ULRICH W. SAHM – Reuven „Rubi“ Rivlin, Israels neuer Präsident vereidigt

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?????????????Jerusalem, 24. Juli 2014 – Aus Gewissensgründen ißt Reuven Rivlin seit vier Jahrzehnten kein Fleisch. Er erzählt gern „schrullige“ Witze und erklärte seine Entlassung als Sprecher der Knesset im Jahr 2013 mit den Worten: „Ich wollte die Nachrufe auf mich schon zu Lebzeiten hören.“ Als Minister wurde er mit einer Sahnetorte beworfen, woraufhin er sagte: „Ich bin gegen vieles versichert, nur nicht gegen Schlagsahne!“

Rivlin wurde 1939 in Jerusalem, im damaligen britischen Mandat Palästina, geboren. Er ist verheiratet mit Nechama und Vater von vier Kindern.

Nach seiner Militärzeit als Nachrichtendienstoffizier studierte Rivlin Jura an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Während des Sechstagekriegs im Juni 1967 zählte Rivlin zu den „Befreiern“ der Klagemauer. Zeitweilig war er Manager des Fußballklubs „Betar Jerusalem“.

Im Stadtrat Jerusalems brachte es Rivlin zum stellvertretenden Bürgermeister. Er engagierte sich im Vorstand der Fluggesellschaft El Al  und zog im November 1988 als Abgeordneter des rechts-konservativen Likud in die Knesset ein.

Unter Ariel Scharon war Rivlin zwei Jahre lang Kommunikationsminister. Im Februar 2003 wurde er zum Knessetvorsitzenden gewählt: „Wir wurden gewählt, um zu dienen, nicht um zu gewinnen. Dieses Haus ist ein Glashaus. Wir müssen täglich der Öffentlichkeit Rechenschaft ablegen.“ Niemand hat jemals die Integrität Rivlins hinterfragt.

Die Beziehung zwischen Rivlin und Premierminister Netanjahu war von politischen wie persönlichen Differenzen geprägt. Netanjahu habe alles getan, einen „Präsidenten Rivlin“ zu verhindern. Als sich die „Parteifreunde“ bei einem Fraktionstreffen die Hand reichen mussten, taten sie das, „als streichelten sie ein Stachelschwein“, so ein Reporter. Nach der Wahl traten Netanjahu und Rivlin demonstrativ versöhnt vor die Presse und versicherten, es gebe „kein böses Blut“ zwischen ihnen. Schließlich seien sie beide in Jerusalem geboren,  Fans desselben Fußballvereins und Professorensöhne.

Tatsächlich stammt Israels neuer Präsident aus einer illustren Jerusalemer Sippe. Reuven Rivlins Vorfahr Rabbi Hillel Rivlin war ein Schüler des berühmten „Gaon von Wilna“. Maßgeblich war Stammvater Hillel Rivlin am Kauf von Land für die jüdische Besiedlung beteiligt.

Der konservative Rivlin hatte sich gegen die Räumung des Gazastreifens im Sommer 2005 ausgesprochen. Jerusalem ist für ihn die ewig unteilbare Hauptstadt seines Landes. Die Schaffung eines Palästinenserstaates sei keine Option zur Lösung des Konflikts.

Selbst die linke Tageszeitung HaAretz anerkennt im Falle Rivlins, dass „Siedlerfreund“ nicht gleich „Araberfeind“ ist. Nachhaltig setzt er sich für ein gutes Miteinander von Juden und Arabern ein. Deshalb haben selbst arabische Abgeordnete und die kommunistisch-linksliberale „Meretz“-Partei für Rivlin als Staatspräsident gestimmt.

Rivlin steht für ein eindeutiges Ja zum Jüdischsein und zur Verwurzelung des jüdischen Volkes im Land Israel– ohne arabische Mitbürger abzulehnen oder gar zu hassen. Rivlin ist der volksnahe Großvater der Nation, der sich seiner Tränen nicht schämt.

Reuven Rivlin ist populär und wird mit „Rubi“ angesprochen. Ein „Herr Rivlin“ passt nicht zu ihm – und an das „Mr. President“ muss sich der eingefleischte „Jeruschalmi“, Bürger Jerusalems, noch gewöhnen.

 

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