Schlechte Aussichten für eine Zweistaatenlösung

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Schlechte Aussichten für eine Zweistaatenlösung

honestreporting Media BackSpin, 25. September 2008

IBRA hat eine neue Umfrage unter Palästinensern veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Mehrheit der Palästinenser nicht mehr eine Zweistaatenlösung unterstützt. Noah Pollak (via Soccer Dad) fragt sich, warum niemand sich dafür interessiert:

Wenn eine Umfrage festgestellt hätte, dass die Mehrheit der Israelis die Zweistaatenlösung ablehnte, hätte das weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Wenn jedoch wiederholte Umfragen unter Palästinensern stabile Mehrheiten für Terror gegen Israel und Ablehnung eines Friedensvertrages mit Israel finden, zuckt niemand mit der Wimper, weil man nicht hinhört. Informationen wie diese werden als nicht berichtenswert angesehen. Merkwürdig.

Die MSM mögen die Implikationen dieses Sachverhaltes nicht wahrnehmen unvoreingenommene Nachrichten (Ausnahme: Christian Science Monitor). Aber man kann das gepolter in den eher parteiischen Gastkommentarseiten erkennen.

Newsweek gab Sari Nusseibeh die Gelegenheit, zu „erklären“, warum die Palästinenser den Glauben in die Fristenlösung verlieren und tischte mit der alten Kamelle „Die alten „Palästinenser [haben] bereits 78% des historischen Palästina aufgegeben“ auf.

• Und heute ruft Ghada Karmi nach einer UN-Resolution zugunsten eines binationalen Staates.

• Im Wall Street Journal sprach der Raïs* Mahmoud Abbas höchstpersönlich eine verschleierte Drohung aus, als er auf einen binationalen Staat oder eine dritte Intifada verwies:

Aber wenn wir nicht bald erfolgreich sind werden sich die Parameter der Debatte möglicherweise dramatisch verschieben.

Im Juli formulierte ich 6 Argumente gegen die Einstaatenlösung. Es lohnt sich, sie (mit einigen neuen Links) wieder zu erwähnen.

1. Es ist keine Schande, ein Konzept für Juden in einem jüdischen Staat zu haben.

2. Die Einstaatenlösung verneint palästinensische nationale Bestrebungen ebenso wie jüdische nationale Bestrebungen.

3. Juden und Araber teilen weder Sprache, Geschichte, Religion, Kultur oder Werte, die erforderlich sind, um Anstrengungen für einen binationalen Staat zu genügen. Ein typisches Beispiel: Ohne einen Machthaber, der mit eiserner Faust regierte, löste sich Jugoslawien entlang seiner ethnischen Grenzen auf und der Begriff „Balkanisierung“ fand Einzug in die Lexika weltweit.

4. Selbst können die Araber keine Geschichte erfolgreicher multiethnischer Staaten vorweisen. Der Libanon taumelt in einen Bürgerkrieg. Im Irak hält die sektiererische Gewalt an (Aufteilung des Staates nicht ausgeschlossen). Christliche Araber haben Probleme im Gebiet der PA, im Irak und in Ägypten. Was also soll den Israelis Vertrauen einflößen?

5. Das südafrikanische Beispiel ist untauglich. Neben den vielen Unterschieden zwischen den zwei Regionen weist Benny Pogrund darauf hin, dass in Südafrika Schwarze und Weiße eine Führung hatten, die zusammenhielt, die ihrer jeweiligen Wählerschaft die Teilung der Macht sowie wirtschaftliche Interdependenz vermitteln konnte. Im Verhältnis zwischen den Israelis und Palästinenser ist das nicht der Fall.

6. Wie kann Israel überhaupt mit der Westbank-Fatah über eine Einstaatenlösung verhandeln, die einer Hamas-Herrschaft in Gaza zustimmen würde?

Das klingt wie ein Rezept für eine Dreistaatenlösung. Auf welcher Informationsbasis also bildet man sich seine Meinung über eine Einstaatenlösung?<!–[if !supportLineBreakNewLine]–>
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*Raïs: Arabische Bezeichnung für das Oberhaupt der Palästinenser

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