Israel verdient uneingeschränkte Solidarität. Diese Überzeugung sollte Menschen unabhängig von ihrer politischen Orientierung verbinden. Denn an Israels Seite zu stehen bedeutet weit mehr, als eine bestimmte Regierung oder einzelne politische Entscheidungen zu unterstützen. Wer Freiheit, Demokratie und das Selbstbestimmungsrecht der Völker ernst nimmt, hat allen Grund, diese Haltung mitzutragen.
Israel-Solidarität gilt dem jüdischen Staat, seinen Menschen, seiner lebendigen Demokratie und dem Recht der Juden, in ihrer historischen Heimat frei, sicher und selbstbestimmt zu leben. Darin liegt der Kern des Zionismus. Er gründet auf einer mehr als 3.000 Jahre alten, historisch wie archäologisch umfassend belegten Verbindung zum Land Israel, in dem jüdisches Leben über die Jahrtausende fortbestand. Die Resolution 181 der UN-Generalversammlung unterstützte 1947 die Teilung des britischen Mandatsgebiets und schuf eine wichtige Grundlage für die Gründung des modernen Staates.
Israel ist zugleich eine lebendige Demokratie und ein Leuchtturm in einer Region, in der Freiheit, politische Mitbestimmung und Menschenrechte keineswegs selbstverständlich sind. Juden, Muslime, Christen, Drusen und Bahá’í leben dort, und alle israelischen Staatsbürger besitzen unabhängig von Religion, Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung die gleichen demokratischen Rechte. Queere Menschen können offen leben und für ihre Rechte eintreten; Tel Aviv ist für die größte Pride-Parade des Nahen Ostens bekannt.
Die Stärke dieser Demokratie zeigt sich im offenen Streit. Hunderttausende Israelis haben wiederholt gegen politische Entscheidungen demonstriert und damit bewiesen, wie selbstbewusst die Zivilgesellschaft ihre Rechte verteidigt und politische Macht herausfordert.
Israel ist bei all seinen hohen Ansprüchen ein Land wie jedes andere, in dem Fehler, Verbrechen und Unrecht geschehen. Entscheidend ist der Umgang damit: Korruption wird bis in höchste Ämter verfolgt, selbst ein früherer Ministerpräsident und ein früherer Staatspräsident mussten Haftstrafen verbüßen, und Fehlverhalten von Soldaten kann vor der Militärjustiz landen. Die israelischen Streitkräfte verpflichten sich hohen moralischen Maßstäben, gehen entschlossen gegen Terroristen vor und bemühen sich zugleich, unbeteiligte Zivilisten zu schützen.
Die aktuelle israelische Regierungskoalition wird oft als Vorwand genommen, dem Land die Solidarität aufzukündigen. Doch wie in Deutschland und anderen parlamentarischen Demokratien ist eine Koalition ein zeitlich begrenztes Bündnis – nicht die Stimme eines ganzen Volkes. Netanjahu sicherte seine Mehrheit mit Politikern des äußersten rechten Randes; ihre Positionen verdienen klare Kritik, repräsentieren aber weder Israel noch die Vielfalt seiner Gesellschaft.
Dass Netanjahu dennoch von vielen Israelis unterstützt wurde, lässt sich nicht mit einem einzigen Schlagwort erklären. Die Menschen in Israel leben mit Terror, Raketenangriffen, Krieg und der ständigen Sorge um ihre Familien. Diese Erfahrungen prägen ihre Wahlentscheidungen. Man muss diese nicht teilen, um anzuerkennen, dass die Entscheidung allein den Menschen in Israel zusteht. Wir hoffen, dass künftige Wahlen politische Mehrheiten ermöglichen, die ohne jene extremistischen Kräfte auskommen.
Die politische und gesellschaftliche Vielschichtigkeit Israels findet in der Berichterstattung viel zu selten statt. Das Land wird häufig auf Krieg, Konflikt und einzelne politische Entscheidungen reduziert, während terroristische Bedrohungen, die Verantwortung seiner Gegner und die Vielfalt der israelischen Gesellschaft in den Hintergrund treten. Deshalb verstehen wir unsere Arbeit als Korrektiv: Wir ordnen ein, widersprechen Falschdarstellungen und zeigen Israel in seiner ganzen Realität – in Wissenschaft, Wirtschaft, Innovation, Kultur, Geschichte, Archäologie, Sport und Tourismus ebenso wie in der Politik.
Freundschaft mit Israel schließt deutliche Kritik an Gesetzen, politischen Entscheidungen und einzelnen Ministern ein. Israelis wählen ihre politische Führung und tragen die unmittelbaren Folgen; Freunde im Ausland sprechen nicht aus derselben Position. Kritik sollte deshalb informiert, verantwortungsbewusst und von echter Verbundenheit getragen sein.
Ihre Grenze liegt dort, wo Israel dämonisiert, mit anderen Maßstäben als andere demokratische Staaten beurteilt oder dem jüdischen Volk das Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen wird. Wer von Israel eine Fehlerlosigkeit verlangt, die von keinem anderen Staat erwartet wird, Terror relativiert oder jede israelische Selbstverteidigung grundsätzlich verurteilt, übt keine faire Kritik. Die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance bietet hierfür eine klare Orientierung.
Wer für Israel auf die Straße geht, die deutsche Staatsräson einfordert, Städtepartnerschaften fördert, soziale Projekte oder Frauenhäuser unterstützt, engagiert sich für das Land und seine Menschen – nicht für einzelne Politiker. Dieses Engagement trägt dazu bei, Israel in seiner ganzen Vielfalt sichtbar zu machen und den verzerrten Bildern etwas entgegenzusetzen.
Politische Mehrheiten kommen und gehen. Das Recht des jüdischen Volkes auf Selbstbestimmung bleibt. Deshalb können wir mit Stolz an Israels Seite stehen – heute und unabhängig davon, wer morgen politische Verantwortung trägt.

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