ULRICH W. SAHM – Liebe kann tödlich sein

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300px-Mealybug1_ies[1]Jerusalem, 12. Oktober 2014  – „Liebe kann tödlich sein“ könnte die israelische Firma Makhteshim Adama auf die Verpackung ihrer in Flaschen abgefüllten Pheromone anbringen, ähnlich der Warnungen auf Zigarettenschachteln. Für den Vernichtungskrieg gegen die Schleimläuse in den Weinbergen haben  die Forscher  eine Methode entwickelt, die die Tiere  in den Massen-Selbstmord treibt, ohne dass die Ernte verdorben wird. Rami Sadeh, Agronom beim Institut „Schönheit des Gemüse“, bekämpft die Schleimläuse  mit ihrem angeborenen Sex-Trieb.

Sogenannte Pseudococcidae, auf Deutsch „Schmierläuse“, stellen eine akute Bedrohung für Weintrauben dar. Sie heißen so wegen ihrer oft wolligen und bei Kontakt schmierenden Behaarung. Laut Wikipedia gibt es 1.000 Lausarten, die sich in der Länge der Schwanzfäden und der Art der Behaarung unterscheiden. Manche leben im Untergrund und saugen sich an den Wurzeln fest. Andere greifen die Pflanzen und die Trauben an und hinterlassen eine weiße schleimige Spur, den „Honigtau“, der die Ameisen anlockt und die Läuse vor anderen Feinden schützt. Dieser „Honigtau“ lässt die Trauben verschimmeln und macht sie für den Menschen ungenießbar.

Wie viele andere Kreaturen der Welt sondern die Weibchen eine Duftnote ab, ein sogenanntes Pheromon. Damit signalisieren sie den Männchen, bereit für die Vereinigung zu sein. Die Männchen riechen das Zeichen und stürzen herbei zu den Weibchen, deren Lebenserwartung nur bei etwa 50 Tagen liegt. Zur Arterhaltung ist deshalb Eile geboten.

Forscher haben das weibliche Parfum der Schleimläuse isoliert und in Flaschen abgefüllt. Sowie die ersten Läuse auftauchen, verteilen die Farmer den Duftstoff an allen vier Enden ihrer Felder.  Zu diesem Zeitpunkt sind die Weibchen noch „minderjährig“. Doch wie bei anderen männlichen Wesen schaltet sich das Hirn aus und der Instinkt ein. Die Schleimläuser drehen buchstäblich durch, weil sie die bereiten Weibchen zwar riechen, aber nirgendwo entdecken. Wie der Nachrichtendienst „Times of Israel“ berichtet, versetzt der Trieb die Männchen in eine ekstatische Raserei, bis sie vor Erschöpfung tot umfallen. „Nachdem sie alle ihre Energie auf die erfolglose Jagd nach den Weibchen verbraucht haben, legen sie sich auf den Boden und sterben“, erzählt Sadeh. Sowie die Weibchen kopulationsfähig sind, gibt es keine Männchen mehr und auch keinen Nachwuchs. So wird in Ein Yahav in jeder Saison eine ganze Generation Schleimläuse ausgerottet. „Diese Methode kostet uns zwar mehr Geld als das Verspritzen von Pestiziden, aber seitdem schlafen wir ruhiger in unseren Betten“, sagt Sadeh.

Erste Tests mit der Entwicklungsfirma Makhteshim Adama seien sehr erfolgreich gewesen. Doch müssten alle Weinfelder in der Gegend gleichzeitig behandelt werden, um die Paarung der wolligen Schleimläuse zu verhindern. Ein Yahav ist auf biologischen Anbau spezialisiert und bemüht sich, möglichst keine Chemikalien zum Kampf gegen Ungeziefer einzusetzen. Gegen andere Schädlinge wird in Ein Yahav schon eine ganze Armee „sehr gefräßiger“ Räuber eingesetzt, darunter Schlupfwespen, heimtückische Blumen-Wanzen und polyphage Raubmilben.

 

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