ULRICH W. SAHM – Israel ordnet Räumung von Rafah an

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Entführt: Hadar Goldin, 23

Jerusalem, 1. August 2014 – Infolge der Entführung des israelischen Soldaten Hadar Goldin am Freitag Morgen in der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens, nahe der Grenze zu Ägypten, habe das israelische Militär eine Räumung aller rund 70.000 Einwohner der Stadt angeordnet. Das melden palästinensische Quellen. Auf Anfrage erklärte der israelische Militärsprecher, dass das israelische Militär die Bewohner der Stadt aufgefordert habe, in ihren Häusern zu bleiben und nicht in Richtung Khan Younis, nördlich von Rafah, zu fliehen.

Die pro-palästinensische Organisation International Solidarity Movement (ISM) teilte mit, dass im zentralen Schifa-Hospital in der Stadt Gaza Anrufe von nicht gekennzeichneten Telefonnummern eingegangen seien mit der Anweisung, das Hospital zu räumen, weil es von Israel gebombt werde. ISM schickt internationale Freiwillige in den palästinensischen Gebieten, um sich als „menschliche Schutzschilde“ zwischen Palästinenser und angreifende Israelis zu stellen. Am Nachmittag sei mit einer Evakuierung der Patienten und des Personals begonnen worden, schrieb ISM in einer Rundmail.

Es gilt als offenes Geheimnis, dass die Hamas die Räume des Hospitals für Verhöre missbraucht und im Keller unter dem Krankhaus ihr

Hauptquartier eingerichtet habe. Das haben zuletzt mehrere ausländische Journalisten im Gazastreifen bestätigt.

Auf Anfrage sagte der Militärsprecher, dass ihm dazu „nichts bekannt“ sei und dass er diese Information deshalb trotz mehrfacher Anfragen und Überprüfung weder bestätigen noch dementieren könne.

Derweil liefern israelische Medien ausführliche Beschreibungen der Entführung des Soldaten am Morgen. Die von den USA und der UNO verfügte 72-stündige Feuerpause habe gerade begonnen. Alles sei ruhig gewesen und die Bewohner von Rafah hätten sich auf die Straßen begeben, um sich mit Nahrungsmitteln einzudecken. Eine israelische Einheit der Givati-Brigaden habe weiter nach versteckten Tunneln in den Wohnhäusern gesucht. Aus einem der Häuser sei plötzlich um 9:30 Uhr zwischen den Zivilisten auf der Straße ein Selbstmordattentäter aufgetaucht und habe sich unter den Soldaten gesprengt. Zwei Soldaten waren auf der Stelle tot, drei weitere wurden verletzt. Während die Soldaten damit beschäftigt waren, ihre Toten und Verletzten zu bergen, seien aus einem anderen Haus Hamaskämpfer gekommen und hätten das Feuer eröffnet. Es habe „nicht wenige Tote“, auch unter den Zivilisten auf der Straße, bei dem nachfolgenden Feuergefecht gegeben. Erst danach sei den Soldaten aufgefallen, dass ihr Offizier, Hadar Goldin, verschwunden war. Sie fanden seine Kampfjacke. Die Soldaten vermuteten, dass er von den Hamaskämpfern durch einen versteckten Tunnel in einem der Häuser verschleppt worden sei. Wegen des Durcheinanders habe es gedauert, bis die Soldaten Verstärkung und Hilfe gerufen hätten. Daraufhin wurde jenes bewohnte Stadtviertel von Rafah erst mit Artillerie und dann mit Hubschraubern und Kampfflugzeugen bombardiert, um die Hamaskämpfer daran zu hindern, den Soldaten zu verschleppen.

Auf der israelischen Seite der nahen Grenze wurden Truppen zusammengezogen, mutmaßlich mit der Absicht, die gesamte von ihren Bewohnern geräumte Stadt Haus für Haus zu durchforsten.

Am Freitag trat trotz des Sabbat das israelische Sicherheitskabinett zusammen mit dem Generalstabschef und anderen Militärs zusammen, um über die Fortsetzung der Gazaoperation zu beraten.

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