Iran: Wenn die Moral der Revolutionsgardisten sinkt

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Iran: Wenn die Moral der Revolutionsgardisten sinkt

Wahied Wahdat-Hagh von Wahied Wahdat-Hagh, Kolumnist für WELT DEBATTE

 
In Teheran soll noch in diesem Winter ein Kongress unter dem Motto „Die Rolle der Moral im asymmetrischen Krieg” durchgeführt werden. Der Kongress soll der moralischen Schwächung der Pasdaran entgegen wirken. Tatsächlich sind einige Militärs in die USA übergelaufen.

Der Kongress wird unter Leitung eines Stellvertreters des religionspolitischen Führers des Iran, Ali Khamenei, stattfinden und soll dazu dienen, die Kampfmoral der Revolutionsgarden zu stärken. Dort soll die „operative Strategie” des iranischen Militärs diskutiert werden. Der Organisator ist ein „wissenschaftliches” Institut der Revolutionsgarden, das unter der Leitung des Revolutionsführers Ayatollah Ali Khamenei steht. [ http://www.shabestan.ir/newsdetail.asp?newsid=86091109371756 ]

Die Revolutionsgardisten sind gefährdet, sagt Ayatollah Shirasi
Ayatollah Makarem Shirasi begründete die Notwendigkeit eines solchen Kongresses damit, dass Drohungen gegen die Revolutionsgardisten zur Schwächung dieser „heiligen Institution” führen könnten. Ihre islamische Kultur könnte verloren gehen und unter den Einfluss der westlichen Kultur geraten. Er warnte vor einem ideologischen Wandel der Pasdaran. Wenn die Revolutionsgarden keine islamische Kultur mehr hätten, würde diese „heilige Institution auseinanderfallen. Wenn sich die Pasdaran unter dem Einfluss der feindlichen Kulturinvasion ändern, wird der Iran kein mächtiger Staat mehr sein.” Ayatollah Shirasi betonte, der Glaube der Pasdaran müsse gestärkt werden.

Die Pasdaran müssen gefestigt werden, sagt Hojatoleslam Saidi

Und der Vertreter des zweiten Revolutionsführers Hojatoleslam Walmoslemin Saidi hob hervor, dass jeder Revolutionsgardist drei Eigenschaften besitzen müsse: Er müsse militärisch gut ausgebildet sein. Zudem müsse er kulturell und in seinem Sicherheitsdenken gefestigt werden. Das heißt er müsse den Befehlen bis zum Äußersten gehorchen. Wenn ein Kämpfer im Jihad verhaftet werde, müsse er in den schwierigsten Lagen so stark sein, dass er niemals etwas verrät. Er müsse auch „bei einem Erdbeben der Stärke 10 auf der Richterskala Widerstand leisten können.” Daher müsse ein revolutionärer Kämpfer wissen, dass im Falle seiner Verhaftung und Tötung er „hohe Stufen des Märtyrertodes” erreichen werde und wenn er den Feind töte, werde er einen besonders großen Erfolg zeitigen. Daher müsse der Geist des Märtyrertodes und des Jihad bei den Pasdaran permanent gestärkt werden.

Die Moral im asymmetrischen Krieg

Sobhe Sadeq, eine Zeitung der iranischen Revolutionsgarden führte ein Interview mit Hojatoleslam Dr. Abdollah Haji Sadeqi, dem Leiter des „wissenschaftlichen Komitees” des genannten Kongresses.
Dr. Haji Sadeqi geht prinzipiell davon aus, dass das Rätsel des „Sieges der Islamischen Revolution und deren Fortsetzung während der heiligen Verteidigung”, so nannten die iranischen Machthaber den achtjährigen Krieg gegen den Irak (1980-88), auf die Einhaltung der
„göttlichen Werte” zurückzuführen seien.

Zu den Zielen des Kongresses gehören Dr. Haji Sadeqi zufolge, die Stärkung der Moral im asymmetrischen Krieg. Die Moral gebe auch den „revolutionären Kräften Macht”. Diese Macht sorge dafür, dass die Kämpfer weniger verletzbar werden. Moral bedeute zudem die Strategie, die dem Koran zufolge zum Sieg der Muslime führe.

Was Pasdaran von der Schlacht von Badr heute lernen können

Haji Sadeqi geht auf Beispiele aus dem frühen Islam ein. Er erwähnt die Schlacht von Badr, die auch im Koran, im Heiligen Buch der Muslime erwähnt wird. Der Prophet der Muslime, Mohammad, leitete persönlich diese Schlacht gegen die Mekkaner und gewann. Dr. Haji Sadeqi schreibt nun: „In großen Kriegen, zu Beginn der Geschichte des Islam, wie im Badr-Krieg waren die Möglichkeiten und die Ausrüstung der Muslime nicht vergleichbar mit denen der Feinde. Sie wurden aber von Gott beschützt, weil sie an göttliche Werte geglaubt haben und konnten daher große Siege erlangen.” Sadeqi schließt von der Urgeschichte des Islam auf die heutige Zeit. Während der islamischen Revolution von 1979 und während des „Verteidigungskrieges der libanesischen Hisbollah gegen Israel” sollen ähnliche Verhältnisse geherrscht haben.

In all diesen historischen und heutigen Szenarien seien die „revolutionären Kräfte in Hinblick auf Personenzahl, Operationen, Möglichkeiten und Ausrüstung und sogar Propagandamöglichkeiten viel schwächer als ihre Feinde, konnten sich aber auf das Prinzip der Moral stützen und große Siege erlangen.” Das Ziel sei daher auch heute dieselbe Moral den Revolutionsgarden beizubringen. Im asymmetrischen Krieg verfüge die eine Seite über eine größere technologische Macht, aber die andere Seite setze auf „Moral, Mut und Opferbereitschaft.” Die mächtigere Seite habe zudem große Schwächen, wie Angst vor dem Tod, schwache und kleine Zielvorstellungen vom eigenen Leben. Daher sollen Stärken, Schwächen, Taktiken und Strategien der Feinde herausgefunden werden, um den Krieg gewinnen zu können, predigt Sadeqi.

Warum die Kriege von damals nicht wiederholt werden können

Der Wille eine islamische Herrschaft auch heute durchzusetzen, muss scheitern. Fakt ist, dass der Islam in seiner historischen Dimension eine Zivilisation geschaffen hat, deren Verfallserscheinungen heute besonders sichtbar sind. Die soziokulturell betrachtet, positiven Impulse des Islam sind zeitlich und regional beschränkt. Daher muss der politische Wille, islamische Herrschaften nach gleichen Prinzipien wie vor knapp 1400 Jahren herzustellen in totalitären jihadistischen Bewegungen und totalitären Herrschaftsformen enden. Ein Wertewandel wird auch immer in islamischen Gesellschaften gefordert, besonders in Iran. Auch islamische Gesellschaften dürsten immer mehr nach Freiheit und universellen Werten moderner Demokratien.

Und was hat dies alles mit NIE zu tun?

Tatsächlich könnte die Angst vor dem Verfall der iranischen Revolutionsgarden berechtigt sein. Immer wieder fliehen hohe Offiziere in die USA und plaudern allzu weltliche Geheimnisse des islamischen Gottesstaates aus. Der neuste Bericht des national Intelligence Estimate (NIE) stützt sich auf Enthüllungen einiger übergelaufener Militärs. Es gibt auch Warner, die skeptisch die Frage aufwerfen, ob die Überläufer, die gegenwärtig die Weltpolitik beeinflussen, nicht vielmehr klassische Desinformationspolitik betreiben.

Kein westlicher Geheimdienst hat jemals den Bau einer Atombombe vorausgesehen

Für eine Atombombe muss die Islamische Republik Probleme des Baus der nötigen Sprengköpfe und Trägerwaffen lösen. Das Hauptproblem ist aber das fehlende angereicherte Uran. Das iranische Regime setzt ungeachtet der westlichen Forderungen seine Urananreicherung fort. Die Frage ist, ob die iranischen Machthaber die konsequente Haltung der Weltdiplomatie überhaupt ernst nehmen, oder sich schrittweise der Atombombe nähern.

Es gehört zu den historischen Tatsachen, dass kein westlicher Geheimdienst den Bau der sowjetischen Atombombe im Jahr 1949 oder die von China im Jahr 1964 oder die von Nordkorea im Jahr 2002 vorausgesehen hat.

 

 

 

 

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