Nahostkonflikt

Nahostkonflikt

Kommentar zum Papst

Jerusalem, 11. Mai 2009 – Der Papstbesuch in Israel kann nur vom Erfolg gekrönt sein. Denn fast alle ernsten Differenzen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem jüdischen Volk, zwischen dem Vatikan und dem Staat Israel, konnten in den Wochen vor dem Besuch geradezu mit einem Gewaltakt entschärft oder beiseite geräumt werden.

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Papst in Israel

Jerusalem, 11. Mai 2009 – Pünktlich um 11:00 Uhr Ortszeit landete die Boeing 321 der „Royal Jordanian“ auf dem Ben Gurion Flughafen bei Tel Aviv. Der Papst flog lediglich 20 Minuten, denn Amman liegt nur 100 Kilometer entfernt. Die Piloten hatte eine große israelische und vatikanische Flagge beiderseits der Cockpit aufgesteckt. Die Krone des Haschemitischen Königshauses schmückte das Heck der schwarz-grau bemalten Maschine.

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ULRICH W. SAHM

Jerusalem – Die Weltkarte mit Jerusalem im Mittelpunkt, von Heinrich Bünting 1581 in Hannover geschaffen, ist eine der berühmtesten Karten der Heiligen Stadt. Rund um Jerusalem im Mittelpunkt sind drei Kontinente wie ein Kleeblatt angeordnet. Jerusalems Bürgermeister Nir Barkat hat eine eingerahmte Kopie der Karte dem Papst nach seiner Landung mit einem Militärhubschrauber auf dem Ölberg überreicht. Die gleiche Karte hatte auch George W. Bush bei seinem Israel-Besuch im Januar 2008 überreicht bekommen.

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Der Papst? Was ist das?

Jerusalem, 11. Mai 2009 – Mitten in Jerusalem ist die Zeit stehen geblieben, irgendwann im 19. Jahrhundert. Die Mädchen tragen lange Zöpfe, die Frauen künstliche Perücken oder Pot-Hüte. Die Männer laufen in knielangen Gehröcken herum, wie sie unter Kaiser Wilhelm II Mode waren. Eine willkürliche Straßenumfrage in Mea Schearim ergibt nicht viele Punkte für den Papst. In Deutsch heißt das Viertel „Hundert Tore“ und erinnert eher an ein polnisches „Stettl“ vor dem Weltkrieg als an den modernen Staat Israel.

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Papst in Jad Vaschem

Jerusalem, 11. Mai 2009 – Der Papst betrat mit gesenktem Haupt das Zelt der Erinnerung in der Holocaust Gedenkstätte. In den Fußboden sind die Namen der schrecklichsten Vernichtungslager eingelassen. Das Protokoll ist strikt und steif. Kranzniederlegung und Entzünden der „ewigen Flamme“. Das gesungene Totengebet auf Hebräisch und Aramäisch, der Sprache Jesu und des Talmud. Ein Chor singt Psalmen. Nur in einem Punkt weicht das Protokoll von den stehenden Regeln ab. Allein bei den Päpsten wurde bisher eine Ausnahme gemacht: sie sind aufgefordert, eine Rede zu halten. Benedikt XVI sagte, was man von ihm erwartete. Der Holocaust dürfe nicht verleugnet oder minimalisiert werden. Die Opfer hätten ihr Leben verloren, aber nicht ihre Namen, sagte der. Diese seien eingegraben in die Herzen ihrer Angehörigen, der überlebenden Leidensgenossen und all jener, die sich gegen jede Wiederholung solcher Gräueltaten einsetzten.

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AUSZUG AKTUELLER MELDUNGEN ZUM THEMA IRAN AUS UNSEREM TÄGLICHEN NAHOST-NEWSLETTER…

HANDLESBLATT Druck auf Unternehmen – Berlin blockiert Iran-Geschäft
Das Iran-Geschäft sorgt für immer heftigere Spannungen zwischen der deutschen Politik und Wirtschaft. Die Bundesregierung drängt Unternehmen mit Nachdruck, ihren Handel mit Iran einzuschränken. Hintergrund ist der Streit über das Atomprogramm des Landes. Der wachsende politische Druck zeigt bereits Wirkung.
BERLIN. Die Bundesregierung hat sogar den Nah- und Mittelostverein (Numov) der Wirtschaft schriftlich aufgefordert, auf Informationsveranstaltungen für deutsche Firmen zu verzichten. Der politische Druck zeigt Wirkung: So brach der deutsche Handel mit Iran im Januar 2009 um fast 30 Prozent ein – im Gegensatz zu dem vieler anderer Handelspartner Irans.
Hintergrund ist der Streit über das iranische Atomprogramm. US-Präsident Barack Obama hat Iran darüber direkte Gespräche angeboten. Die Bundesregierung hofft, die Regierung in Teheran zusätzlich unter Druck zu setzen, wenn sie die wirtschaftlichen Beziehungen austrocknet.
Das Bundeswirtschaftsministerium hatte Numov in einem am 27. April geschriebenen Brief ultimativ aufgefordert, eine für denselben Tag geplante Iran-Informationsveranstaltung für 200 Firmen in Düsseldorf und eine Veranstaltung deutscher Konzernvertreter mit dem iranischen Ölminister Gholam-Hossein Nozari am 5. Mai in Berlin abzusagen. Beide Veranstaltungen fanden dennoch statt. Dagegen beugten sich etliche Industrie- und Handelskammern dem Druck und sagten Iran-Seminare ab.
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei einer Militärparade. Quelle: Reuters
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei einer Militärparade. Quelle: Reuters
Dass sich die Politik derart offen in legale wirtschaftliche Geschäfte einmischt, ist ungewöhnlich. „Die Veranstaltungen stehen in klarem Widerspruch zu der Politik der Bundesregierung und könnten größeren außenpolitischen Schaden für Deutschland nach sich ziehen“, heißt es in dem ungewöhnlich scharf formulierten Brief des Wirtschaftsministeriums, der am Mittwoch im Numov-Vorstand zirkulierte. „Aus diesen Gründen möchte ich Sie im Namen des Wirtschaftsministeriums und des Bundeskanzleramtes auffordern, von den Veranstaltungen abzusehen.“
Die Wirtschaft pocht jedoch auf eine klare Unterscheidung zwischen international beschlossenen Uno-Sanktionen und legalem Geschäft. Der Numov-Ehrenvorsitzende Gerhard Schröder betonte in der Veranstaltung mit dem iranischen Ölminister ausdrücklich, deutsche Firmen müssten sich an Uno-Sanktionen gegen Iran halten. Grundsätzliche Kritik am Vorgehen der Regierung äußerte der FDP-Fraktionsvize Werner Hoyer. „Das Problem drohender iranischer Atomwaffen bekommen wir nicht in den Griff, wenn wir einerseits ein Gesprächsangebot machen und andererseits mit Sanktionen drohen“, sagte Hoyer dem Handelsblatt.
Etliche Firmen klagen, dass sie gezielt von Vertretern der deutschen, aber auch israelischen und amerikanischen Regierung unter Druck gesetzt würden, sobald ihr Iran-Geschäft bekannt wird. Deshalb wollen sie anonym bleiben. 

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Diplomatische Verwerfungen Israel-Vatikan

Jerusalem, 10. Mai 2009 – Nur einen Tag vor der Ankunft des Papstes in Israel kommt es zu diplomatischen Spannungen zwischen Israel und dem Vatikan. Regierungschef Benjamin Netanjahu will unbedingt beim Empfang des Papstes auf dem Flughafen eine Rede halten, obgleich ihm das laut Protokoll nicht zusteht. Denn dem Papst ebenbürtig ist nur Staatspräsident Schimon Peres, nicht aber ein Regierungschef. Ebenso forderte Netanjahu vom Papst, ins Ministerpräsidentenamt zu kommen, und nicht – wie schon mit seinem Vorgänger Ehud Olmert abgesprochen – bis nach Nazareth zu reisen und sich vom Papst empfangen zu lassen. Dann schlug Netanjahu vor, dass der Papst ihn in seiner Residenz in Jerusalem aufsuchen sollte, was Vertreter des Vatikans empört zurück wiesen. Jetzt versucht er, laut Zeitungsberichten, seine Begegnung mit dem Papst von Nazareth nach Kapernaum am See Genezareth zu verlegen.

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Kommentar: Papst im heiklen Land

Jerusalem, 8. Mai 2009 – Die Liste der auf den Papst wartenden Fettnäpfchen im heiklen heiligen Land ist lang. Ein Deutscher, ehemaliges Mitglied bei Hitler-Jugend und Wehrmacht, besucht Israel. Der Skandal um die Rehabilitierung des Holocaust-Leugner und Bischof Richard Williamson. Die Wiedereinführung der lateinischen Freitagsliturgie, in der die Juden als „verblendet“ bezeichnet werden. Ganze drei Tage in Israel aber nur ein Tag bei den Palästinensern. Und die Weigerung des Vatikans, eine Politshow der Palästinenser im Flüchtlingslager El Aida zuzulassen, wo für den Papst, gegen den Willen der Israelis, eine Bühne im Schatten der „Mauer“ errichtet wurde. Die Liste der Kontroversen im Konfliktfeld zwischen Juden, Christen und Moslems, Israelis und Palästinensern ließe sich beliebig verlängern.

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