ULRICH W. SAHM – Israel wählt

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Israli-elevctio-300x125Jerusalem, 17. März 2015 – Bis 10:00 Uhr morgens wurde eine Wahlbeteiligung von 13,7 Prozent festgestellt. Knessetpräsident Juli Edelstein ist froh, dass um diese Tageszeit die Wahlbeteiligung um 20 Prozent höher liege, als bei den Wahlen von 2013.

Im Laufe des Morgens wurden erste „Störungen“ festgestellt. Ein 77 Jahre alter Mann wurde dabei erwischt, wie er stapelweise Wählerzettel „verschwinden“ ließ. Die Israelis erhalten nicht Listen, die sie ankreuzen müssen. Hinter dem blauen Paravent aus Karton liegt ein Kasten mit vielen Zetteln aus, geordnet nach dem Buchstabenzeichen der Parteien. Das „Zionistische Lager“ hatte die Buchstaben „EMT“ ausgewählt, ausgesprochen „emet“ und bedeutet „Wahrheit“. Der Likud ist repräsentiert mit den Buchstaben „MHL“.

Der Rundfunk meldete auch Beschwerden, dass Aktivisten der frommen Schas-Partei angeblich die Stimmzettel ihrer Konkurrenz-Partei wegräumten, um deren Wahl zu verhindern. Insgesamt seien 80 Millionen solcher Stimmzettel mit aufgedrucktem Buchstaben der Parteien gedruckt worden. Das Gewicht der Zettel wurde mit 170 Tonnen Papier angegeben. Sie sollen nach erfolgten Wahlen wiederverwertet werden.

Am Morgen ließen sich viele bekannte Politiker dabei filmen, wie sie hinter dem Paravent einen Zettel in einen neutralen Umschlag steckten, um den vor laufender Kamera in die Urne aus hellblauem Plastik stecken. Zum Chef der neuen Arabischen Liste, Aiman Odeh auf dem Carmelberg in Haifa sei ein ganzer Pulk der internationalen Presse und arabischer TV-Sender gekommen. Ähnlich stellten sich der Staatspräsident, Außenminister Avigdor Lieberman in der Siedlung Nokdim und andere Politiker schon in den Morgenstunden der Presse. Jair Lapid hielt stolz seinen Zettel mit den Buchstaben „PH“ („Mund“ oder auch „Hier“) für seine Partei „Es gibt eine Zukunft“ den Fotografen in die Linse.

Am Morgen gab es eine Panne beim zentralen Wahlkomitee. Die Internetseite, auf der Wähler anhand ihrer Ausweisnummer die Adresse ihres Wahllokals ermitteln können, brach wegen des Ansturms zusammen. Nach einer Weile sei der Fehler behoben worden.

Grundsätzlich ist am Wahltag jegliche Propaganda verboten, vor allem rund um die Wahllokale. Seit Montagabend hat sich das „Zionistische Lager“ eine neue nervige Methode ausgedacht, ähnlich der Firmen, die Staubsauger, Zeitungsabos und anderes unnützes Zeug verkaufen wollen. „Hallo“ ertönt zum fünften Mal die bekannte zarte Stimme von Jitzhak Herzog am Telefon. Dann redet er voraufgenommenen von einem „historischen Tag“ und flößt dem potentiellen Wähler Angst ein, falls der nicht den „richtigen Zettel“ auswählt. Denn nur wer „EMT“ wählt, könne die „Angstmacherei“ des derzeitigen Premierministers beenden. Der Anruf kommt von einer „nicht identifizierten Telefonnummer“.

Alle israelischen Fernsehsender haben Parallel-Urnen bei ausgewählten Wahllokalen aufgestellt, in der Hoffnung, dass die Wählen den gleichen Zettel in die Urne für die Hochrechnungen werfen. Die dürfen um Punkt 22 Uhr Ortszeit (21:00 MEZ) zeitgleich veröffentlicht werden. Sie sollen sogar als Riesenreklame auf dem New Yorker Times Square ausgestrahlt werden.

Sollte es knapp werden bei manchen Parteien, solche die kaum über der Sperrklausel liegen, oder solche, die für die Bildung einer Regierungskoalition relevant sind, ist angeraten, die Echtzahlen nach Auszählung der Wahlurnen abzuwarten. Im Laufe des Mittwoch dürfte das endgültige Wahlergebnis feststehen, sowie auch die 70.000 Stimmen von Diplomaten in aller Welt und der Seeleute eingetroffen und gezählt sind. Vorzeitig gewählt haben auch Soldaten, denen mobile Wahlurnen bis zu ihren Einsatzorten an den „Fronten“ gebracht worden sind.

 

 

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