Liebe Anwesende, liebe Freunde,
wir stehen heute hier, um laut und unmissverständlich die Stimme für diejenigen zu erheben, die sie selbst nicht mehr erheben können. Für die Opfer von Buchenwald. Für die Ermordeten. Für die, deren Gedenken heute angegriffen und in den Dreck gezogen wird.
Buchenwald zeigt, wohin systematischer Judenhass führt: zu Entmenschlichung, zu Gewalt und zum Tod – bis hin zum industriellen Massenmord, wie wir ihn in Auschwitz und an viel zu vielen anderen Orten gesehen haben.
Genau dieser Ort sollte heute instrumentalisiert werden, um Israel zu diffamieren, zu dämonisieren und mit Doppelstandards zu überziehen. Auch wenn das Gericht zumindest verhindert hat, dass das Gelände der Gedenkstätte dafür missbraucht wird, ändert das am Kern nichts.
Was wir hier erleben – in Weimar und bundesweit seit dem 7. Oktober 2023 – ist keine Debatte. Es ist Geschichtsverdrehung. Es ist unerträglich, was diese Hamas-Freunde verbreiten: mit ihren Kufiyas und Wassermelonen, mit Parolen wie „Globalize the Intifada“ oder „From the river to the sea“, deren Bedeutung eindeutig ist.
Deshalb sagen wir: Es reicht!
Der Versuch, Israel mit Völkermord-Vergleichen zu überziehen, ist nicht nur falsch. Er ist eine bewusste Verdrehung. Er relativiert den Holocaust und greift die Würde der Opfer an, die sich heute nicht mehr selbst zu Wort melden können.
Auch deshalb stehen wir hier – in ihrem Namen.
So nicht. Nicht hier in Weimar. Nicht in Deutschland. Und nirgendwo sonst.
Vor rund 85 Jahren begann der geplante Genozid an den Juden, der im industriellen Massenmord an sechs Millionen Juden endete. Auch der 7. Oktober war ein Versuch des Völkermords. Bis heute wird offen zur Vernichtung Israels aufgerufen. Und dennoch wird Israels Selbstverteidigung als „Genozid“ bezeichnet. Das hat mit Realität nichts zu tun.
Das lassen wir nicht zu!
Seit Jahren hören wir – Gedenktag für Gedenktag – die gleichen rituellen Reden, die gleichen Verurteilungen, die gleichen Bekenntnisse zu „Nie wieder“. Das bekommt Applaus.
Das Problem ist: Diese Worte bleiben zu oft folgenlos.
Deshalb sagen wir: Wir haben es satt, dieses „Nie wieder“ immer wieder zu hören – während genau das längst wieder Realität ist: Juden werden angegriffen. Häuser werden beschmiert. Zur Vernichtung des jüdischen Staates wird offen aufgerufen.
Es reicht!
Und noch deutlicher: Wir hören ständig von dieser angeblichen „Staatsraison“ – von Verantwortung, von historischen Lehren, von besonderen Verpflichtungen und von der angeblichen Verantwortung Deutschlands, für die Sicherheit Israels einzustehen. Doch die Realität sieht anders aus:
- Ein Auswärtiges Amt, das sich fast täglich in Kritik an Israel übt und gleichzeitig bei Abstimmungen in der UN immer wieder gegen Israel positioniert.
- Eine Entwicklungsministerin wie Reem Alabali-Radovan, deren Social-Media-Posts zunehmend Narrative verbreiten, wie wir sie sonst von der Hisbollah oder der Hamas kennen – und die deren Propagandalügen ungeprüft übernimmt und weiterverbreitet, während sie ohne ausreichende Kontrolle hohe Millionenbeträge verteilt.
- Ein Bundespräsident, der meint, über Völkerrechtsfragen urteilen zu können – weit über die Grenzen seines Amtes hinaus.
- Ein Bundeskanzler, der in einer Phase, in der Israel um seine Existenz kämpfen musste, Waffenlieferungen infrage gestellt und verzögert hat – und Israel genau in den Momenten geschwächt hat, in denen Unterstützung entscheidend gewesen wäre.
Das sind keine Einzelfälle. Das ist ein Muster!
Zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was tatsächlich passiert, klafft eine immer größere Lücke. Und genau deshalb sagen wir: Es reicht!
Es reicht mit den hohlen Worten. Jetzt geht es um Taten.
Und das gilt selbstverständlich auch für den Antisemitismus, der auf unseren Straßen geduldet wird.
Wir hören ständig, was in Deutschland nicht sein darf, was mutmaßlich nie wieder passieren darf, was angeblich gelernt wurde. Doch gleichzeitig erleben wir, dass genau das längst wieder Realität ist – Tag für Tag. Antisemitismus ist kein Randphänomen mehr. Er ist Alltag geworden. Und dagegen wird viel zu wenig getan.
Und leider ist das auch nichts Neues. Schon 2014 habe ich auf Demonstrationen Hassparolen, Gewalt und brennende Israel-Fahnen dokumentiert. Damals wurde mir bereits gedroht, dass ich vielleicht nicht mehr nach Hause komme.
Verändert hat sich nicht der Hass. Verändert hat sich allein das Ausmaß. Es ist eskaliert.
Ein Tsunami, der seit Jahren auf uns zukommt, vor dem immer wieder gewarnt wurde, dem wir uns entgegengestellt haben — und der jetzt so nah ist, dass er uns zu überrollen droht.
Hier müssen wir es klar sagen: Der Staat hat versagt!
Nicht abstrakt. Nicht theoretisch. Sondern konkret – auf unseren Straßen.
Es kann nicht sein, dass jüdisches Leben und Orte des Gedenkens nicht konsequent geschützt werden – überall und jederzeit.
Es kann nicht sein, dass Meinungsfreiheit missbraucht wird, um antisemitischen Hass zu verbreiten und zur Vernichtung Israels aufzurufen.
Es kann nicht sein, dass genau das nicht gestoppt wird.
Unser Recht auf freie Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Genauso das Demonstrationsrecht. Beides schätzen und verteidigen wir. Aber beides endet dort, wo aus Meinung Hass wird, aus Kritik Hetze wird, aus Worten Gewalt wird — und wo offener Antisemitismus und Vernichtungsfantasien verbreitet werden. Und genau das ist es, was diese Kufiya-Freunde heute hier in Weimar tun wollten — und was sie bundesweit immer wieder tun.
Es reicht nicht mehr, das Problem zu beschreiben. Wir müssen handeln.
Ein zentraler Angriff richtet sich gegen die Existenz Israels – getarnt als Kritik.
Und genau hier beginnt die nächste Verdrehung: Zionismus wird diffamiert und fälschlich als Rassismus dargestellt. Doch Zionismus ist nichts anderes als das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung. Nicht mehr. Und nicht weniger.
Nach Jahrhunderten der Verfolgung bis hin zum Holocaust bedeutet Zionismus Schutz, Zuflucht und Sicherheit – die Garantie, dass ein Morden wie in Buchenwald oder Auschwitz nie wieder geschehen kann.
Und gerade weil das so klar ist, dürfen wir uns davon nicht einschüchtern lassen. Deshalb sage ich ganz bewusst und mit Stolz: Ich bin Zionist!
Und ich hoffe, dass möglichst viele hier den Mut haben, das genauso klar auszusprechen.
Und genau hier wird es persönlich. Denn auch ich stelle mir diese Frage wieder: Wie lange noch? Wann ist die Zeit gekommen meine Koffer zu packen?
Wenn ich in Frankfurt mit Farbe beworfen werde, weil ich Geisel-Poster aufhänge, wenn ich bedroht werde, weil ich Antisemitismus benenne, dann ist das keine abstrakte Debatte. Das ist Realität.
Und ich weiß: Für jemanden wie Volker Beck, von dem wir gerade gehört haben, für jemanden wie Karoline Preisler, die als nächstes spricht, oder für viele unserer Freunde und Kollegen, die sich ebenfalls engagieren, ist die Bedrohung noch einmal deutlich größer — nur weil sie den Mut haben, die Wahrheit auszusprechen, wenn es um Israel und Antisemitismus geht.
Das ist Realität. Jüdische Einrichtungen stehen seit Jahren unter Polizeischutz. Das ist längst Normalität geworden. Aber selbst das reicht nicht mehr. Egal ob in Gießen, Hanau, Frankfurt, Berlin oder anderswo: Jüdisches Leben ist bedroht — in einem Ausmaß, das sich 81 Jahre nach Buchenwald niemand hätte vorstellen dürfen.
Und das hat Konsequenzen: Es gibt längst wieder „No-Go-Zonen“ und Juden verstecken ihre Symbole: Mesusot werden an die Innenseite von Haus- und Wohnungstüren umgehängt; Kippot in der Öffentlichkeit durch Baseball Kappen ersetzt. Und auch ich sage meinem Sohn, steck Deinen Davidstern ins Hemd, wenn Du rausgehst. Trägt er sein Rugby-Israel-Shirt, sage ich ihm: Zieh etwas darüber. Und ja, ich sage Menschen nach Veranstaltungen wie dieser: Packt eure Fahnen auf dem Heimweg lieber weg. Nicht, weil ich das will, sondern weil die Bedrohung real ist.
Genau deshalb stehen wir hier. Nicht leise. Nicht zurückhaltend. Sondern weil es so nicht weitergehen kann — zumindest nicht, wenn es eine Zukunft für jüdisches Leben in Deutschland geben soll.
Jetzt muss sich etwas ändern — nicht irgendwann, sondern jetzt!
Die IHRA-Antisemitismusdefinition muss verbindlich werden, nicht nur auf dem Papier, sondern juristisch so verankert, dass sie endlich angewendet werden kann — in Gesetzen; in Gerichten; im Alltag. Das bedeutet: Alle Formen von Antisemitismus müssen konsequent strafbar verfolgbar werden. Schluss mit Grauzonen. Schluss mit Relativierung. Wer Terrororganisationen wie die Hamas verherrlicht, muss verfolgt werden. Wer zur Vernichtung Israels aufruft, muss verfolgt werden — ohne Ausreden, ohne Verzögerung. Vor allem aber müssen die Gesetze, die wir längst haben, endlich konsequent angewendet werden.
Denn eines ist klar: Nie wieder ist kein Satz. Nie wieder ist keine Floskel. Nie wieder ist eine Entscheidung — und diese Entscheidung fällt nicht irgendwann, sondern hier und jetzt.
Es reicht mit diesem Weiter so. Heute ist der Moment, etwas zu verändern.
Leider sind es keine Zehntausenden, die heute hier mit uns stehen.
Aber Sie sind da — und das zählt.
Danke, dass Sie heute hier mit uns stehen.

Carsten Kahlmann
Guten Tag Herr Stawski,
herzlichen Dank für Ihre klaren Worte.
Leider kann ich nur bestätigen, das unsere staatlichen Organe nicht entschieden genug gegen Antisemitismus vorgehen, z.B. bei sogenannten “Palästina-Demos”.
Der rausgebrüllte Hass bleibt meistens ohne Folgen.
Grüße,
Carsten Kahlmann