Austausch mit einem „Außenpolitischen Experten“…

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D10801_3[1]In Reaktion auf unseren Artikelhinweis „Nicht Stillstand, sondern Rückschritt – Vortrag: Der Journalist Andreas Zumach sprach auf Einladung des „Forums gegen Rüstungsexporte“ über die Situation in Israel und Perspektiven des Nahostkonflikts | Bergsträßer Anzeiger „, den wir mit folgendem Kommentar Online gestellt hatten: „Wieder mal so einer, der die Weisheit mit Löffeln gegessen hat und für alles die passende Lösung hat. Palästinensischer Terrorismus und die Ablehnung der 2-Staaten Lösung auf Seiten der Palästinenser spielt dabei genauso wenig eine Rolle, wie der Fakt, dass Netanjahu seine Position zur 2-Staaten Lösung längst klargestellt hat; Hauptsache die Israelis sind wieder einmal die Bösen, auf die man den Druck verstärken sollte…„, kommentierte Ruprecht Polenz, der von 2005 bis 2013 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages war, wie folgt:

Ruprecht Polenz: „Dass ausgerechnet Sie diesen Vorwurf erheben, Herr Stawski, wundert mich nun doch. Für Sie liegt die mit mit Löffeln gefressene Weisheit doch im status quo – obwohl er für Israel weder Frieden noch Sicherheit bedeutet. Ich habe von Ihnen noch keinen einzigen Vorschlag für eine Änderung ISRAELISCHER Politik gelesen. Stattdessen rechtfertigen Sie die Siedlungspolitik, die Israels Sicherheit NICHT erhöht und das Land international immer mehr isoliert.“

Nachfolgend dokumentieren wir die Antwort von unserem Vorsitzenden, Sacha Stawski:

Sacha Stawski:Lieber Herr Polenz, Sie liegen mal wieder so gänzlich falsch; so falsch wie man nur falsch liegen kann. Zum einen verteidige ich die Siedlungspolitik nicht. Zum anderen sehe ich es nicht als meine Aufgabe mich in die Politik eines Landes einzumischen, dessen Staatsbürger ich nicht bin.

Mir geht es ausschließlich um eine ausgewogene, ehrliche und wahrheitsgemäße Berichterstattung. Mir geht es darum, dass Israel mit dem selben Standard gemessen wird, wie alle anderen Staaten auch. Ich setze mich gegen eine Dämonisierung, Delegitimierung und gegen Doppelstandards ein, wenn es um Israel geht. Leider behandeln „Experten“, wie Sie, Israel mit einem anderen Maßstab, als jedes andere Land der Welt. Ich würde mir wünschen mindestens so oft Kommentare von Ihnen zu lesen, wenn es darum geht den Terrorismus der Palästinenser, wie auch sonst wo in der Welt zu verurteilen; wenn es darum geht antisemitische Straftaten beim Namen zu nennen; wenn es darum geht die Verfolgung von Christen, Yesiden und Andersgläubigen in der Arabischen Welt zu verurteilen; wenn es über das „platt machen“ eines 2-km Sicherheitsstreifens entlang der Grenze zu Ägypten geht; wenn es um Menschenrechte, Holocaustleugnung, usw. im Iran geht; etc.; etc.. Es wäre so schön, wenn Sie nicht nur bei Israel meinen würden alles besser zu wissen, sondern eben auch bei den viel größeren Problemen, die es in dieser Welt gibt. Genauso wäre es auch mal schön, wenn Sie einige der positiven Dinge in Bezug auf das Land, das Sie so gerne kritisieren und so oft zum Schwerpunkt Ihrer Kommentare machen, hervorheben würden: den Einsatz in Krisengebieten, wie derzeit in Nepal; die unzähligen weltverbessernden Errungenschaften und Innovationen in den Bereichen Medizin, Wissenschaft, Technologien, Wirtschaft, usw. Ich könnte die Liste beliebig fortsetzen.

Lieber Herr Polenz, Sie sind ein außenpolitischer Experte. Sie haben unzweifelhaft viel Wissen, aber warum behandeln Sie Israel immer mit einem anderen Standard als jedes andere Land der Welt…?!?!?

Zu guter letzt noch etwas zu meiner rein persönlichen Meinung: Ich denke, dass Israel bereits vor vielen Jahren – noch lange vor der Intifada – versäumt hatte eine Lösung für die Palästinensischen Gebiete zu finden, wobei ich absolut erkenne, dass man für jede Lösung einen Partner gebraucht hätte, den es leider zu keinem Zeitpunkt gab. Israel hat den Palästinenser vielfach in den letzten Jahrzehnten weitestgehend das geboten, was angeblich gefordert wurde, einschließlich einer Palästinensischen Hauptstadt Jerusalem. Weder Arafat noch Abbas waren bereit für einen weitreichenden Frieden. Gaza wurde einseitig „Siedlungsfrei“ gemacht, mit dem Ergebnis, dass dies nun eine Hochburg für Terrorismus ist; eine Hochburg, von der in absehbarer Zukunft ein neuer Krieg ausgehen wird. Einen großen Siedlungsausbau gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr – zumindest nicht über das hinaus, was in bestehenden Verträgen in gewissen Gebieten an „natürlichem Wachstum“ erlaubt war. Gleichwohl stimme ich zu, dass der Eindruck, der nach Außen entsteht ein anderer ist, der sehr kontraproduktiv ist. Ausschreibungen für neue Siedlungswohnungen werden überproportional in den Vordergrund gestellt und i.B. von Anti-Israelischen NGOs für ihre Zwecke ausgeschlachtet. Bei diesem brisanten Thema würde ich mir viel mehr Feingefühl von Israelischen Regierungen erhoffen, aber das ist, wie schon gesagt, eine rein persönliche Meinung. Und was meine „Weisheit“ zum Thema „Frieden“, bzw. „Konfliktlösungen“ betrifft, muss ich gestehen, dass ich relativ skeptisch bin. Solange es keinen Partner auf Palästinensischer Seite gibt, solange Palästinensische Kinder weiter tagtäglich zu Hass und zur Liebe für den „Jihad“ aufgezogen werden, wird es keinen Frieden geben, egal was die Israelis tun. Israel könnte sich ggf. einfach noch weiter zurückziehen und die Palästinenser einen unabhängigen Staat in den Gebieten ausrufen lassen, aber das würde die Probleme sicher nicht lösen. Israel könnte dann zwar argumentieren, dass man sich gegen einen angreifenden Staat verteidigt, aber sein wir doch mal realistisch: Ein Palästinensischer Staat kann nur dann reell existieren und erfolgreich gedeihen, wenn Israel mit diesem Staat kooperiert. Würde Israel die Grenzen zu dem Nachbarstaat Palästina dicht machen, einschließlich Einstellung aller Waren-, Strom- und sonstigen Lieferungen, was ja letztendlich nur konsequent wäre, würden die Menschen dort verhungern!“

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5 Kommentare
  • Ruprecht Polenz
    Ruprecht Polenz

    Danke für die ausführliche Antwort. Meine Kommentare zu Syrien, Ägypten, dem Russland-Ukraine-Konflikt haben Sie übersehen, sonst hätten Sie Ihre Vorwürfe nicht erheben können. Sie schreiben: Israel habe Ost-Jerusalem als palästinensische Hauptstadt angeboten. Das mag sein. Aber warum jetzt die aktive Siedlungspolitik gerade dort, um genau das zu verhindern? Auch in Ihrer Replik sind nur die Palästinenser schuld. Ich verkenne überhaupt nicht den Anteil, den die palästinensische Seite an dem Konflikt hat: Terrorismus, Raketen-Angriffe auf den Süden Israels, Spaltung zwischen Fatah und Hamas, und, und und. Aber ich sehe die israelischen Interessen bei der Siedlerberwegung nicht gut aufgehoben. Und ich kritisiere die israelische Regierung – weil mir das Land am Herzen liegt (so wie Ihnen).

  • Christian W. E. Mosch
    Christian W. E. Mosch

    Herr Polenz, man kann viel über „Frieden“ reden und diskutieren. Aber wenn eine Seite immer wieder mit der Vernichtung Israels droht, wenn Araber zwar in Israel leben dürfen aber Juden nicht in Judäa und Samaria, obwohl es ihr ursprüngliches Heimatland ist und wenn in der PLO-Charta und in der Hamas Charta ganz klar von der Vernichtung des „zionistischen Gebildes“ gesprochen wird, dann sollten eigentlich sämtliche Alarmglocken gerade auch bei deutschen Politikern angehen, denen Israel am Herzen liegt!

  • David Sofer
    David Sofer

    Es gibt in der europäischen Außenpolitik in Bezug auf Israel einen patronisierenden Grundtonus. Dabei verhalten sich die Mehrheit der Nahostexperten der europäischen politischen Klasse wie ein Vater, der Kind verprügelt und während das Kind weint zu ihm sagt: „Hör auf zu heulen, Dich zu schlagen tut mir mehr weh als Dir.“

    Die Selbstgefälligkeit solcher Väter verhindert die kritische Auseinandersetzung, ob eine Prügelstrafe überhaupt moralisch gerechtfertigt ist.

  • Rolf Tschan
    Rolf Tschan

    Legal – illegal – sch…egal ?

    Ich verstehe ganz grundsätzlich nicht:

    a) weshalb jüdische Siedlungen in den umstrittenen Gebieten Judäa & Samaria „illegal“ sein sollen, arabische Siedlungen im selben Gebiet jedoch „legal“.

    b) weshab jüdische Siedlungen in den umstrittenen Gebieten Judäa & Samaria „illegal“ sein sollen, arabische Siedlungen im israelischen Kernland jedoch „legal“.

    c) weshalb die Existenz von Juden in Judäa, Samaria (& Gaza) ein „Hinderungsgrund für Frieden“ sein sollen, nicht aber die Existenz von Arabern in Israel.

    d) weshalb zwar des öftern Karten mit „jüdischen Siedlungen in der Westbank“ veröffentlicht (& kritisch kommentiert) werden, nie aber eine Karte mit den vielen arabischen Dörfern in Israel.

    Was sind die Kriterien für diese asymmetrischen Darstellungen und Wahrnehmungen?

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