ULRICH W. SAHM – Muhammad Deif gezielt getötet?

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FotoJerusalem, 20. August 2014 – Bei einem gezielten Luftangriff auf das große Haus des Hamas-Raketenbauers Jamal A-Doulu im Viertel Scheich Radwan in Gaza wurden eine  Frau und ihre kleine Tochter getötet, sowie eine dritte noch nicht identifizierte Person. Nach palästinensischen Angaben handelte es sich um die Frau und Tochter der Ikone des bewaffneten Widerstands der Hamas, Muhammed Deif. Ob der von Israel gesuchte Mann, von dem nur ein einziges Foto existiert, ebenfalls getroffen worden ist, bleibt vorläufig Geheimnis der extremistischen Organisation im Gazastreifen. Einer der Hamas-Chefs Mousa Abu Marzouk twitterte schon, dass Israel mit diesem Attentat die „Tore der Hölle“ geöffnet habe. Die Israelis hätten den Beschuss von Beer Schewa am Dienstag Nachmittag während der noch geltenden Waffenrufe und den Verhandlungen in Kairo „erfunden“, um einen Vorwand zu haben, das Attentat auf Deif zu verüben.

Israel hingegen redet vom zehnten Bruch des Waffenstillstandes durch die Hamas. Dem Beschuss von Beer Schewa folgten am Dienstag Abend noch etwa 50 Raketen, unter Anderem auf Tel Aviv und Jerusalem.

Wenige Minuten vor Mitternacht heulten in Jerusalem die Sirenen. Gefühlte 10 Minuten lang herrschte angespannte Ruhe. Dann war vom Süden Jerusalems eine dumpfe Explosion zu hören, angeblich aus der Gegend von Gusch Etzion, südlich von Bethlehem. Sekunden nach dem Knall begann in den arabischen Dörfern rund um Jerusalem ein umfassendes Feuerwerk mit Knallkörpern und Leuchtraketen, wie an fast jedem Abend zum Abschluss von Hochzeitsfeiern. Doch diesmal dürfte das bunte und ziemlich lautstarke Spektakel keinem jungvermählten Paar gewidmet worden sein, sondern eher dem Raketenbeschuss Jerusalems.

Während es in der Nacht ruhig geblieben war, erneuerte die Hamas am Mittwoch Morgen den Raketenbeschuss mit „hysterischen Salven“ auf den ganzen Süden Israels bis Aschkelon und Aschdod, wie es ein israelischer Militärreporter kennzeichnete.

1965 geboren, ist Deif heute Befehlshaber der Izz ad-Din al-Qassam Brigaden, dem “militärischen Flügel” der Hamas-Partei. Bei Jichie Ayasch, dem “Ingenieur”, hatte er gelernt, Sprengkörper zu basteln. Ayasch ist mit Hilfe eines vom israelischen Geheimdienst präparierten Handy getötet worden. Als er einen Anruf beantwortete und die Israelis sicher sein konnten, dass er selber antwortete, ließen sie den Sprengsatz an seinem Ohr explodieren.

Deif machte Karriere und war seit 1996 nach israelischen Angaben verantwortlich für zahlreiche Selbstmordattentate, darunter in Jerusalemer Stadtbussen. Dutzende Israelis wurden dabei getötet. Zusammen mit zwei anderen Experten soll Deif die Kassam-Raketen entworfen haben. Das sind jene von manchen Medien so bezeichneten “harmlose, selbstgebastelte” Raketen der Hamas, die etwa 12 Kilometer weit fliegen können. Tausende dieser unlenkbaren Kleinraketen sind seit mehreren Jahren im Süden Israels gelandet und haben erheblichen Sachschaden angerichtet. Ebenso sind mehrere Israelis getötet worden, unter anderem durch Metallsplitter und Kügelchen, die den primitiven Sprengköpfen dieser Raketen beigemischt werden.

Seitdem der “Ingenieur” und der gelähmte Hamas-Chef Scheich Ahmed Jassin gezielt getötet worden waren, rückte Deif an die Spitze der israelischen Liste der meistgesuchten palästinensischen Terroristen auf. Er hat inzwischen fünf missglückte Attentatsversuche überlegt. Angeblich hat er Brandwunden am ganzen Körper und ist rollstuhlgebunden.

 

 

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