Der Antisemitismus des iranischen „Parlaments“

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Der Deutsche Bundestag unterhält parlamentarische Beziehungen zum Pseudo-Parlament (Majless) der „Islamischen Republik Iran“. Der Bundestag ist der Auffassung, dass „Gesprächskanäle unter Parlamentariern wichtig sein können.“ Daher ist es sicher auch wichtig zu wissen, welche antisemitische Position die wissenschaftliche Abteilung des iranischen Majless vertritt.

In der Schriftenreihe des iranischen Pseudo-Parlaments werden regelmäßig antisemitische, antiwestliche und antidemokratische Propagandamaterialien veröffentlicht.

Die sogenannte wissenschaftliche Abteilung des iranischen Pseudo-Parlaments hat im Juli/August 2011 eine Studie unter dem Titel „Zionistische Lobby in der Machtstruktur Englands“ herausgegeben. In dem 27-seitigen Bericht wird ausführlich auf die in der internationalen Presse diskutierte Abhöraffäre eingegangen.

Dem Bericht des iranischen Pseudo-Parlaments zufolge ist die „zionistische Lobby“ personifiziert durch den  Medienunternehmer Rupert Murdoch schuld an der Abhöraffäre. Da es sich nicht nur um einen antisemitischen Hintergrundbericht einer iranischen Nachrichtenagentur, sondern um einen „parlamentarischen“ Bericht handelt, ist es angebracht den Bericht genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die iranischen Machthaber versuchen unbestritten vorhandene Skandale in einer freien Gesellschaft, wie die britische, antisemitisch zu erklären.

In dieser Studie wird behauptet, dass Murdoch ein „jüdisch australisch-US-amerikanischer Kapitalist“, ein „jüdischer Zionist“ und „rechts-konservativ“ sei. Es wird behauptet, dass Rupert Murdoch eine jüdische Mutter habe, die ihn jüdisch erzogen habe. Vorweg: Murdoch versteht sich selbst nicht als Jude. Seine Vorfahren sollen Christen sein.

Schauen wir uns den Bericht an: Die Massenmedien seien heute eine der wichtigsten Säulen der Einflussnahme auf die Entscheidungsfindung der Politiker und der öffentlichen Meinung. Dies sei der Grund warum die „zionistische Lobby“ dabei sei die Medien der westlichen Welt zu kontrollieren. Dies geschehe obwohl die Öffentlichkeit über die „rassistische und unmenschliche Politik Israels im besetzten Palästina sehr gut informiert sei.“

Das Ziel des Berichts ist eindeutig. Schuld am Problem der britischen Abhöraffäre sind die Juden.

Die von Murdoch kontrollierten Medien würden einen „starken Einfluss auf die Politik der westlichen Staaten ausüben.“ BBC soll im Interesse der zionistischen Lobby und Israel arbeiten. Der Autor des Berichts, Mehdi Javdani Moqadam, verschweigt, dass BBC zu den israelkritischsten Medien weltweit gehört.

Javdani Moqadam ist der Meinung, dass die britischen Gerichte die Verantwortlichen in den oberen Etagen des Medienunternehmens nicht verurteilen würden, weil der britische Staat Bestechungsgelder von der „zionistischen Lobby“ bekommen würde. Nur ein kleines Spektrum der britischen Linken würde Murdoch persönlich für den Abhörskandal verantwortlich machen.

Obwohl Murdoch „rechtskonservativ“ sei, würde er auch die linke britische Labour-Partei unterstützen. Murdoch habe sogar die US-Regierung dazu bewogen den Krieg gegen den Irak im März 2003 zu beginnen. Als ob tatsächlich ein „zionistischer Jude“, der nicht einmal Jude ist, die Verantwortung für den US-Krieg gegen den Irak tragen könnte.

Murdoch habe einige Schwerpunkte in seiner Arbeit, die in der Studie wie folgt aufgezählt werden: „Unterstützung des zionistischen Regimes und der Juden weltweit; Propagierung und Stärkung der westlichen Kultur sowie der politischen Kultur des Liberalismus und des Wirtschaftsliberalismus; Gegnerschaft zu Muslimen und farbigen Migranten; Unterstützung der expansionistischen und militärischen Politik insbesondere der USA und Großbritanniens.“

Murdoch habe auch ein iranisches Exilfernsehen finanziert, das die „Kultur des Liberalismus“ verbreite. Der Bericht erwähnt nicht den Namen des exiliranischen Satellitenfernsehens, denn Farsi1 ist im Iran sehr beliebt. (http://farsi1.tv/.)

Murdochs iranisches Fernsehen würde „Schamlosigkeit für Frauen und Ehrlosigkeit für Männer propagieren. Während das iranische Regime die Vielehe und Polygamie propagiert, wird in der Studie der wissenschaftlichen Abteilung des iranischen Parlaments moniert, dass Farsi1.tv, das Murdoch gegründet hat sogar einen „liberalen Feminismus“ propagieren würde. In dem Bericht ist die Rede von einer westlichen „anti-Kultur“. Tatsächlich ist Emanzipation ein Dorn im Auge der totalitären Machthaber des Iran.

Wie eindimensional die Argumentation dieses Berichts ist, macht die Behauptung deutlich, dass die „zionistische Lobby“ auch schuld an den Menschenrechtsverletzungen in Großbritannien sei.

In der Schlussfolgerung wird der Autor des Berichts deutlich. Israel wird als der „wichtigste strategische Feind“ des Iran bezeichnet. Daher sollen die zionistische Lobby und ihre Medien bekämpft werden.  

Kein Wunder, dass in den letzten Tagen ausgerechnet iranische Politiker die gewalttätigen Proteste in Großbritannien vehement verteidigen und die britischen Politiker und Medien angreifen. Kein Geringerer als Ahmadinejad verurteilte die britische Polizei und Regierung wegen ihrer „unmenschlichen Vorgehensweise gegenüber den Benachteiligten“.

Die iranische Regierung und Medien versuchen immer wieder aus den sozialen Problemen in westlichen Demokratien Kapital zu schlagen. Dies geht stets mit antisemitischer Propaganda und mit Verschwörungstheorien einher.

Wahied Wahdat-Hagh is Senior Fellow at the European Foundation for Democracy in
Brussels.

http://europeandemocracy.org/

 

 

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