ULRICH W. SAHM – Lammert vor der Knesset: Arabische Abgeordnete boykottierten seine Rede

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Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm

Jerusalem, 24. Juni 2015 – Bundestagspräsident Professor Dr. Norbert Lammert ist vor der Knesset mit allen militärischen Ehren empfangen worden und hat im Plenum in seiner „Muttersprache“, also auf Deutsch, eine denkwürdige Rede gehalten. Der israelische Staatspräsident beehrte ihn ebenso mit seiner Anwesenheit wie Premierminister Benjamin Netanjahu. Die Besucherbühne war gefüllt mit Gästen, der Delegation des Bundestagspräsidenten und dem deutschen Botschafter. Kein einziger Abgeordneter verließ unter Protest den Saal, sowie Lammert nach schmeichelnden Worten in bestem und akzentfreiem Hebräisch zur deutschen Sprache überging. „Lammert könnte sich als Nachrichtensprecher beim israelischen Rundfunk melden“, meinte ein Knessetreporter, während die Abgeordneten abweichend von den üblichen Regeln applaudierten. Klatschen ist im israelischen Parlament nur bei Reden ausländischer Gäste erlaubt.

Nicht alle Fraktionen waren vertreten. Die Sitze im mittleren Block hinter Netanjahus Platz an der Regierungsbank blieben leer. Die „Gemeinsame Liste“ mit ihren 13 arabischen Abgeordneten boykottierte den deutschen Gast. Der Grund: Der Besuch des Bundestagspräsidenten sei ein „diplomatisches Ereignis“ und diene israelischer Propaganda. Daran wollten sich die arabischen Abgeordneten in der Knesset nicht beteiligen.

Die Rede Lammerts

Mit wohlgewählten Worten erzählte Lammert bemerkenswerte Augenblicke aus der Geschichte der Beziehungen beider Länder seit dem Holocaust. Er lobte den Mut beider Seiten, sie so positiv zu gestalten. „Schlicht normal dürfen sie niemals werden.“ In allen Bereichen seien die Beziehungen freundschaftlich, was Lammert als „Wunder der Geschichte“ bezeichnete.

Selbstverständlich ging Lammert auch auf den Friedensprozess mit den Palästinensern ein. Es gebe eine “ israelische Mitverantwortung für die Verhältnisse in der Region, für die Verhältnisse in den palästinensischen Gebieten „. Doch betonte er am Ende: „Vieles ist verhandelbar. Das Existenzrecht Israels ist es nicht.“

Lammert war der fünfte Deutsche, der in deutscher Sprache vor dem israelischen Parlament gesprochen hat. Zuletzt hatte Martin Schulz einen Eklat ausgelöst, als er –falsch informiert – behauptete, dass Palästinenser nur 17 Liter Wasser pro Tag zustünden, Israelis jedoch 100 Liter.

Am Mittwochabend gab es zu Ehren Lammerts im Chagall-Saal der Knesset ein Konzert, zu dem ein deutscher Violonist aus Berlin eingeflogen worden war. Gemeinsam mit den Israelis spielten sie Mendelssohn. Am Donnerstag stehen noch ein Besuch mit Kranzniederlegung in der Holocaust-Gedenkstätte an und ein offizieller Empfang beim Staatspräsidenten Reuven Rivlin.

 

 

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