Propagandaschlacht um Jesus und Maria

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Jerusalem, 22. Februar 2009 – „Die christliche Kirche: Glaubt ihr kein
Wort!“ Der israelische Kabarettist Lior Schlein wollte die Lehren der
christlichen Kirche verleugnen, so wie der umstrittene Bischof Richard
Williamson den Holocaust verleugnete. „Warum sollte ich mich ärgern?“ fragte
Schlein in seiner nächtlichen Satire-Sendung beim privaten Fernsehkanal
„Arutz 10“. Jeden Abend wolle eine weitere Lehre des Christentums
hinterfragen. Das erste Filmchen hinterfragte, ob Jesus auf dem See
Genezareth gewandelt sei. Keineswegs! Schon als Baby war Jesus
übergewichtig. Im Film wird ein dickes Baby gezeigt, nachdem zunächst
kitschige Darstellungen eines schlanken und ranken Jesus aus dem Repertoire
katholischer Jesus-Darstellungen präsentiert wurden. Jesus sei Brotsüchtig
gewesen und wohlbeleibt. „Wäre er vierzig Jahre alt geworden, hätte er so
ausgesehen“ wird zur Abbildung eines sich vor der Kamera räkelnden
„vollschlanken“ Mannes gesagt. Sein Leben lang habe Jesus Diät gemacht und
sich geschämt, in der Badehose am See Genezareth zu zeigen. Jeden Sonntag
habe er sein „letztes Abendmahl“ angekündigt, um seiner Brotsucht eine
Absage zu erteilen. „Deshalb ist den Christen der Sonntag so heilig.“
Einen Tag später wird die Jungfräulichkeit Marias auf die Schippe genommen.
Der nackte Bauch einer hochschwangeren jungen Frau wird im Film gezeigt.
„Marias Eltern wollte ihre Tochter ins Kloster geben, aber weil Jesus noch
nicht geboren war, gab es noch kein Christentum und deshalb auch keine
Klöster.“
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Diese gefilmten „Verleugnungen“ des Christentums sind eine Mischung aus
dümmlichen Ideen, geschmacklosen Szenen und einigen gelungenen Witzen,
solange man Jesu Wandeln auf dem See Genezareth nicht tiefgläubig für eine
der wichtigsten Lehren des Christentums hält. Gleiches gilt für die
Jungfräulichkeit Marias, die schon im Mittelalter satirisch hinterfragt
worden ist.
Holocaustleugnung wie des vom Papst zunächst rehabilitierten Bischof
Williamson ist in Deutschland strafbar und verletzt in Israel die Gefühle
vieler Menschen. Der Kabarettist Schlein begegnete den ungeheuerlichen
Sprüchen des Bischofs mit geschmacklosem Humor. Doch im Nahen Osten ist
Humor nicht gefragt. Unmittelbar nach der Sendung mit dem Filmchen zu Marias
Geschlechtsleben erreichte „Arutz 10“ ein bitterböser Beschwerdebrief einer
christlichen Vereinigung aus Nazareth. Der Sender müsse sich entschuldigen,
weil er die Gefühle von „Millionen Christen in aller Welt“ verletzt habe.
Die Anwältin des Senders, Debora Kimchi, und der Satiriker schickten
postwendend eine „aufrichtige Entschuldigung“. Schlein versprach, sich
öffentlich zu entschuldigen. Das geschah in der Sendung vom Donnerstag.
Doch die Christen ließen nicht locker. Sie alarmierten den Vatikan. Der
verurteilte prompt die „vulgäre“ Satire. Sie sei ein „offensiver Akt der
Intoleranz“. Bei Kfar Jasif in Galiläa gab es am Samstag eine Demonstration,
an der sogar Muhammad Barake teilnahm, Vorsitzender der kommunistischen
Partei. Weitere Beschwerden folgten. Die Entschuldigung Schleins und des
Senders reichten nicht aus. Die Nachtsendung müsse abgesetzt werden und
Schlein sollte eine Geldstrafe erhalten. Während das Christentum seit Jahren
den Antisemitismus bekämpfe, käme es immer wieder zu üblen Attacken auf
Christen in Israel, hieß es in dem Brief an Staatsanwalt Meni Mazuz. In Or
Jehuda seien Exemplare des Neuen Testaments verbrannt worden. Unerwähnt
blieb freilich, dass Missionare sie an Juden ausgeteilt hatten, obgleich
Missionstätigkeit in Israel strafbar ist.
Inzwischen beklagte sich über die gefühlsverletztende Satire sogar Al Manar,
TV-Sender der fundamentalistisch-islamistischen Hisbollah-Miliz im Libanon.
Al Manar ist übrigens in Frankreich und Deutschland wegen antisemitischer
Hetze aus dem Kabelnetz verbannt.
Um dem internationalen Skandal über die Verunglimpfung von Jesu Gang auf dem
Wasser und Mariä Jungfräulichkeit einen Schlusspunkt zu setzen, äußerte am
Sonntag Ministerpräsident Ehud Olmert sein „Bedauern und Trauer. Die Satire
habe sich über die christliche Theologie mokiert und den Vatikan verletzt.“
Während der Kabinettssitzung sagte Olmert den Ministern, dass die
„Kommödien-Segmente“ im „Widerspruch zu den guten Beziehungen zwischen
Israel und der weltweiten Christenheit“ stünden.
Die in ihren Gefühlen zutiefst verletzten israelischen Christen haben bis
zur Stunde einen Mitschnitt der blasphemischen Satire auf ihrer
Internet-Seite belassen, offenbar, damit diese Verunglimpfung der
christlichen Theologie auch künftig von möglichst vielen Menschen
nachempfunden werden könne.

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http://www.panet.co.il/MediaFiles/ms01win/L1ZpZGVvUGFuZXQvaW50ZXJ2aWRlby8yMD
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