ULRICH W. SAHM – Umwelt: Die ausgelöschte Supermacht

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Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm

Jerusalem, 12. November 2014 – Fast zweitausend Jahre lang hat das Assyrische Reich den Mittleren Osten beherrscht. Vor etwa 2.700 Jahren ist das mächtige Reich im heutigen ISIS-Gebiet zwischen Nord-Irak und Syrien implodiert. Fortan wurde es von den Hethitern (den heutigen Türken) und den Babyloniern (heute Irak) beherrscht. Der plötzliche Zusammenbruch sei eine Folge von Überbevölkerung und Dürre gewesen. Diese Erkenntnisse eines türkisch-amerikanischen Forscherteams lösen ausgerechnet in Israel Sorgen aus. Israel steht auf dem internationalen Index überbevölkerter Länder an zweiter Stelle nach Singapur und vor Kuwait. Zugleich wird wegen des Klimawechsels zunehmende Dürre in der ganzen Region vorhergesagt. Adam Schneider der University of California, San Diego und Selim Adali von der Istanbuler Universität behaupten, erstmals einen Zusammenhang zwischen Klimawechsel und dem Untergang einer Supermacht hergestellt zu haben. Sie veröffentlichten ihre These im Journal Climatic Change mit einem Spruch des Königs Sancherib als Titel: “Keine Ernte eingefahren”.

Im Jahr 701 v. Chr. ist unter König Hiskias in Judäa ein von Ägypten und den Babyloniern gestützter Aufstand gegen die Assyrer ausgebrochen. Sancherib kam und belagerte das von Hiskias mit einem bis heute erhaltenen unterirdischen Wassertunnel und mit Mauern befestigte Jerusalem. Doch der assyrische König musste wegen eines Aufstandes in Ninive unverrichteter Dinge heimkehren, zumal laut Bibel „Boten Gottes 185.000 im Lager der Assyrer getötet hatten“ (2 Könige 19:35).

Die Forscher behaupten, dass die Wirtschaft wegen fünfjähriger Dürre und Überbevölkerung zusammengebrochen und das politische System durch Bürgerkriege erheblich geschwächt worden sei. Deshalb wäre die Supermacht zum Raub anderer Völker geworden. Ninive wurde 612 v. Chr. von Babyloniern und Medianern eingenommen.

In der ehemaligen assyrischen Hauptstadt Ninive hat übrigens ISIS vor kurzem das Grab des biblischen Propheten Jonah abgerissen.

Man kann Parallelen zwischen der Katastrophe vor fast 3.000 Jahren und der heutigen Zeit in dem von ISIS kontrollierten Gebiet sehen: chronischer Wassermangel und die durch interne Kriege und große Flüchtlingsströme zusammenbrechende Versorgung der Menschen aus übervölkerten zerstörten Städten.

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4 Kommentare
  • Gabriele Lamys
    Gabriele Lamys

    In einem Punkt irrt Herr Sahm: Die heutigen Türken sind nicht die Nachfahren der Hethiter, sondern Nachkommen von aus Zentralasien eingewanderten und rasch islamisierten Nomaden. Zwischen den beiden Völkern liegt ein zeitlicher Abstand von mehr als 1.500 Jahren.

  • Gabriele Lamys
    Gabriele Lamys

    In einem Punkt irrt Herr Sahm: Die heutigen Türken sind nicht die Nachfahren der Hethiter, sondern Nachkommen von aus Zentralasien eingewanderten und rasch islamisierten Nomaden. Zwischen den beiden Völkern liegt ein zeitlicher Abstand von mehr als 1.500 Jahren.

  • Uwe Wienke
    Uwe Wienke

    Heute ist es Mode, Klimawandel fuer alles Moegliche verantwortlich zu machen. Aber so schnell geht kein Klimawandel. Die alten Juden, ich meine die nomadisierenden Viehzuechter (z.B. Abrahams Sippe) litten in Kanaan periodisch unter Wasser- und Futtermangel. Wenn’s wirklich nicht mehr ging, zogen sie in Nildelta. Dort durften sie ihre Tiere weiden. Allerdings unter Aufsicht und Kontrolle.

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