Liebe Freunde, liebe Mitstreiter, liebe Frankfurter,
wir stehen heute hier, weil Israels Souveränität unverhandelbar ist. Und wir stehen hier, weil wir nicht länger schweigend hinnehmen wollen, was auf unseren Straßen als vermeintlicher „Widerstand“, der angeblich „Völkerrecht“ sei, verkauft wird.
Nur wenige Meter von uns entfernt demonstrieren heute Menschen unter einem Aufruf, in dem es heißt: „Palästina darf sich wehren, auch mit Steinen und Gewehren.“ Noch einmal: „Mit Steinen und Gewehren!“ Das ist genauso wenig eine Friedensbotschaft wie die Aufrufe zu einer globalen Intifada, die wir nur allzu oft genau hier gehört haben und deren Bedeutung wir zur Genüge kennen. Das ist die Sprache der Gewalt.
Und ich möchte an dieser Stelle etwas sehr Persönliches sagen: Dass ich heute hier stehe und zu Ihnen spreche, ist für mich alles andere als selbstverständlich. Denn heute ist Schabbat. Aber im Judentum gibt es einen fundamentalen Grundsatz: Pikuach Nefesch. Der Schutz und die Rettung menschlichen Lebens stehen über dem Schabbat.
Und ich bin heute hier, weil ich glaube, dass wir es längst nicht mehr nur mit einer abstrakten Bedrohung Israels zu tun haben. Es geht auch um die Sicherheit jüdischen Lebens – hier, mitten in Deutschland.
Wenn von „Steinen und Gewehren“ die Rede ist, wenn bewaffnete Gewalt gegen Israelis als legitimer „Widerstand“ dargestellt wird, wenn Israel symbolisch von der Landkarte verschwindet und wenn die Bildsprache der Hamas aufgegriffen wird, wie wir es bei den Organisatoren und auch im Umfeld der Redner der dortigen Demonstration immer wieder sehen, dann sehe ich darin eine Bedrohung, die weit über Israel hinausreicht.
Denn die Erfahrung der vergangenen Jahre hat uns eines gelehrt: Der Hass beginnt vielleicht mit Israel. Aber er endet nicht bei Israel! Er trifft Juden. Er trifft jüdische Einrichtungen. Und er trifft Menschen, die sichtbar an der Seite Israels stehen.
Deshalb bin ich heute hier. Deshalb spreche ich heute – am Schabbat! Weil Schweigen angesichts einer solchen Entwicklung für mich keine Option ist. Und weil der Schutz jüdischen Lebens für mich heute bedeutet, meine Stimme zu erheben!
Wenn Gewalt gegen Israelis als legitimer „Widerstand“ umgedeutet wird, wenn zum bewaffneten Kampf aufgerufen wird, wenn Israel auf Karten einfach ausgelöscht wird und wenn wir das auf der Spitze stehende rote Dreieck sehen, wie es die Hamas in ihrer Propaganda verwendet, um angegriffene Ziele zu markieren, dann dürfen wir nicht länger den Fehler machen, jedes Wort und jedes Symbol isoliert zu betrachten – wie es das Frankfurter Ordnungsamt und auch das Verwaltungsgericht offenbar meinen tun zu können.
Denn genau das halte ich für falsch.

Die Botschaft entsteht aus dem Gesamtbild. Aus den Worten. Aus den Bildern. Aus den Symbolen.
Und dieses Gesamtbild ist eindeutig: Israel wird dämonisiert. Israel wird das Recht auf Existenz abgesprochen. Gewalt gegen Israelis wird als legitimer „Widerstand“ verkauft. Und es geht längst nicht nur um Israel. Diesen Fanatikern geht es ausdrücklich gegen alles und jeden, den sie als „zionistisch“ bezeichnen.
Die Hamas muss dabei nicht einmal ausdrücklich genannt werden. Ihre Sprache, ihre Symbolik und ihre Narrative haben längst ihren Weg auf deutsche Straßen gefunden. Man hat gelernt, wie weit man gehen kann. Man kennt die juristischen Grenzen. Man bewegt sich bewusst an ihnen entlang. Immer gerade so weit, dass am Ende vielleicht wieder jemand sagt: Unerträglich – aber möglicherweise gerade noch nicht strafbar.
Und genau das dürfen wir nicht länger akzeptieren!
Deshalb sagen wir heute gemeinsam: ES REICHT!
Denn die Umdeutung von Terror in vermeintlich legitimen Widerstand sowie die Dämonisierung und Delegitimierung Israels sind zentrale Erscheinungsformen des modernen Antisemitismus. Und genau dem treten wir heute hier in Frankfurt entschieden entgegen!
Dazu gehört noch etwas, das ich heute ganz bewusst ansprechen möchte. Die Veranstalter der anderen Demonstration bezeichnen uns alle, die wir heute hier sind, abwertend als „Zionisten“. Sie sprechen sogar von einer „zionistischen Völkermord-Versammlung“.
Deshalb sage ich ihnen – und jedem, der glaubt, Zionismus sei ein Schimpfwort – ganz deutlich:
Ja, ich bin Zionist. Und ich bin stolz darauf!
Zionismus ist nichts anderes als das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung in seiner historischen Heimat. Nicht mehr. Und nicht weniger.
Nach Jahrhunderten der Verfolgung, nach Pogromen und Vertreibung und nach der Ermordung von sechs Millionen Juden im Holocaust bedeutet der jüdische Staat Schutz, Zuflucht und Sicherheit. Israel ist die Garantie dafür, dass Juden nie wieder vollkommen schutzlos der Willkür anderer ausgeliefert sind.
Und genau deshalb ist die Dämonisierung des Zionismus so gefährlich. Man behauptet, man habe nichts gegen Juden – man will nur den einzigen jüdischen Staat auf dieser Welt beseitigen. Das Selbstbestimmungsrecht wird allen möglichen Völkern zugestanden. Nur beim jüdischen Volk soll es plötzlich Rassismus, Kolonialismus oder sogar ein Verbrechen sein.
Und für uns Juden ist Israel eben nicht irgendein abstrakter Staat weit weg. Wenn irgendwann der Punkt kommt, an dem wir unsere gepackten Koffer nehmen und von hier flüchten müssen, weil die Bedrohung zu nahe kommt, dann bleiben uns nur wenige Zufluchtsorte – allen voran der Garant für unser Überleben: der demokratische Staat Israel!
Deshalb sage ich es noch einmal:
Das Existenzrecht Israels steht nicht zur Disposition!
Das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes steht nicht zur Disposition!
Und Israels Souveränität bleibt unverhandelbar!
Und ja: Ich bin Zionist. Und ich bin stolz darauf! Und ich weiß, dass ich damit heute hier nicht alleine stehe – und dafür danke ich euch!
Aber wir müssen auch darüber sprechen, was diese Entwicklung für uns ganz konkret bedeutet. Manche mögen sagen: Das sind doch nur Worte. Das sind doch nur Symbole. Aber es bleibt eben nicht immer bei Worten und Symbolen. Im vergangenen Sommer wurde ich im Frankfurter Grüneburgpark mit Farbe angegriffen. Warum? Weil ich Poster der israelischen Geiseln aufhing. Nach meiner Rückfahrt von unserer Kundgebung in Weimar anlässlich der Kufiya-Aktion in Buchenwald hatte mein Auto plötzlich keine funktionierenden Bremsen mehr. Warum, ist bis heute ungeklärt. Ich behaupte deshalb keinen Zusammenhang. Aber solche Erlebnisse machen etwas mit einem.
Und es geht längst nicht nur um mich. Tagtäglich werden Menschen aus unseren Reihen bundesweit bedroht – online und offline. Sie werden beschimpft, eingeschüchtert und angegriffen. Nur weil sie Israel verteidigen. Nur weil sie Antisemitismus benennen. Nur weil sie sich weigern, zu schweigen.
Gerade weil ich diese Gewaltparolen ernst nehme, sage ich all denen, die glauben, uns einschüchtern zu können:
Wir sind heute trotzdem hier!
Wir lassen uns nicht einschüchtern!
Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen!
Und wir werden auch morgen noch da sein!
Unsere Meinungsfreiheit und unser Demonstrationsrecht sind hohe Güter. Beides schätzen wir. Beides verteidigen wir. Aber Meinungsfreiheit darf nicht zum Schutzschild für die Verherrlichung terroristischer Gewalt werden. Und das Demonstrationsrecht darf unsere Straßen nicht zur Bühne für die Propaganda und Symbolik von Terrororganisationen machen.
Wenn unsere heutigen Gesetze dafür nicht ausreichen, dann müssen sie weiterentwickelt werden. Und die Gesetze, die wir bereits haben, müssen endlich konsequent angewendet werden.
Wir dürfen nicht erst anfangen, jüdisches Leben zu schützen, wenn aus dem Ruf nach Steinen und Gewehren tatsächlich Steine und Gewehre geworden sind!
Spätestens seit dem 7. Oktober 2023 kann niemand mehr behaupten, man wisse nicht, wohin die Verherrlichung eines vermeintlich bewaffneten „Widerstands“ gegen Israelis führen kann. Wir haben gesehen, was die Hamas unter „Widerstand“ versteht: Mord. Folter. Vergewaltigung. Entführung. Das Abschlachten ganzer Familien.
Und deshalb:
Politik muss handeln!
Der Gesetzgeber muss handeln!
Und bestehende Gesetze müssen konsequent angewendet werden!
Deutschland darf nicht warten, bis aus radikalen Parolen weitere konkrete Taten werden. Prävention bedeutet, vorher zu handeln – nicht hinterher Betroffenheit zu zeigen.
Und während nur wenige Meter von uns entfernt Gewalt als legitimer „Widerstand“ verherrlicht wird, ist unsere Antwort eine andere: Wir sprechen von Freiheit und Demokratie, von Frieden und vom Schutz aller friedliebenden Menschen!
Sie wollen uns einschüchtern. Aber wir sind hier! Und wir werden weiter hier sein.
Und deshalb möchte ich, dass man uns heute hört – hier auf dem Opernplatz und auch wenige Meter weiter!
Gegen JEDE FORM VON ANTISEMITISMUS!
Gegen Terror! Gegen die Verherrlichung von Gewalt!
Für jüdisches Leben!
Für Israel!
Und vor allem:
ISRAELS SOUVERÄNITÄT BLEIBT UNVERHANDELBAR!
Vielen Dank.

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