Iran, die Republik der Frauendiskriminierung

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Iran, die Republik der Frauendiskriminierung

Von: Wahied Wahdat-Hagh,

Welt-Online, 12-Mar-2010

 

Am 8. März haben die iranischen Frauen sich erneut zu Wort gemeldet obwohl der internationale Frauentag im Iran verboten ist. Friedliche Proteste im In- und im Ausland gegen die geschlechtsspezifische Apartheidpolitik kennzeichneten den Tag auch in diesem Jahr.

Die Juristin, Frauenrechtlerin und Publizistin Mehrangiz Kar meint, dass der 8. März für die iranischen Frauen nicht nur der internationale Frauentag, sondern ein Tag der zivilgesellschaftlichen und friedlichen Proteste sei, gegen die Menschenrechtsverletzungen eines Regimes, das aus der Revolution herausgewachsen sei.

 

Der 8. März 1979 sei der Beginn der Proteste iranischer Frauen gewesen, die sich gegen die von Ayatollah Khomeini angeordnete Zwangsverschleierung der Frauen richteten. Diese Proteste hörten nie auf, bis eine zivilgesellschaftliche Bewegung nach dreißig Jahren entstand.

 

Mehrangiz Kar erinnert daran, dass über Jahre die iranischen Frauen unter den Bedingungen der „religiösen Despotie“ den 8. März in privaten Kreisen gefeiert haben. Unter der Präsidentschaft von Mohammad Khatami sei die Frauenbewegung auf die Straße gegangen und unter Ahmadinedschad sei diese so stark geworden, dass Ex-Geheimdienstminister Mohsseni Ejei sogar davon sprach, dass eine „sanfte und samtene Revolution“ angestrebt werde und die Gleichberechtigung fordernde Frauenbewegung nur ein Vorwand sei.

 

Viele iranische Frauen hatten sich laut Mehrangiz Kar über Jahre in privaten Kreisen weiter gebildet und informiert, um eines Tages eine gesellschaftliche Bewegung zu werden. Die Forderungen nach Reformen seien in den Jahren vor der Präsidentschaft Khatamis langsam gewachsen und seien unter seiner Präsidentschaft von den Frauen öffentlich artikuliert worden. Die Frauen hatten über Jahre still in privaten Räumen gegen die Zwangsverschleierung argumentiert und die diskriminierenden Familiengesetze angeprangert.

 

Kar kritisiert die im Iran herrschenden „Aqas“, Herren, die den 8. März als illegal und gegen die Scharia gerichtet, erklären. Mit Gewalt, Unterdrückung und Zensur könnten die Forderungen der iranischen Frauen nicht zunichte gemacht werden.

 

Ungleiche und unfaire Gesetze

 

Auch der iranische Schriftstellerverband erinnerte in einer Erklärung daran, dass sich die iranischen Frauen immer wieder gegen die „falschen Sitten und Selbstbetrug“ gewandt haben.

 

Die iranischen Frauen hätten in den „letzten drei Jahrzehnten mehr als alle anderen den Druck der Hinrichtungen und der Steinigungen gespürt.“ Die iranischen Frauen hätten in den letzten drei Jahrzehnten „mehr als je zuvor in den Krallen ungleicher und unfairer Gesetze gezappelt“, denn sie seien nicht einmal das zweite Geschlecht, sondern zählten manchmal nichts. Frauen seien zu Objekten gemacht worden, deren paar Haarsträhne nur ein kollektiver Albtraum darstellt. Ihre Kleidung und Körper würden polizeilich bewacht werden. Die Frauen hätten dennoch mutig die „Vergewaltigungen in den Gefängnissen und Folterstätten entlarvt“. Sie hätten das „widerliche Gesicht und die bestialische Verhaltensweise der Unterdrücker entschleiert“.

 

Der iranische Schriftstellerverband gratulierte am 8. März den Frauen der ganzen Welt und hofft, dass die Forderung nach Freiheit und Gleichheit ins allgemeine Bewusstsein dringe, so dass der Weg für eine freie Gesellschaft ohne Diskriminierung und Unterdrückung angebahnt werde.

 

Iranische Mütter fordern die Freiheit aller politischen Gefangenen

 

Mütter, die besorgt um ihre Töchter und Söhne vor Gefängnissen demonstrierten, wurden selbst verhaftet .

 

Sogar einige der Unterstützer der Mütter wurden verhaftet. Andere Mütter und ihre Freunde, die sich mit ihnen solidarisieren, demonstrieren weiter. Es herrscht Willkür und kein Gesetz. Sie sind in der berüchtigten Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses eingekerkert. Sie haben nichts getan außer für Demokratie, Menschen- und Frauenrechte, außer für die Freilassung von unschuldigen Menschen aus den schlimmsten Gefängnissen der Welt zu demonstrieren. Deswegen werden sie entführt, sie verschwinden und werden auch offiziell verhaftet. In einer Erklärung fordern iranische Mütter Freiheit und Menschenrechte und erklären, dass sie „die Mütter dieses Landes sind“ und als solche die „bedingungslose Freiheit“ aller politischen Gefangenen fordern.

 

Tahirih, eine historische Symbolfigur

 

Eine der wichtigsten Symbolfiguren der iranischen Frauenbewegung ist im übrigen Tahirih, die Mitte des 19. Jahrhunderts als Anhängerin der Babi-Bewegung ihren Schleier beiseite warf. Sie zählt zu den Heldinnen der iranischen Frauenbewegung und musste auch für ihren Mut mit ihrem Leben zahlen. Denn die iranische Regierung der Ghajaren-Dynastie konnte nicht eine Dichterin aushalten, die sich sogar traute mit den gelehrten Männern des damaligen Iran zu diskutieren. Zu einem Minister, in dessen Haus sie festgehalten wurde, sagte sie: „Du kannst mich töten, sobald es Dir beliebt; aber du kannst die Befreiung der Frauen nicht aufhalten.“ Schließlich wurde sie erdrosselt.

 

Ayda Fadschr schrieb am 8. März in der Zeitung Roozonline, die iranischen Frauen seien schon zu Beginn der konstitutionellen Revolution von 1905 in Frauengruppen aktiv in der sozialen Bewegung gewesen.

 

Im 19. Jahrhundert habe es keine Gruppenaktivitäten gegeben.

 

Ayda Fadschr erinnert an die islamische Revolution von 1979, an der auch Frauen teilnahmen. Das Bewusstsein dieser Frauen war in den Jahrzehnten zuvor gestiegen, im übrigen nicht zuletzt durch einige Gesetze, die den Frauen mehr Rechte einräumten als zuvor in der traditionellen islamischen Gesellschaft. Sie erinnert aber auch daran, dass der Schah seine neuen Gesetze zur Verbesserung der Lage der Frauen in der Familie lediglich mit der Zustimmung von Ayatollah Hakim in Irak durchsetzen konnte, der offenbar fortschrittlicher war als die im Iran lebenden Ayatollahs.

 

Zwar hatte der damals noch Oppositionelle Ayatollah Khomeini 1961 das Frauenwahlrecht für die Iranerinnen abgelehnt, aber 1979 konnte er sich nicht mehr gegen das Frauenwahlrecht stellen. Die Frauen waren nicht mehr bereit dieses Recht, das sie sich erkämpft hatten, aufzugeben.

 

Ayada Fadschr erinnert daran, dass mit der islamischen Revolution die iranischen Frauen alle ihre Rechte, die sie in den Jahrzehnten zuvor erlangt hatten, wieder verloren haben. Dennoch behauptete Khomeini, dass er an die Gleichberechtigung von Frauen und Männern glaube. Offenbar hatte er ein anderes Verständnis davon.

 

Iranische Frauen haben dennoch bei den Demonstrationen der letzten Monate bewiesen, dass sie bereit sind für ihre Rechte zu kämpfen. Sie versammeln sich wieder privat, berichtet Ali Schirasi. Bisher haben sie sehr teuer dafür bezahlt, wenn wir an die Frauen denken, die immer noch im Gefängnis sitzen, nur weil sie Menschen- und Frauenrechte gefordert haben.

 

 


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