recht haben.

Glücklicherweise hat schon der Bethlehemer Pastor Mitri Raheb festgestellt, dass Netanjahu kein Jude sei. Er stamme rassisch von den im 10. Jahrhundert zum Judentum konvertierten Chasaren ab, gemäß der Theorie des Juden und israelischen Professors Schlomo Sand. Dass inzwischen ein anderer Jude und israelischer Professor, Schaul Stampfer, diese Theorie als literarische Legende widerlegt hat, spielt keine Rolle. Denn das Prinzip, „wenn ein Jude das sagt, muss es doch stimmen“, gilt allein für Juden, die antisemitische Vorurteile bestätigen, die bekanntlich wegen eines „Verbots“ in Deutschland „tabu“ sind. Netanjahu hat in Palästina also nichts zu suchen, während rassereine Palästinenser für sich beanspruchen können, die biologischen Nachfahren des kinderlosen ersten Palästinensers, Jesus aus dem palästinensischen Nazareth, zu sein.

P1010737Auch ein anderes verbreitetes Wort verdient eine Neuinterpretation: Genozid, zu Deutsch „Völkermord“. Von den Türken haben wir gelernt, dass die 1915 ermordeten 1,5 Millionen Armenier keinem Völkermord oder gar „Holocaust“ zum Opfer gefallen sind, weil die sich doch gegen die Türken gewehrt haben. Deshalb wurde der Aufstand legitim niedergeschlagen. Laut der Doktorarbeit von Präsident Abbas war der Holocaust an den Juden nicht das, was immer behauptet wird, weil die Gaskammern nicht so viele Tote hätten produzieren konnten. Aber jetzt im Gazastreifen gibt es absolut glaubwürdige und in der Welt angesehene Quellen für einen von Israelis durchgeführten „Genozid“. Das iranische Press-TV zitiert zu den „wildgewordenen Zio-Nazis“ den amerikanischen Professor Francis Boyle. Die Hamas und Präsident Abbas, nach einer Kabinettssitzung, bezichtigen Israel eines „Genozid an den Palästinensern in Gaza“. Auch bei Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch erfährt man von israelischen Massenmorden. Yahya Rabah schrieb in der palästinensischen Regierungszeitung Al Hajat, dass Israel palästinensische Kinder töte, um mit deren Blut am Pessachfest die Matzebrote zu backen. Wahrscheinlich irren die Juden, Pessach in der Osterzeit zu feiern und nicht jetzt anlässlich des Gazakriegs.

Laut Wikipedia redet man von einem Genozid ab 100.000 Ermordeten. Wahrscheinlich glauben die Palästinenser, dass jeder ihrer Toten mindesten Tausend Menschenleben wert ist, sonst müsste doch auch in Syrien längst von einem Völkermord geredet werden.

Die Hamas hat am Sonntag rund 5 Millionen Israelis in Reichweite der Raketen aus dem Gazastreifen in Schockstarre versetzt. Die Nachrichten von El Aqsa TV offenbarten, dass die zionistischen Medien die Wahrheit vertuschen. Die „zahlreichen“ israelischen Toten und Verletzten durch „genau zielende“ Raketen aus dem Gazastreifen würden verschweigen. Er warnte die Israelis davor, dem Abwehrsystem „Eisenkappe“ zu vertrauen. Es funktioniere nämlich nicht. „Fragt doch nur die Israelis in den Schutzbunkern. Die müssten sonst dort nicht sitzen.“

Rätselhaft ist, weshalb die ach so genau treffenden Hamasraketen am Wochenende in Hebron, bei Bethlehem („neben der illegalen Siedlung Efrat“) und sogar auf einer Straßenkreuzung im Norden von Ramallah, dem Sitz der Regierung des Abbas, eingeschlagen sind und Autos zerstört hätten. Journalisten wurden vom Einschlagsort ferngehalten.

Aus den Tagesthemen der ARD konnte man in der Pause des Endspiels der WM erfahren, die Israels Militärs vorläufig eine Fortsetzung des Gazakriegs wünschen, um noch einige Militärische Einrichtungen der Hamas kaputt zu machen. Laut Richard C. Schneider sei mit einer Bodeninvasion zu rechnen, wobei er „Kommandounternehmen“ meinte. Wenn Kommandounternehmen schon ein „Einmarsch“ sind, scheinen der ARD und dem Rest der Welt entgangen zu sein, dass die Hamas mit 5 Kampftauchern in Israel „einmarschiert“ ist. Bei Zikim wollten sie einen Anschlag verüben, wurden aber entdeckt und bekämpft, als sie gerade am Strand aus dem Wasser stiegen. So unterscheiden sich identische Aktionen nur durch die Wortwahl. Niemand in der Welt hat die Hamas wegen jener „Bodenoffensive“ verurteilt oder das als friedensgefährdende Eskalation bezeichnet. Den Israelis kann man natürlich zum Vorwurf machen, sich zu gut zu schützen und keine eigenen Toten hinzunehmen, anstatt der Hamas da mal einen großen Sieg zu gönnen.

Ein folgenreiches Wortspiel wird auch mit dem Begriff „exzessive Gewalt“ betrieben, derer sich allein Israel schuldig macht, wohl weil es keinen Maßstab dafür gibt, ab wann Gewalt „exzessiv“ ist.

 

 

    • Ulrich Sahm befindet sich momentan auf Vortragsreise in Deutschland. Mehr Informationen über die Veranstaltungsorte finden Sie HIER

 

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