Carolin Emcke: Dummerweise ist Wahlkampf – Warum man mit dem Vorwurf des Antisemitismus sparsam umgehen sollte | ZEIT ONLINE

Vielleicht ist es nicht überflüssig, aus gegebenem Anlass noch einmal darauf hinzuweisen, dass nicht alles Antisemitismus ist, was mit diesem Etikett versehen wird. Stellen Sie sich vor, Sie bekommen ein Päckchen, auf das irgendjemand, sagen wir der Generalsekretär der CDU, mit dickem Filzstift in schwarzer Schrift “Antisemitismus” geschrieben hat. Sie öffnen das Päckchen, finden aber nur das Manuskript einer Rede, die vor aufgeheizter Wahlkampfstimmung, Falschnachrichten und der Möglichkeit populistischer Hetze gegen Klimaforscher warnt. Dürfen Sie Ihrer intuitiven Lektüre trauen, oder müssen Sie sich, im Lichte der krakelig angebrachten Warnung, Ihr armes Hirn zermartern, ob Sie nicht doch eine judenfeindliche Pointe übersehen haben, womöglich von eigenem, tief sitzendem Antisemitismus irregeführt?


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