ULRICH W. SAHM – Vertrag: Fehler mit historischer Dimension

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11750682_10153058027577689_5691220925776370395_nJerusalem, 14. Juli 2015 – Der Vertrag der Westmächte mit Iran ist ein „Fehler von historischer Dimension“, so Israels Premierminister. Der israelische Verteidigungsminister redet von einem „Vertrag voller Löcher“, während sein Strategieberater Jaakov Amidror klagte, nicht wirklich zu wissen, was da eigentlich drinsteht. Vor allem die Amerikaner hätten Israel im Finsteren gelassen. Andere israelische Politiker wie Miri Regev reden von einer „Genehmigung für Massenmord“, und der ehemalige Außenminister, Avigdor Lieberman, sprach von einer „schwarzen Flagge“.

Die Möglichkeit, dass Iran in den Besitz einer Atombombe gelangen könnte, die dann auf Tel Aviv abgeworfen würde, steht im Augenblick nicht mehr im Vordergrund. Vielmehr besorgt die Israelis eine baldige Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen. Die freiwerdenden Gelder in Milliardenhöhe würden Teheran ermöglichen, seine Unterstützung des weltweiten Terrors zu intensivieren. Dabei geht es nicht nur um die direkte Einmischung Irans im Jemen, wo die Saudis gegen die von Iran unterstützten Houthis kämpfen. Es geht auch um die Einmischung Irans in Syrien und Irak, Militärhilfe für die Hisbollah im Libanon und Anschläge auf israelische Einrichtungen in Thailand und Indien.

Auch der israelische Oppositionschef, Jakov Herzog vom zionistischen Lager und Jair Lapid kritisierten mit scharfen Worten den Vertrag. Gleichzeitig forderte sie eine Untersuchung zum Scheitern des Premierministers, diesen „schlechten“ Vertrag nicht verhindert zu haben. Darauf wurde reagiert, dass Netanjahu doch nicht verantwortlich gemacht werden könne für einen dramatischen Sinneswandel von Präsident Barack Obama. Der habe schon jeglichen amerikanischen Einfluss in Ägypten, Saudi Arabien, in Syrien und Irak und letztlich auch als Vermittler im israelisch-palästinensischen Konflikt verloren. Um überhaupt noch in Nahost mitreden zu können, sei Obama jetzt zu weitreichenden Zugeständnissen an Teheran bereit gewesen, um wenigstens einen mittelöstlichen Trumpf vorweisen zu können.

Begrüßt wurde der Vertrag lediglich von der gemeinsamen arabischen Liste, der drittgrößten Kraft im israelischen Parlament.

Befürchtet wird in Israel auch ein nie dagewesenes Wettrüsten in Ägypten, Saudi Arabien und der Türkei. Ein Kommentator sagte: „Am Ende werden Alle Raketen mit einem atomaren Sprengkopf haben. Doch das einzige, was sie dann noch gemein haben werden, ist Tel Aviv als Ziel dieser Raketen.“

Israel stehe nun ganz alleine da, sich gegen die iranische Bedrohung zu verteidigen. In einem Rundfunkinterview wurde Minister Silvan Schalom direkt gefragt, ob damit auch ein israelischer Militärschlag gemeint sei, nachdem die Westmächte einen Vertrag mit Teheran unterzeichnet hätten. Er wich der mehrfach gestellten Frage aus und sagte nur: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch.“

In Teheran, in den sozialen Netzwerken, herrscht große Freude. Israel wird da lächerlich gemacht. Die Weltgemeinschaft habe Netanjahu jetzt sein liebstes Spielzeug weggenommen, dem Iran zu drohen.

 

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