ULRICH W. SAHM – Hamas lässt Katze aus dem Sack

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IMG_0038.JPG (2)Jerusalem, 23. August 2014 – Die Hamas-Organisation hat sich innerhalb weniger Tagen selber ins Abseits gestellt. Mit öffentlichen Hinrichtungen von mehr als 20 Palästinensern nach dem Freitagsgebet an der Außenmauer einer Moschee haben sich die in schwarz gekleideten und vermummten Männer auf eine Stufe mit den IS-Terroristen gestellt, die mit einem Messer den amerikanischen Journalisten James Foley geköpft haben.

Sogar Amnesty International hat die Hamas wegen dieser Exekutionen verurteilt, obgleich sie sonst eher Israel der schlimmsten Verbrechen bezichtigt. Auf einem Zettel über den gefesselten und mit einem Sack über dem Kopf verhüllten Todeskandidaten stand, dass „Kollaborateure“ im Felde entledigt würden, weil keine Zeit für Gerichtsverfahren bleibe. Damit gestand die Hamas einen Verstoß gegen die eigenen Gesetze ein. Denn bei den Palästinensern steht zwar auf „Kollaboration mit Israel“ die Todesstrafe. Aber nur nach einem ordentlichen Prozess. Die Todesurteile müssen per Unterschrift vom Präsidenten bestätigt werden, also Mahmoud Abbas. Die Namen der Ermordeten wurden bisher nicht veröffentlicht. Doch einige dürften Angehörige der Fatah-Partei sein. Die Hamas hat zu Beginn des Gazakriegs Dutzende Fatah-Leute unter Hausarrest gestellt. Wer sich nicht daran hielt, dem schossen Hamas-Leute in die Knie oder brachen ihnen Beine und Arme. Kein Wunder, dass die innerpalästinensischen Erzfeinde der Hamas nach Rache sinnen und den Israelis als Spitzel dienen.

10603543_1462291597362991_5803178101661358806_nDie Israelis gestehen offen, mit „menschlicher Aufklärung“ versorgt zu werden, wenn sie vor der „gezielten Tötung“ von Hamas-Spitzen sicher sein wollen, dass sich die gesuchten Männer in einem bestimmten Haus aufhalten, im Auto, auf einem Motorrad oder Eselskarren sitzen. Die militärischen Führer der Hamas sind völkerrechtlich ein legitimes Ziel. Die Israelis haben wiederholt eine erstaunliche Fähigkeit bewiesen, mit extremer Genauigkeit jene zu treffen, die sie im Visier hatten. Neben Spitzeln setzen die Israelis auch elektronische Mittel ein. So haben sie laut libanesischen Medien den seit 20 Jahren gesuchten Top-Terroristen Muhammad Deif ausgemacht, als der leichtfertig ein Telefongespräch des Auslandschefs Khaled Maschal aus Doha angenommen hat.

Maschal hat so nicht nur zur Tötung seiner besten militärischen Befehlshaber beigetragen. In einem Interview mit Yahoo-News hat er erstmals eingestanden, dass tatsächlich die Hamas die drei israelischen Talmudschüler im Juni entführt und ermordet habe. Obgleich zwei von ihnen 16 Jahre alte Minderjährige waren, rechtfertigte Maschal die Aktion als „legitimen Widerstand gegen die illegale israelische Besatzung“.

10171142_693323407390276_5877262765265147895_n„Wir waren uns der Aktion durch eine Gruppe von Hamasmitgliedern nicht bewusst. Wir haben von den Geständnissen durch die israelischen Ermittlungen erfahren.“ Offenbar hat der ahnungslose „politische Arm“ der Hamas dem israelischen Premierminister geglaubt, als der behauptete, dass Hamas hinter der Entführung stand. Deutsche Medien, darunter der Spiegel, dpa und andere stellten das in Frage, da Netanjahu „keine Beweise“ geliefert habe.

Maschal gewährte das gefilmte Interview einen Tag nach Gesprächen des Präsidenten Abbas mit dem Herrscher von Qatar. Während Abbas den Ehrenplatz neben dem Emir Tamim bin Hamad al-Thani erhielt, wurde Maschal nur verspätet eingelassen und musste sich auf der Seite, zwischen die „Berater“ setzen. Das war eine beabsichtigte Herabwürdigung des Hamaschefs, dem angeblich sogar die Ausweisung aus Qatar droht.

Ein delikates Thema bei den Gesprächen in Doha waren die Bemühungen der PLO, vom internationalen Gerichtshof in Haag als Partei anerkannt zu werden, um Israel wegen Kriegsverbrechen zu verklagen. Doch Abbas bestand auf einer schriftlichen Zustimmung der Hamas. Denn sowie die PLO Mitglied beim IGH ist, der eigentlich nur Staaten aufnimmt, könnte Israel genauso die Hamas verklagen wegen des Kriegsverbrechens, Raketen auf Städte, also zivile Ziele, geschossen zu haben.

Ob Qatar, neben Türkei und Iran der einzige verbliebene Verbündete der Hamas, jetzt eine Kehrtwende macht, um sich einem von Ägypten vermittelten Waffenstillstand anzuschließen, ist unklar. Bisher war es vor allem Maschal, der mit Konditionen der Hamas einen Durchbruch der Gespräche in Kairo und so eine Fortsetzung des Waffenstillstands verhinderte. Druck auf die Hamas wegen der öffentlichen Hinrichtungen, die Tötung der halben Militärspitze und der israelische Anschlag auf Mohammed Deif bedeuten eine deutliche Schwächung der Hamas.

Hinzu kommt noch die Aufdeckung eines Umsturzkomplotts der Hamas gegen die PLO und Präsident Abbas im Westjordanland. Die Israelis hatten wohl infolge ihrer intensiven Suche nach den Entführern  der drei Talmudschüler eine organisierte Verschwörung der Hamas aufgedeckt und über 90 Hamasaktivisten festgenommen.

Für Abbas bestätigt sich jetzt, wovor er wenige Tage nach der „Versöhnung“ mit der Hamas, der Errichtung einer „Einheitsregierung“ und der Entführung der drei Talmudschüler in Saudi Arabien gewarnt hatte: sollte sich bestätigen, dass die Hamas hinter der Entführung der Talmudschüler steckt, wäre das ein „Dolchstoß in den Rücken der Einheitsregierung“. Genau diese Bestätigung hat er jetzt als gefilmtes Interview aus dem Munde von Khaled Maschal erhalten.

 

 

 

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