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  1. KEIN KOMMENTAR… 
    LINKE ZEITUNG
    Exklusiv: Interview mit dem Führer von Hamas Chalid Maschal
    In einem exklusiven Interview diskutiert Ken Livingstone, Londons Bürgermeister von 2000 – 2008, mit dem Hamas-Führer Chalid Maschal über Religion, Gewalt und die Chance auf Frieden.
    Der Schlüssel zum Frieden im Nahen Osten ist die Wiederherstellung internationalen Rechts und die Anerkennung des Rechts sowohl von Palästinensern als auch israelischen Juden, Seite an Seite in Frieden und Sicherheit zu leben. Laut Präsident Obama gibt es momentan keinen Friedensprozess. Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu fährt damit fort, illegale Siedlungen in der Westbank und Ostjerusalem zu erweitern und die fast vollständige Blockade von Gaza aufrechtzuerhalten. Die Palästinenser beschießen Israel mit uneffektiven Raketen. Israel greift palästinensische Gebiete regelmäßig mit modernen Waffen an.
    Jeder große Konflikt kann nur gelöst werden, wenn beide Seiten miteinander reden. Dies war der Fall in Südafrika, Irland und zahllosen anderen Situationen, in denen die Menschen sagten, sie würden nie mit ihren Gegnern reden. Ich wurde in den Achtzigerjahren verunglimpft, weil ich sagte, man müsse mit Gerry Adams und Martin McGuinness reden, um den irischen Konflikt zu lösen.
    Im Nahen Osten kann Frieden nur durch einen Dialog zwischen den gewählten Repräsentanten sowohl der Israelis als auch der Palästinenser erreicht werden – und das bedeutet Hamas, die in der letzten palästinensischen Parlamentswahl eine große Mehrheit gewann, als auch Fatah. Das bedeutet nicht, dass ich mit den Ansichten von Hamas, Fatah oder der israelischen Regierung übereinstimme. Ganz im Gegenteil, das tue ich nicht. Ich meine zum Beispiel, dass einige Abschnitte in der Original-Hamas-Charta inakzeptabel sind und verworfen werden sollten. Viele Beobachter glauben, dass dies auch die Meinung einiger Hamas-Mitglieder ist.
    Doch für zu viele Menschen bleibt Hamas als Organisation zu undurchsichtig. Was sie über sie wissen, entstammt feindlich gesinnten Medien; sie hat kein Gesicht. Die meisten denken wahrscheinlich, dass ihr Führer irgendein gestörter Osama Bin Laden-Typ ist. Tatsächlich sind die al-Qaida-Anhänger in Gaza Hamas gegenüber so feindlich gesinnt, dass sie Hamas den Krieg erklärt haben.
    Aus diesen Gründen ist es meines Erachtens wichtig, den tatsächlichen Führer von Hamas, Chalid Maschal, der im Exil in Syrien lebt, zu interviewen. Nicht alle Punkte sind klar. Doch am Anfang jedes Friedensprozesses ist der Dialog am wichtigsten. Das Gespräch ist notwendig, um zu Klarheit und gegenseitigem Verständnis zu gelangen. Sinn Fein beantwortete am Anfang nicht jede Frage und Benjamin Netanjahu tut dies gegenwärtig auch nicht. Maschals Antworten kommen in einer Zeit verstärkter Spannungen und erneuter Todesdrohungen gegen ihn, zusätzlich zu der permanenten Gefahr eines Mordanschlags sowohl seitens der Israelis als auch der al-Qaida-Anhänger in der Region.
    Ich hoffe, dieses Interview hilft dabei, Argumente zu liefern für den benötigten Dialog, der meines Erachtens unvermeidbar ist. Die Frage ist nur, wie viel Leid es auf beiden Seiten geben wird, bevor wir dahin gelangen. 
     

  2. FR  „Hitler besiegen“  Sich vom Holocaust lösen – Von Arno Widmann
    Avraham Burg wurde 1955 als Sohn eines deutschen Holocaustüberlebenden in Jerusalem geboren. Sein gerade im Campus-Verlag erschienenes Buch „Hitler besiegen“ ist eine auch ihn selbst nicht schonende Reflexion über die fatale Fixierung des Staates Israel auf den Holocaust. Als das Buch vor zwei Jahren in Israel erschien, wurde Burg als Feind des Landes kritisiert. Das ist nicht verwunderlich. Avraham Burgs Buch ist tatsächlich eine tieftraurige, dabei aber bitter-scharfe „Attacke auf das israelische Experiment“.

    Hier spricht ein Produkt der israelischen Elite, einer der in ihr aufwuchs und zu einem ihrer beredsten Sprecher wurde. Sein Vater war Josef Burg, prominentes Mitglied der Nationalreligiösen Partei (NRP) und mehrmals Israels Innenminister. Avraham Burg war Berater von Schimon Peres, Vorsitzender der Jewish Agency und Sprecher der Knesset. Seit 2003 hat er sich aus allen Ämtern zurückgezogen und kommentiert die jüngsten Entwicklungen seines Heimatlandes nur noch vom Rande der Verzweiflung aus.  

  3. Ah ja, Israel als Spielverderber?
    SPIEGELGaza-Streifen – Die Braut, die aus dem Tunnel kam – Aus Nusairat berichtet
    Ulrike Putz

    Er lebt im Gaza-Streifen, sie im Westjordanland. Sie wollen heiraten – doch Israel blockiert die Grenze. Da beschließt May, sich unter Todesgefahr zu Mohammed schleusen zu lassen. Die Geschichte einer Liebe in Nahost. 
    Eine gute Stunde lang harrt Mohammed vor dem Tunnel aus. Nervös. Besorgt. Weil er nicht weiß, ob seine geliebte May das Wagnis überleben wird. 
    Einige Meter unter dem Boden, auf dem Mohammed steht, kämpft sich May durch einen Tunnel. Rückwärts. Mit geschlossenen Augen, denn ständig rieselt Sand von der Decke. 
     
    Eheleute May und Mohammed Warda: Absurde Reise vom Westjordanland nach Gaza
    Eheleute May und Mohammed Warda: Absurde Reise vom Westjordanland nach Gaza
     
    Als sie es endlich geschafft hat, als Mohammed May zum ersten Mal im Leben in seine Arme nimmt, da sieht sie aus, „als wäre sie aus einem Grab estiegen“, sagt er. „Über und über voller Erde.“
     
    Mohammed und May – das ist die Geschichte einer Liebe in Zeiten des Kriegs. 1500 Dollar hat Mohammed dafür gezahlt, dass Schmuggler seine Geliebte aus dem Westjordanland in den Gaza-Streifen schleusten – durch einen der lebensgefährlichen Tunnel, die aus Ägypten in das schmale Küstengebiet führen.
     
    Ihren Anfang nimmt die Geschichte von May, 23, und Mohammed, 26, an einem Abend vor drei Monaten. In einer ärmlichen Wohnung im Flüchtlingslager Nusairat in der Mitte des Gaza-Streifens hat sich die gesamte Familie Warda eingefunden. Zehn Mann versammeln sich vor dem kostbarsten Besitz des Clans: dem Computer, mit dem sie per Webcam Kontakt zu Verwandten im Westjordanland halten. Mohammed Warda hat die Maus in der Hand und einen hochroten Kopf. Ein Klick, und seine Cousine May erscheint auf dem Bildschirm, ebenfalls umringt von Verwandten.
    „Wieso bist du so rot?“, fragt sie ihn.
    Er stammelt. Die Frau auf dem Monitor soll seine Frau werden.
    Der Warda-Clan hat May zu Mohammeds künftiger Ehefrau bestimmt. Die Väter der beiden Unverheirateten schalten sich ein. „Seid ihr einverstanden?“, fragen sie. Mohammed und May lächeln sich per Webcam zu. Sie nicken. Die Familien jubeln.
    Dass Väter Verlobungen einfädeln und Cousin und Cousine zweiten Grades verheiratet werden sollen, ist nicht ungewöhnlich in der arabischen Welt. Doch die Geschichte von Mohammed und May ist anders. Die beiden verlieben sich in den folgenden Wochen. Es wird eine virtuelle Romanze per Webcam, Mail und Telefon. Doch zwischen der Liebe und dem Eheglück der beiden Palästinenser steht die Politik.
    Seit der gewaltsamen Machtergreifung der Hamas im Gaza-Streifen 2007 riegelt Israel den Landstrich ab. Anderthalb Millionen Menschen sind in einem der dichtestbesiedelten Gebiete der Erde „eingesperrt“, kritisiert die Uno und nennt es eine „Kollektivstrafe“, dass Palästinenser die Gegend weder verlassen noch ungehindert ins Westjordanland übersiedeln dürfen.
    „Nach unserer Online-Verlobung habe ich fünf Anträge an die Israelis gestellt, mich zu May ins Westjordanland zu lassen – vergeblich“, sagt Mohammed. 

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