ULRICH W. SAHM – Wer hat die Schule in Beth Hanoun gebombt?

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10500568_10153002720069838_4076178825927500815_nJerusalem, 25. Juli 2014 – Die Schule der UNRWA (UNO-Flüchtlingshilfeorganisation) in Beth Hanoun im Gazastreifen, wo am Donnerstag nach palästinensischen Angaben 15 Menschen getötet und Dutzende verletzt wurden, ist möglicherweise von einer Rakete der Hamas getroffen worden. UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon und US Außenminister John Kerry hatten den Beschuss der Schule, die auch als Notunterkunft für Flüchtlinge innerhalb des Gazastreifens dient, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in Kairo als mögliches „Kriegsverbrechen“ scharf verurteilt. Wie üblich wurde Israel beschuldigt.

Das israelische Militär hat eine Untersuchung des Vorfalls angekündigt.

Ein Militärsprecher bestätigte, dass es am Donnerstag zu Kämpfen zwischen der Hamas und israelischen Truppen gekommen sei. Aus der Gegend von Beth Hanoun habe die Hamas auch Raketen abgeschossen, wobei einige in der Gegend niedergegangen und explodiert seien. Deshalb sei nicht auszuschließen, dass die Schule von einer dieser Raketen der Hamas und nicht durch israelische Granaten getroffen worden sei.

Am Donnerstag habe das israelische Militär das Rote Kreuz und die UNRWA im Gazastreifen aufgefordert, die Schule zwischen 10 und 14 Uhr zu räumen. Beide Organisationen hätten den Empfang der israelischen Twitter-Meldungen bestätigt. Doch nach israelischen Angaben habe die Hamas eine Evakuierung der Flüchtlinge aus der UNO-Einrichtung verhindert. Der israelische Militärsprecher erklärte auch, dass israelische Soldaten von Beth Hanoun aus beschossen worden seien und zurückgeschossen hätten. Unklar ist hier, ob die Hamas-Kämpfer aus der Schule heraus geschossen haben und die Flüchtlinge als „menschliche Schutzschilde“ missbraucht worden seien.

Nach Angaben von Kanal 2 des israelischen Fernsehens habe die UNRWA Schießereien der Hamas in der Gegend von Beth Hanoun bestätigt, wo sich auch die getroffene UNO-Schule befinde. Gemäß widersprüchlichen Meldungen habe Israel eine Waffenpause angeboten, um die Verletzten zu evakuieren, während ein UNO-Sprecher gegenüber dem amerikanischen Sender ABC behauptete, dass Israel eine von der UNRWA geforderte Kampfpause abgelehnt habe.

In zwei Fällen wurden in UNO-Schulen im Gazastreifen eingelagerte Raketen der Hamas entdeckt. Ein Sprecher der UNRWA in Gaza erklärte im israelischen Rundfunk, dass er nichts davon gesehen oder gehört habe. Es irritierte ihn auch nicht weiter, dass sein eigener Chef, Ban Ki-Moon, den Fund der Raketen bestätigt und als „Verstoß gegen das Völkerrecht“ verurteilt hat, denn der Missbrauch sogenannter „geschützter Einrichtungten“ wie Schulen, Moscheen oder Krankenhäuser durch Kämpfer oder durch das Einlagern von Waffen verwandelt sie in legitime militärische Ziele. In einem Fall habe die UNRWA die entdeckten Raketen den „offiziellen Behörden“, also letztlich der Hamas, übergeben. Im anderen Fall seien die Raketen nach ihrer Entdeckung „verschwunden“.

Besonders problematisch ist der Missbrauch von Hospitälern im Gazastreifen für militärische Zwecke. Mehrere Krankenhäuser sind von israelischen Truppen beschossen worden, wobei Ärzte, Personal und Patienten zum Beispiel im Wafa-Hospital getötet worden seien. Israelische Aufforderungen und Warnungen, die Hospitäler zu räumen, seien ignoriert worden.

Mehrere palästinensische wie ausländische Journalisten im Gazasteifen, darunter der Korrespondent der Pariser Zeitung Liberation, Radjaa Abu Dagga, und Nick Casey vom Wall Street Journal, berichteten aus eigener Erfahrung, dass die Hamas ihr provisorisches Hauptquartier in Räumen neben der Notaufnahme im zentralen Schifa-Hospital in Gaza eingerichtet hätte. Hamassprecher hätten sich auf dem Hospitalgelände interviewen lassen. Dagga wurde im Hospital von bewaffneten Hamasvertretern verhört, weil er durch einen Schmugglertunnel den Gazastreifen in Richtung Ägypten verlassen wollte, um nach Paris zurück zu kehren. Am Ende seien ihm der Pass und sein Presseausweis abgenommen worden.

 

 

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