ULRICH W. SAHM – Tohuvabohou im Wahlkampf

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Israli-elevctio-300x125Jerusalem, 3. März 2015  – Seit Ausbruch des Wahlkampfes wird Israels Öffentlichkeit mit unendlichen Debatten schreiender Politiker in Radio und Fernsehen bombardiert. Mit Vorliebe reden sie alle gleichzeitig, sodass die Zuhörer gar nichts verstehen können. Die Sozialnetzwerke werden geflutet mit mehr oder weniger anzüglichen Propagandafilmchen. „Bibi“ (Netanjahu) zeigt sich als „Bibi-Sitter“, also als Babysitter, im Bett „Bibi“ (Bamba) Snacks naschend. Oppositionschef Jitzhak Herzog hält eine langweilige Rede, die aber ein Sprecher mit kräftiger Stimme synchronisiert. Denn „Bouji“ (Jitzhak) Herzog hat eine vermeintlich unmännliche weiche Stimme.

Seit Dienstagmorgen sind auch noch 90 Stunden Sendezeit im Rundfunk und 70 Stunden im Fernsehen „beschlagnahmt“ worden, um 14 Parteien genau bemessene Propaganda zu ermöglichen. Die Anti-Porno-Partei eröffnete die Sendungen: „Wir schützen unsere Kinder und sollten sie nicht mit Pornografie füttern.“. Die Wirtschaftspartei der Gebrüder Goldstein mit dem Buchstaben „Sein“, was umgangssprachlich auch „Penis“ bedeutet, ließ zwei Minuten lang im Singsang nur die Namen ihrer Parteichefs „Beni Goldstein“ und „Dani Goldstein“ erklingen. Die linke Partei Meretz brachte ein kaum verständliches Fußballspiel, wobei der „Reporter“ ganz aufgeregt „berichtet“: „Ilan Vilan stürmte nach vorne, bremste Yair Lapid, schoss den Ball zu Nir Lahav, der ihn an Mossi Raz weitergab, usw“.

Die „Liste der sephardischen Toratreuen des (längst verstorbenen) Heiligen Rabbis Ovadja Josef“ ließ ein Dutzend Telefonanrufe bei den teuersten Tel Aviver Restaurants erklingen: „Wir sind ausgebucht“, „Wir haben keine freien Plätze mehr“ „Leider sind wir voll“. So sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Menschen in der Peripherie „verhungern“. In diesem Stil ging es 40 Minuten lang weiter. Die Propagandaspots sollen zwei Wochen lang, bis zum Wahltag am 17. März, zweimal täglich ausgestrahlt werden.

Echte Inhalte blieben weitgehend auf der Strecke. Der Rundfunksprecher betonte, dass die Spots alleine in der Verantwortung der politischen Parteien stünden.

Später mussten sich die Redakteure entschuldigen, weil sie die Spots der Parteien „Wir alle“ und „Wir alle zusammen“ verwechselt hätten.

Die neue gemeinsame arabische Liste war bei der ersten Versendung der Parteienspots überhaupt nicht vertreten. Was vielleicht wie eine Diskriminierung der arabischen Partei aussehen mag, hatte einen anderen prosaischen Grund: „Wir sind mit unserem Spot noch nicht fertig geworden“, erklärte später eine Sprecherin der Partei.

Derweil ist es erstmals bei einer Wahlveranstaltung der gemeinsamen arabischen Partei zu Gewalt gekommen. Rechtsgerichtete jüdische Aktivisten bewarfen die Abgeordnete Hanin Zoabi mit einer Wasserflasche. Parteisprecherin Aimia Amuati wurde mit einer Fahnenstange am Kopf verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert.

 

 

 

 

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