Fürst Schaumburg-Lippe besucht Israel

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Jerusalem, 13. März 2008 – „Wie fühlst Du Dich als Prinz“, wollte die 14 Jahre alte Odile, eine Araberin aus Lod, im „Onim“-Behinderten-Internat in Kfar Saba bei Tel Aviv wissen. Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe hatte gedacht, dass das Mädchen nach seinem Titel „Fürst“ gefragt habe, zumal die Hebräische Sprache nicht so fein unterscheidet zwischen Rittern, Fürsten, Prinzen und Grafen. „Als Fürst wird man nicht geboren, sondern wächst in das Amt hinein“, antwortete der deutsche Ehrengast im beigen Anzug und mit dem roten Schlipps. Der Fürst aus dem Hannöverschen wird künftig als Schirmherr des MISHAN Fördervereins die Projekte für Israel in Deutschland mit den Möglichkeiten seines Unternehmens unterstützen. Zwei junge Beduinen machten sich die Ausführungen des Fürsten aus Bückeburg bei Hannover in Gebärdesprache verständlich. Sie sind taubstumm und werden in diesem Heim für das Leben vorbereitet. Die wohltätige Organisation Mischan, 1931 gegründet, betreut Internate für 600 behinderte Kinder, überwiegend Araber und jüdische Opfer palästinensischer Terroranschläge, sowie 4500 alte Menschen in Altersheimen, darunter 700 Überlebende des Holocaust. „Fast achtzig Prozent der von uns aufgenommenen Kinder sind Beduinen aus der Negewwüste“, erklärt Kiara bei einer Führung durch das gepflegte Internat mit Computerraum, Schwimmbad und Räumen für die individuelle Beratung der Kinder mit Psychologen und Sozialarbeitern. Erst später, im kleinen Kreis gesteht sie, dass die Taubstummen jene Beduinenkinder „mit den geringsten angeborenen Schäden“ seien. Unter den Beduinen spiele der Familienclan immer noch eine enorme Rolle. Um den eigenen Familienverband zu stärken, gebe es überproportional viele Ehen mit nächsten Verwandten. „Diese Inzucht hat fatale Folgen. Selbst Sozialarbeiter unter den Beduinen mit akademischen Graden israelischer Universitäten, kommen gegen die gesellschaftliche Wirklichkeit nicht an, obgleich sie die Problematik wohl verstehen.“
Um ein Zeichen zu setzen ist Fürst Alexander noch vor den 60 Jahresfeiern Israels und kurz vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel gekommen. Seine Gastgeber füllten das Programm so sehr, dass es kaum zu bewältigen war. Am Donnerstag  besuchte der Fürst zunächst die Holocaust Gedenkstätte Jad Vaschem. „Der Bruder meines Großvaters hat eng mit Hitlers Propagandaminister Josef Goebbels zusammengearbeitet. Ein Onkel von mir hat nach seiner Verhaftung im Hauptquartier der Gestapo in Berlin mit gezielten Faustschlägen zwei Gestapo-Leute niedergestreckt, um sich dann aus dem Fenster in den Tod zu stürzen. Er wollte keine Verschwörer gegen Hitler verraten“, erzählt der Fürst im Bus auf dem Weg nach Kfar Saba, nachdem er in der Altstadt Jerusalems noch die Grabeskirche und die Klagemauer besucht hatte. So war seine Familie eng mit den Nazis verwickelt und mit den Verschwörern vom 20. Juli 1944.
Fürst Alexander entwickelte sein Engagement für Juden und Israel nach der Lektüre eines Buches des Holocaustüberlebenden und Psychologen Primo Levi. „Das hat mein Leben geprägt“, sagt er und gesteht: „Teile meine Familie mögen es bis heute nicht, dass ich mich so intensiv mit der deutschen Vergangenheit auseinander setze.“

  • Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe

    Mit Soldatinnen vor Jad Vaschem
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    In Jad Vaschem mit der deutschen
    Vergangenheit konfrontiert

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    Im Gespräch mit orthodoxen Juden
    vor der Klagemauer


  • Er stopft einen Zettel mit einem frommen Wunsch in eine Ritze der Klagemauer


  • „Wie fühlst Du dich als Prinz“ fragt die
    arabische Odile und überreicht dem Fürsten ein selbstgemaltes Bild

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