Israel testet erfolgreich Abwehr gegen Kassam-Raketen

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Jerusalem, 9. Januar 2010 – Mit dem neuen Raketenabwehrsystem „Eiserne Kuppel“ ist es bei einem Test gelungen, selbst unter schwierigen Sicht- und Wetterverhältnissen mehrere parallel abgefeuerte Kurzstrecken-Raketen abzufangen, wie sie die Hamas im Gazastreifen und die Hisbollah im Libanon gegen Israel einsetzen. Ende Juni sollen die ersten mobilen, auf Tatra-Lastwagen montierte Abwehrraketen in Sderot an der Grenze zu Gaza aufgestellt werden. Bis Ende des Jahres sollen die von den israelischen Rüstungsbetrieben Rafael und der Luftfahrtindustrie „SPYDER ADS-SR“ genannten Abwehrsysteme auch entlang der Grenze zum Libanon aufgestellt werden.
Zehntausend Kassam- und Gradraketen sowie Mörsergeschosse wurden in den letzten Jahren allein auf den Süden Israels abgeschossen. Am Freitag landete eine Rakete in der südisraelischen Stadt Aschkelon, ohne Schaden anzurichten. Die Waren-Terminale Karni und Kerem Schalom wurden mit Mörsergranaten beschossen. Israel schloss kurzfristig die Grenzübergänge. 170 Lastwagen mit Fleisch- und Milchprodukten für die 1,5 Millionen Bewohner des von Israel und Ägypten blockierten Küstenstreifens wurden wieder zurückgeschickt. Für die Lieferanten der Waren und die Lastwagenfahrer entstand ein Schaden in Millionenhöhe. Israelische Militärsprecher hielten es für „rätselhaft“ wieso ausgerechnet jetzt radikale Palästinensergruppen die einzigen Grenzübergänge angreifen, über die der Gazastreifen regelmäßig versorgt wird, zumal Ägypten mit Stahlplatten das Schmuggeln von Waren durch Tunnel unter der Grenze hinweg zunehmend schwieriger macht. Israel hat am Freitag mehrere Tunnel aus der Luft angegriffen. Dabei kamen mindestens drei palästinensische Tunnelbauer ums Leben, darunter auch ein 14 Jahre alter Junge. 
Wegen der kurzen Flugzeit von wenigen Sekunden oder Minuten der relativ primitiven und nicht lenkbaren Raketen aus Gaza oder Libanon galt bis vor einigen Jahren ein wirksames Abwehrsystem als unmöglich. Angedacht wurde zum Beispiel, solche Kurzstreckenraketen mit einem Laserstrahl im Flug zu zerstören. Doch jetzt gelang es den israelischen Rüstungsbetrieben, mit der „Eisernen Kuppel“ mehrere anfliegende Raketen rechtzeitig zu erfassen, ihr mutmaßliches Zielgebiet zu errechnen und dann nur jene Raketen abzuschießen, die in einem bewohnten Gebiet landen könnten.
„So ist das System in der Lage, nur gefährliche Bedrohungen abzuwehren und keine Raketen für ungefährliche Angriffe zu verschwenden“, hieß es in  Sicherheitskreise. „Es ist auch eine Kostenfrage, nicht auf jede billige Kassamrakete eine Abwehrrakete zum Preis von Zehntausenden Dollar abzuschießen“, sagte ein Offizier im Rundfunk.
Jeder Lastwagen mit dem Abwehrsystem enthält drei Abschussrohre, um auch Salven mit mehreren Raketen abfangen zu können. „Eiserne Kuppel“ soll Raketen mit einer Reichweite von vier bis siebzig Kilometern abfangen können. Gegen Mörsergraten, die wie Artillerie abgeschossen werden, biete das System noch keinen Schutz.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums könne ein einziges Gerät der „Eisernen Kuppel“ eine Region in der Größe der Stadt Haifa vor Raketenangriffen schützen. Es sollen mehr Einzelsysteme produziert werden, als ursprünglich geplant, denn „es herrscht lediglich eine Feuerpause. Die nächste Runde wird um einiges zerstörerischer und tödlicher werden. Nur haben wir jetzt eine passende Antwort auf die Bedrohung.“ Generalmajor Yedidiah Yari sagte: „Die Mitarbeiter von Rafael haben in einer Rekordzeit ein Abwehrsystem entwickelt, wie es auf der Welt kein zweites gibt.“ Verteidigungsminister Ehud Barak bezeichnete den erfolgreichen Abschluss der Testreihe als „wichtigen Meilenstein für die Entwicklung eines umfassenden Verteidigungskonzepts für Israel“.
Parallel zur „Eisernen Kuppel“ kooperiert Rafael mit der amerikanische Firma „Raightune“ bei der Entwicklung des „Magischen Szepters“ zum Abfangen von Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von mehreren hundert Kilometern. Hinzu kommt der amerikanisch-israelische „Pfeil“ gegen ballistische Raketen wie Scud (400- 600 Kilometer Reichweite), Schihab (1500 Kilometer Reichweite) und Sidschil (etwa 2000 Kilometer Reichweite). Diese im Iran produzierten Raketen verlassen die Atmosphäre. Eine Abfangrakete muss sie schon weit vor der israelischen Grenze treffen, um radioaktiven Niederschlag auf israelischem Territorium zu verhindern, falls die Raketen atomar gerüstet sind.
In den grenznahen Städten im Süden Israels reagierten die Menschen euphorisch nach bekannt werden der erfolgreichen Tests.  „Jeder Bürger der Negev Wüste und des Südens wird wieder ein normales Leben führen können, ohne ständig in Angst vor Kassam-Raketen zu leben, wie das letztes Jahr der Fall war“, sagte Meir Jifrach, Bürgermeister von Sadot Negev.

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