Reaktionen aus Nahost

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Jerusalem, 5. November 2008 – Die israelische Außenministerin Zipi Livni gratulierte Barack Obama und äußerte sich zuversichtlich wegen seiner „Verpflichtung zum Frieden und zur Sicherheit Israels“. Gleichzeitig bedankte sie sich auch bei McCain für dessen „lang andauernde Freundschaft“.
Während die israelischen Medien schon während des Wahlkampfes deutlich Partei für Obama ergriffen hatten, scheint die Bevölkerung eher Kontinuität unter McCain gewünscht zu haben. Die überwiegende Mehrheit der in Amerika wahlberechtigten Israelis hätten für die Republikaner gestimmt. Israelische Amerikaexperten äußern eine gewisse „Sorge“, weil Obama unerfahren in Außenpolitik sei. Gleichzeitig beruhigen sie, weil der künftige Präsident auf seine Berater angewiesen sei. Ohnehin würden die großen Linien der amerikanischen Politik im Kongress festgelegt, wo es eine traditionelle Sympathie für Israel gäbe, behauptet Joram Ettinger, der viele Jahre als Kontaktmann der israelischen Botschaft in Washington zum Kongress gedient hat. Außenpolitisch werde Amerika sich in der nächsten Zukunft eher auf Irak, Afghanistan und die Krise in den Beziehungen mit Russland konzentrieren müssen, sodass die USA vorerst kein zu großes Gewicht auf den Nahen Osten legen würden.
Sehr besorgniserregend, so die israelischen Kommentatoren, sei die amerikanische Politik gegenüber Iran. Während Israel wegen der Gefahr einer baldigen iranischen Atombombe einen harten Kurs der Amerikaner erwartet mit Sanktionen und im schlimmsten Fall sogar mit einem Militärschlag gegen Irans Atomanlagen, so wird unter Obama mit einem eher weichen Kurs des Dialogs gerechnet. Sogar der scheidende Präsident Bush könnte mit der Eröffnung einer amerikanischen Interessenvertretung in Teheran noch vor dem 20. Januar einen ersten Schritt in diese Richtung tun.
In den palästinensischen Gebieten gab es eindeutige Mehrheiten für Obama. Ein Restaurantbesitzer in Ramallah kündigte gar aus Anlass des Wahlsiegs Obamas halbe Preise an. Doch in den Regierungskreisen bei Präsident Abbas herrscht keine derart überschwängliche Zuversicht. Abbas musste Medienberichte dementieren, wonach Obama den Palästinensern die Herrschaft über Jerusalem versprochen habe. Bei der Hamas im Gazastreifen ist der Hass auf die USA so groß, „dass es keine Rolle spielt, wer da gewonnen hat. Am Ende gehorchen die Amerikanischen Präsidenten doch nur den Vorschriften und Forderungen der allmächtigen Juden.“
Arabische Intellektuelle äußerten in Kommentaren Hoffnung, dass mit Obama die „amerikanische Arroganz“ ein Ende haben werde. Der als „Verbrecher“ und „Schurke“ bezeichnete „weiße Mann im Weißen Haus heute“, habe zwei Kriege gegen islamische Staaten angezettelt, Afghanistan und Irak, und zudem zum „Kreuzzug gegen Moslems“ aufgerufen, schrieb der saudische Publizist Hamad Al-Majid. Der 11. September 2001 wurde in den arabischen Kommentaren freilich nicht erwähnt, auch nicht als Auslöser der Politik von Bush. Obgleich Obama das „Monopol des weißen Mannes im Weißen Haus“ durchbrochen habe, könne kein US-Präsident die Probleme der Welt von heut auf morgen ändern, warnt Jamil Matar in der Zeitung Al-Hayat. Gleichwohl könne Obama eine „bessere Stimmung“ schaffen, was auch viel wert sei, „damit die Araber künftig wieder Amerika bewundern können“.
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